Der Formel-1 Zirkus ist endlich auch in Russland angekommen

Sotschi – Die russische Motorsportszene wurde bislang nicht wirklich ernst genommen. Off-Road Veranstaltungen, ein Land wie seine Landschaft, konnten sich über das Internet bedingt bekannt machen. Illegale Straßenrennen ziehen im worldwide Web sowieso, aber international sah es dann doch eher mau aus. Das ändert sich nun mit diesem Wochenende. Der große Formel-1 Zirkus hält noch größeren Bahnhof in Sotschi.

Seit gut 100 Jahren gab es keine nennenswerten internationalen Automobil-Rennveranstaltungen mehr im größten Land der Erde. Nicht mal ein nennenswertes Rennsportmagazin gibt es dort. Aber jetzt wird alles ganz anders. Die Losung für 2014 ist ausgegeben, sie heißt ganz klar Sotschi. Ehedem war der Ort am Schwarzen Meer für seine Sommerfrische, sein gesundes Klima und als Kurort bekannt. Seit einiger Zeit ist jedoch alles ganz anders, an dieser „Riviera des Schwarzen Meeres“, wie sie romantisch beschrieben wird.

Wir erinnern uns: Eines Tages rückten die Bagger an und verwandelten den Flecken am Südwestrand des Kaukasus in ein Olympisches Zentrum der Superlative. Die ganze Welt sprach davon. Die einen euphorisch, viele jedoch sehr kritisch, weil es Geld kostete. Viel Geld sogar. Es waren trotz aller Bedenken gelungene Olympische Spiele, die da im Februar in Sotschi ausgetragen wurden. Die Athleten waren voll des Lobes und unmittelbar darauf folgten die Paralympics. Auch die waren gelungen. Nun hat man mit Sotschi aber auch weiter in die Zukunft gedacht.

Wenn man schon, so dachte man sich, so etwas Teures aus dem Boden stampft, sollte man zumindest auch die Nachhaltigkeit im Auge behalten. Somit ist Sotschi jetzt einer der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und bereit für weitere Großveranstaltungen. Für weitere 260 Millionen Euro, so wird zumindest hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, wurde die Stadt rennsporttauglich gemacht. Und das gleich für die höheren Weihen. 5,8 Kilometer Asphalt markieren den Rundkurs des „Autodroms“, auf dem sich die Elite der Formel-1 ein Stelldichein rund um den Olympiapark geben wird.

Ein anspruchsvoller Stadtkurs mitten im Olympiapark

Der Stadtkurs sei vergleichbar mit dem von Valencia, sagt der Formel-1 Pilot Sebastian Vettel. Auch seine Kollegen aus den anderen Rennställen zollen ehrfürchtigen Respekt an die anspruchsvolle Strecke am Schwarzen Meer. Natürlich konnten sich die westlichen Leitmedien, wie wäre es auch anders zu erwarten, nicht mit Häme und Kritik zurückhalten. Viel zu teuer, ein weiteres Prestigeobjekt Putins, Grand Prix vor Putins Gnaden, so lauteten die Schlagzeilen in den letzten Stunden. Den anwesenden Russen vor Ort ist das herzlich egal, denn bereits am Donnerstag tummelten sich etwa 20.000 Begeisterte in den Fahrerlagern und bestaunten die Boliden.

Die Rennfahrer übten sich derweil am Simulator. Da war ihnen dann der Kurs doch zu neu, um sich einfach auf die Piste zu stürzen. Zumal die Wagen während des ersten Kilometers auf eine Geschwindigkeit von etwa 300 Stundenkilometern beschleunigen werden. Auch seien manche Streckenabschnitte sehr eng konzipiert. Aber gerade das ist es, was den Reiz eines Stadtkurses ausmacht. Wie sich der nagelneue Asphaltbelag auf das Fahrverhalten der Autos auswirken wird, vermag bislang eh noch niemand zu sagen.

Am heutigen Freitag hatten die Piloten bei einem freien Training das erste Mal die Gelegenheit, sich mit der noch ungewohnten Streckenführung vertraut zu machen. In beiden Läufen hatten die Fahrer des Teams Mercedes die Nase vorn. Der finnisch-deutsche Nico Rosberg und der Engländer Lewis Hamilton machten jeweils die ersten zwei Plätze unter sich aus. Die Konkurrenz muss sich offenbar erst noch zurecht finden hier in Sotschi, der jüngsten Errungenschaft des Formel-1 Moguls Bernie Ecclestone, der sich schon darauf freut den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Ehrentribüne begrüßen zu dürfen.

[mb/russland.RU]