Der eigene Weg: Putin und das neue Russland

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Der dänische Historiker Jens Jørgen Nielsen bescheinigt dem Westen eine voreingenommene Haltung zu Russland. In seinem Buch, das Ende Oktober in Kopenhagen präsentiert wurde, betont Nielsen, Russland habe das Recht auf seinen eigenen Weg verdient.

Das Buch heißt „PÅ EGENE PRÆMISSER: Putin og det nye Rusland” (”Der eigene Weg: Putin und das neue Russland”). Der Autor erklärte zum Auftakt der Präsentation: „Mich irritiert die nicht objektive und verzerrte Berichterstatung westlicher Medien über die Entwicklung des modernen Russlands. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich über die bestehenden Probleme in Russland hinweg schaue.”

Der Historiker Nielsen verfügt nicht nur über große theoretische Kentnisse, sondern auch über weitreichende persönliche Erfahrungen. Er spricht fließend Russisch und hat lange als Korrespondent der Zeitung „Politiken” in Russland gearbeitet. Im Hinblick auf die Geschehnisse seit zwei oder drei Jahrzehnten zieht er einige westliche Mythen über Russland in Zweifel.

Der Autor betont etwa, der Übergang zu einem „reinen Kapitalismus“ sei Ende der 1980er Jahre nicht vom größten Teil der sowjetischen Bevölkerung, sondern von der Parteispitze angestrebt worden. In den 1990er Jahren habe sich dieser Kapitalismus jedoch als „grob und schwarz“ entpuppt.

Den damaligen Präsidenten Boris Jelzin habe der Westen als Eckpfeiler der Demokratie in Russland betrachtet. Die Fakten beweisen jedoch laut Nielsen das Gegenteil. Der dänische Autor verweist etwa auf Jelzins Befehl, das von seinen Opponenten besetzten Regierungsgebäude im Oktober 1993 zu erstürmen.

Der Däne schreibt weiter, Russlands Wirtschaftslage habe sich unter Jelzin drastisch verschlechtert. Nach der Rubel-Krise von 1998 sei das erniedrigte Russland wie ein Drittland gezwungen gewesen, den IWF um einen Kredit zu bitten.

Nielsen sieht Hinweise darauf, dass der Westen das Ziel verfolgt habe, Russland in ein schwaches Land mit einer abhängigen Innen- und Außenpolitik zu verwandeln. Nach Ansicht des dänischen Autors braucht der Westen jedoch ein ganz anderes Russland – wirtschaftlich kräftig und außenpolitisch stark. Gerade diesen Weg gehe derzeit das von Wladimir Putin regierte Land.

Im Vergleich zu Jelzins Ära habe das gegenwärtige Russland gewisse Fortschritte erzielt. Anstatt dem Westen zu huldigen, habe Russland einen eigenen Entwicklungsweg eingeschlagen. Nielsen kritisiert westliche Medienberichte, wonach Russland unter Jelzin die Luft der Freiheit eingeatmet habe und nun von Putin wieder in Ketten gelegt werde.

Diejenigen, denen das Buch gefiel, bescheinigten dem Autor während der Präsentation einen ehrlichen und kühnen Schritt. Nielsen habe gewagt, dem allgemeinverbreiteten Standpinkt dänischer Medien und Politiker zu widersprechen, so das Argument.
[ Stimme Russland ]