Demonstration in München – Ukraine und Sicherheitskonferenz

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[Hanns-Martin Wietek] Während westliche Politiker – allen voran US-amerikanische in ihrem Wahn von Gottes Auftrag zur Errettung der Welt – durch unverhohlene Lügen und Tatsachenverdrehung, derer man sich beim Lesen schämt, gegen ihren eigenen Wertekanon handeln, indem sie einen Umsturz gegen eine vom Volk mehrheitlich gewählte Regierung unterstützen (vorläufig noch mit Worten) und dabei, sich selbst sogar widersprechend, unverfroren zugeben, dass es ihnen in Wirklichkeit um die Eingliederung der Ukraine in ihren Einflussbereich – und damit Herauslösung selbiger aus dem russischen – geht, toben einige Tausend nationale Faschisten (Svoboda), Hooligans und Chaoten an der selbst ernannten „Front“ und terrorisieren. Die Hauptumstürzler, die unter den selbigen Bedingungen in westlichen Ländern in Windeseile aus dem Verkehr gezogen und wegen Aufwiegelung zum Staatsstreich, Landesfriedensbruch und Umsturzversuch im Gefängnis landen würden, werden hofiert (es geht ja um Machtgewinn und wirtschaftliche Vorteile). Dreist werden einige Zigtausend Demonstranten im schon immer (auch historisch) westlich orientierten Kiew zur Mehrheit des 47 Millionen zählenden ukrainischen Volkes ernannt, wobei eigentlich nicht recht verständlich ist, weswegen diese gegen die Regierung demonstrieren, denn die EU und USA waren es, die durch Verweigerung von wirtschaftlicher Hilfeleistung und unbotmäßigen Forderungen – nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht – die ukrainische Regierung veranlasste, dringend benötigte Hilfe (Staatsbankrott) bei Russland zu suchen.

Eine lose Parteienkoalition aus der Partei eines Mannes, der durch nichts vermuten lässt, dass er außer Boxen noch mehr kann (insbesondere Politik), eine nationalfaschistische Partei, die sich in der Tradition der ukrainischen faschistischen Hilfsgruppen Nazideutschlands sieht, und eine Partei deren Gründerin wegen äußerst dubioser Transaktionen zum Nachteil des ukrainischen Volkes und eigenen Vorteil in Haft ist – wobei bei Letzterer der sie umgebende Heiligenschein positive Emotionen weckt.

Diese äußerst fragile „Koalition“, die nichts verbindet, außer egal wie an die Macht zu kommen, wird in dem schon paranoiden Wahn, Russland zu schaden, mit Worten unterstützt, die den Kampf nur fördern können. In den gleichen westlichen Ländern würde keine dieser Parteien auch nur die geringste Aufmerksamkeit bekommen – man würde sie schamhaft totschweigen.

In der deutschen Presse ist das beliebteste Argument der fadenscheinige, mal eben so dahingeworfene und nicht weiter bewiesene Vorwurf „Menschenrechtsverletzungen“. Dieses berechtigt offensichtlich auch dazu, Tatsachen so zu verdrehen, dass sie zur eigenen Argumentation passen – wobei manchmal skurrile Berichte zustanden kommen, in denen sich die Berichterstatter selbst widersprechen. Mindestens gleich beliebt ist, über Tatsachen, die nicht passen, einfach nicht zu berichten – für den Leser sind sie damit nicht geschehen.

So hat man bei der Berichterstattung einfach vergessen zu berichten, dass bei der (laut Polizeibericht) 2.500 Personen zählenden Demonstration in München auf dem Marienplatz gegen die Sicherheitskonferenz neben den sonst üblichen Gruppierungen auch eine erkleckliche Anzahl von Demonstranten gegen Klitschko und gegen die Rolle der USA im Fall Ukraine ist.
Was nicht sein darf, das nicht sein kann.

Ebenso hat man hier vergessen zu berichten „Die Proteste in der Ukraine gegen den Boxer Klitschko und die antisemitische Svobodapartei breiten sich jetzt landesweit aus. In den östlichen Regionen sind Hunderttausende Ukrainer auf den Beinen, um die jetzige Regierung zu unterstützen.


Einwohner des Gebiets Donezk unterstützen die Regierung und führen sogenannte Anti-Maidan-Aktionen durch. Aktivisten der Bewegung „Stop Maidan“ haben in Simferopol und anderen Städten öffentliche Beratungsstellen eröffnet, wo die Menschen über die Geschehnisse im Land informiert werden.
Am heutigen Sonntag findet auch eine Großdemonstration in der 350.000 Einwohner – Stadt Sumy gegen die Opposition statt. Eine Art „Konterrevolution“ baut sich zunehmend in großen Teilen der ukrainischen Bevölkerung auf.“ Dem »Schweizer Magazin« war es eine Meldung wert.

Das »Schweizer Magazin« berichtet auch:
„Regierungsgegner haben am Freitag Sicherheitskräfte in Kiew mit schwerem Geschütz beschossen. Die Kanonen sind aus Rohren gebaut und sie werden mit Haarspray und anderen Aerosolen befüllt, dann wird das Gas im Inneren entzündet und die abgeschossene Munition löst verheerende Verletzungen unter den Sicherheitskräften aus.

Die Kanone kann auch verändert werden, um anderes Material zu verschießen wie z. B. Nägel, Metall- oder Glassplitter und Steine. Die zu äußerster Brutalität entschlossenen Aufrührer setzen diese selbst gebastelten Waffen gegen die Polizei ein. Die abgeschossene Munition erreicht hohe Geschwindigkeiten und kann zu lebensgefährlichen Verletzungen führen.

Unterdessen rufen ukrainische Nazis zu Demonstrationen in Deutschland auf. …“

Man rüstet auf.
Das wird zu einer Spaltung der Ukraine führen. Aber max nix: besser die halbe Ukraine, als gar keine Ukraine. Das Ziel ist trotzdem erreicht: Den Russen eins ausgewischt und pi mal Daumen 20 Millionen neue Konsumenten ergattert.
Soviel zur scheinheiligen Moral westlicher Politiker.

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.