Confed-Cup 2017 Nachspielzeit: ARD wollte Doping thematisieren

Foto: Kremlin.ru
image_pdfimage_print

Hinterlässt der eben erst über die Bühne gegangene Konföderationen-Pokal einen schalen Nachgeschmack? Trotz des reibungslosen Verlaufs des Turniers wollte und will man scheinbar bei Gastgeber Russland das Haar in der Suppe immer noch mit aller Gewalt finden. Wieder einmal vorn mit dabei – die ARD.

Über den sportlichen Sinn oder Unsinn des mit aller Wahrscheinlichkeit zum letzten Mal ausgespielten Confed-Cups wurde bereits zur Genüge debattiert. Jedoch, auch wenn dieses Turnier nicht gerade die Massen in Scharen mobilisierte und das Interesse vor Ort und bei den Gästen dementsprechend mäßig bis nicht vorhanden war, muss man dem Ausrichter Russland hohen Respekt zollen. Es war eine gelungene Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Großveranstaltungen dieser Art schlagen zu Buche, gewiss. Dass Russland eine enorme Stange Geld in die Hand nehmen musste, ist ebenso so selbstverständlich wie konsequent. Höher, schneller, weiter – es bedarf heute mehr als nur ein paar Imbissbuden, um die Grundlage für einen solchen Event zu schaffen. Dass das keineswegs eine „Putinistische“ Gigantomanie ist, zeigen die Vorbereitungen in anderen Ländern. Man stelle sich nur die Großprojekte zwischen Wildem Kaiser und der Donau vor, hätte München den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2022 bekommen.

Nicht alles mag in Russland vor der WM nach Plan gelaufen sein. Stadien, die nicht fristgerecht fertig wurden, korrupte Auftragsvergaben und dubiose Arbeitsbedingungen auf den Großbaustellen. Das sind zwar beileibe keine rein russischen Phänomene, bieten aber einen Grund mehr mit dem Finger darauf zu zeigen. Dumm nur, dass sich das Thema „teuerstes Stadion der Welt“ nach dem dritten Versuch weitgehend erschöpft hat. Auch das Thema Menschenrechtsverletzungen war ziemlich schnell vom Tisch. Berichterstatter haben schnell verstanden, mit den üblichen Akkreditierungsverfahren umzugehen.

Bis plötzlich die britische Mail on Sunday noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen konnte: Doping. Unter dem Titel „Der Doping-Kader“ brachte das Blatt frischen Wind ins Spiel, um Russland endlich doch noch, pardon, ans Bein pinkeln zu können. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Wären die ominösen Anschuldigungen des „McLaren-Reports“ haltbar, der Skandal wäre perfekt. Seitens der FIFA wiegelt man ab und aus Russland wird eifrig dementiert.

Dem Bericht zufolge habe man Urinproben, die während der WM 2014 in Brasilien genommen wurden, bewusst zurückgehalten. Angesichts des schwachen Abschneidens bei der besagten WM sowie dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren in Frankreich erscheinen die Anschuldigungen mehr als fragwürdig. Weil jedoch die ARD, die sich die deutsche Berichterstattung zum Confed-Cup mit dem ZDF teilte, gerade dieses Thema auf dem Silbertablett präsentieren wollte, kam es zum Zerwürfnis mit ihrem TV-Experten.

Ko-Moderator Mehmet Scholl reiste vorzeitig aus Russland ab, angeblich „weil es ihm nicht gut ging“, so die Stellungnahme des Senders. Die Wahrheit liegt wieder einmal außerhalb des Platzes. Wie die Bild berichtete, kam es zwischen Scholl und der ARD zu einem handfesten Krach über die Ausrichtung der Berichterstattung. Während dem „TV-Experten“ eine analytische Aufarbeitung vorschwebte, wollte offenbar das Öffentlich Rechtliche vor dem Spiel Portugal gegen Chile ein großes Fass zum Thema „Dopingproblem im russischen Fußball“ aufmachen.

Demnach habe sich der 46-jährige Ex-Profi geweigert, über die Dopingvorwürfe gegen die russische Nationalmannschaft zu sprechen, heißt es. Auch habe er sich dazu geäußert, dass Doping im Fußball ohnehin niemandem nütze. Viele sehen das als fragwürdigen Standpunkt, Anti-Doping-Experten seien sich ihrer Sache sogar sicher. Scholls Vertrag, der noch bis 2018 läuft, werde laut der ARD wegen dieses Vorfall nicht gekündigt. Nach eigenem Bekunden freue sich Mehment Scholl sogar auf das Weltmeisterschafts-Turnier in Russland.

[Michael Barth/russland.NEWS]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.