Confed-Cup 2017: Apenas um jogo – nur ein Spiel

Foto: TV-Screenshot

Kaum eine Nation entwickelt so viel Empathie für seine Fußballspieler wie Portugal. Welch Lebensfreude nach dem Gewinn der Europameisterschaft auf den Plätzen und Straßen, in Restaurants, Bars und Kneipen ausbrach – wer nicht dabei war, wird es nicht glauben. Allein die Erinnerung reicht für erneute Gänsehaut und leichten Schauder.

Dass die Kicker um König Ronaldo am Sonntag einem Sieg gegen Mexiko vergeblich hinterherrennen, interessiert die kritischen Sportmedien am Tag danach dennoch nur zweitrangig. Warum? Weil in der mittelportugiesischen Provinz nicht nur Wälder, sondern dutzende von Menschen verbrennen. Ein Trockenblitz, ein Sturm und ausgetrocknete Böden entflammen ein Inferno, dass gläubige Portugiesen (längst nicht alle aber viele) an eine göttliche Strafe glauben – wie damals 1755 nach der Erdbeben-Feuer-Tsunami-Katastrophe, die unter Gläubigen ein Zeichen des Himmels vermuteten.

Auch mit einem Sieg hätten die souverän spielenden Kicker es nicht in die Top-Top -Top-News geschafft. Portugal trauert um die Opfer des Blitzfeuers. So viele so schnell. So pathetisch das klingt, so wahr ist es leider. Wie die Portugiesen feiern, jubeln und spaßen können, gleicht in Trauer und Schmerz die Intensität – Fado und Saudade.

Selbst wenn das Team von Trainer Fernando Santos gegen die auf hohem Niveau spielenden Mexikaner verloren hätten – nach der Tragödie von Pedrógão eine Nebensächlichkeit. A Bola, eine der drei großen Sportzeitungen zeigt auf der Titelseite die sich zum Gedenken der Opfer umarmenden Spieler. O dor de todos nos – unser aller Schmerz.

Auch ich werde König Fußball vernachlässigen. Dennoch ein wunderschöner Fußballnachmittag mit nur zwei Gelben Karten, tollen Konterattacken, blitzschnellem Passspiel, Kampf im Mittelfeld, dicken Chancen, erzwungenen Fehlern, vier Toren, gefährlichen Stürmern und erstklassigen Keepern. Obendrein erstmalig die Anwendung des Videobeweises bei einem FIFA-Wettbewerb.

Trainer Santos „vertraut seiner Mannschaft“. Dazu hat er allen Grund. Mit einem Tempo-Dribbel-Power Ronaldo in der Form seines Lebens, mit einem wieder erstarkten Ricardo Quaresma (1:0), mit Routiniers wie Cédric (2:0), Nani , Pepe, Moutinho, Bruno Alves und den jungen Talenten Gelson Martins, André Silva und Namensbruder Gomes vor dem famosen Torwart Rui Patrício – welcher Trainer hätte bei dieser Mannschaft nach einem unentschiedenen Auftaktspiel Anlass zum Zweifel.

Es war halt nur ein Spiel – apenas um jogo

[Alexander Kazakow/russland.NEWS]