Chinesischer Eisbrecher sucht Weg aus dem Packeis

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Der vor der antarktischen Küste im Packeis festsitzende chinesische Eisbrecher Xuelong (Schnee-Drache) versucht seit Montag, aus eigener Kraft eine Schneise durch die Eisblockade zu brechen. Die Besatzung will versuchen, bei günstigeren Wetterbedingungen vor Mittwoch das Packeisfeld zu verlassen.

Dazu erläuterte Qu Tanzhou, der Direktor der chinesischen Nord- und Südpol-Behörde, inzwischen habe der Schnee-Drache eine 80 Meter breite und etwa einen Kilometer lange Fahrrinne geöffnet, was eine Befreiung des Schiffs ermöglichen könne.

Allerdings hatte der Wind am Montag nicht wie erwartet von Südost auf West gedreht, was einen Ausbruch aus dem Eisfeld unterstützt hätte. Zumindest sind aber die schweren Schneefälle in letzten Tagen von Schneeregen abgelöst worden, was einige Eisflächen nicht weiter anwachsen lässt. Der Meteorologe Zhang Lin erwartet, dass bis Mittwochvormittag doch noch Westwind einsetzen und günstige Wetterbedingungen für den eingeschlossenen Schnee-Drachen bieten werde, da das Packeis um das Schiff dann weniger fest sei.

Auch Direktor Qu von der Polarbehörde betonte, die Besatzung des Eisbrechers müsse bis Mittwoch jederzeit bereit sein, eine sich bietende günstige Gelegenheit zu nutzen.

Wang Jianzhong, der Kapitän des Eisbrechers Xuelong, sagte der chinesischen Presseagentur Xinhua, sein Schiff sei von treibenden Eisschollen eingeschlossen. Das Eis sei stellenweise 3 bis 4 Meter dick, während sein Schiff nur Eis bis zu einem Meter zehn (1,1 Meter) brechen könne. Der Kapitän fügte hinzu, der Schnee-Drache sei zirka 14 Kilometer entfernt von eisfreien Gewässern. Wenn es gelinge, die vorhandene einen Kilometer lange Schneise durch das Packeis auf 3,7 Kilometer zu verlängern, könne der Schnee-Drache eisfreie Gewässer erreichen.

Für die 101 Menschen an Bord des Schnee-Drachen reichen die Lebensmittel auf dem Schiff bis April, die Trinkwasser-Vorräte für einen Monat und der Treibstoff für mindestens 4 Monate.

Daher sind die Besatzungsmitglieder sicher und in guter Stimmung. Wie Xinhua berichtet, spielen sie Tischtennis und ihnen stehen eine Sporthalle und ein Bordkino zur Verfügung.

Dennoch verweist Direktor Qu von der chinesischen Polarbehörde auf jederzeit mögliche Wetterumschwünge in der Antarktis sowie deren Einflüsse auf das Packeis.

Er sagte wörtlich, „es ist noch nicht klar, ob der erwartete Westwind stark genug ist, die Eisstücke um das Schiff zu lockern. Und welchen Einfluss das Wetter auf die Strömung und den Weg der Eisberge haben wird, ist auch nicht bekannt.“

Der chinesische Eisbrecher Schnee-Drache sitzt seit Freitag im Packeis fest. Zuvor hatte der Bordhubschrauber des Eisbrechers alle 52 Passagiere des bereits seit zehn Tagen im Eis eingeschlossenen russischen Schiffes Shokalkskiy zum australischen Eisbrecher „Aurora Australis“ evakuiert.

Die vor der Packeis-Zone kreuzende Aurora Australis steuert inzwischen die Antarktis-Station Casey an, um dort aufzutanken. Anschließend werden die aus Australien und Neuseeland stammenden Touristen, die das russische Schiff für eine Exkursion gechartert hatten, nach Hobarth in Tasmanien gebracht.

Im Verlauf der Hilfsaktion für das eingeschlossene russische Schiff war der chinesische Eisbrecher selbst vom Packeins eingeschlossen worden. Inzwischen hat der Eisbrecher „Polar Star“ der US-Küstenwache Kurs auf den Schnee-Drachen und das russische Schiff genommen und voraussichtlich am Sonntag dort eintreffen.

Dennoch bekräftigte der Direktor der chinesischen Polar-Behörde die Hoffnung, dass der Eisbrecher Schnee-Drache selbst das Packeis überwinden und seine eigentliche wissenschaftliche Mission fortsetzen könne. Es sei noch nicht bekannt, welche Auswirkungen der Zwischenfall auf das gesamte wissenschaftliche Expeditionsprogramm habe, so Direktor Qu.

Der Eisbrecher Schnee-Drache war Anfang November 2013 von Shanghai aus zur 30. chinesischen Antarktis-Expedition aufgebrochen, die 155 Tage dauern soll. Neben wissenschaftlichen Untersuchungen soll dabei eine neue chinesische Antarktis-Station errichtet und der mögliche Standort einer weiteren Station erkundet wird.

[CRI-Online]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.