Chinesen wollen Tschernobyl wieder nutzen

Foto: commons.wikimedia/Diana Markosian Public DomainFoto: commons.wikimedia/Diana Markosian Public Domain
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Das Gelände um den Atomreaktor, 1986 verantwortlich für eine der verheerendsten Umweltkatastrophen der Neuzeit, soll wieder genutzt werden. Die weltweit führenden Solar-Energiegruppe „Golden Concord Ltd“ (GCL) aus China plant, auf dem Areal eine gigantische Fotovoltaik-Anlage zu errichten.

Während die Atomruine gerade mit einem Sarkophag aus Beton ummantelt wird, äußert die „GCL“ ihr Interesse am Umland. Die Regierung der Ukraine plant derzeit, das Sperrgebiet erneut zum Leben zu erwecken. Bei dem „Tschernobyl FV-Anlagenprojekt“ wurde die Unterstützung bei der Wiederbelebung des Sperrgebietes mit Solarenergie, dreißig Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall, zugesagt. Dies sei ein weiterer wichtiger Schritt von „GCL“ in Richtung des Weltmarktes, heißt es in der Branche. Und auch Kiew dürfte froh sein, dass sich endlich jemand den 30 Quadratkilometern Land annimmt, das durch den Fallout nachhaltig verseucht wurde.

Sonne statt Kernkraft

„Das billige Land und reichlicher Sonnenschein stellen eine solide Basis für das Projekt dar. Hinzu kommt, dass die verbleibenden Stromübertragungseinrichtungen für die Wiederverwendung bereitstehen“, betont Ostap Semerak, der ukrainische Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen. Erst im vergangenen Oktober beschloss seine Behörde, eine Fotovoltaik-Anlage in Tschernobyl zu errichten. Nun werden die Chinesen bei der Wiederbelebung von Tschernobyl eine maßgebliche Rolle spielen. Bei der Gesamtleitung des Projektes sollen sie die Beratungs- und Planungsdienstleistungen erbringen sowie die FV-Anlage letztendlich liefern.

Die „GCL“werde den Bau, der für mehr als ein Gigawatt ausgelegten FV-Anlage, im Jahr 2017 beginnen. Nach der Fertigstellung soll Tschernobyl erneut das weltweite Interesse als wiederbelebter Standort für Solarenergie erwecken. Auch Herr Shu Hua, Vorsitzender von „GCL“, gibt sich zuversichtlich: „Unsere Wiederbelebung eines so geschädigten Bereiches mithilfe grüner und erneuerbarer Energie wird nennenswerte soziale und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Wir sind über unsere gemeinsamen Bemühungen mit der Ukraine bei der Erneuerung der lokalen Gemeinschaft stolz!“

„Wir haben uns der Bereitstellung integrierter Solardienstleistungen verpflichtet und werden in diesem Jahr unterschiedliche Ansätze bei der weiteren Marktdurchdringung und Erlangung einer globalen Präsenz verfolgen. Das Tschernobyl-Projekt ist für uns ein wichtiger Schritt in unserem Ansatz der Internationalisierung“, erklärte Shu Hua die internationalen Strategien von „GCL“. Für das 1996 gegründete staatliche Unternehmen ist es auf alle Fälle der nächste zielorientierte Schritt nach bisher erfolgreichen Großrojekten in Südafrika, den USA und natürlich China.

„Sonne statt Kernkraft“ – Für die Aktivisten der 1980er Anti-Atomkraft-Bewegung wird jetzt endlich der Traum zur Wirklichkeit. Und so Manchem damals noch belächelten mag bei dieser Vorstellung das Herz aufgehen.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.