Champions League: Zenit spielt nur 0:0-Remis gegen Austria Wien

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St. Petersburg. Zum Auftakt des zweiten Spieltages in der Gruppe G trennte sich der russische Vize-Meister Zenit St. Petersburg im heimischen Petrowski-Stadion nur 0:0-Unentschieden vom österreichischen Meister Austria Wien. Damit warten beide Mannschaften weiterhin auf ihren ersten Sieg in der Champions-League in dieser Saison. In der 44. Minute sah Axel Witsel eine zweifelhafte Rote-Karte vom deutschen Schiedsrichter Deniz Aytekin.

Der ganz klare Favorit in diesem Champions-League Spiel war heute Zenit St. Petersburg. Der russische Verein ist im Moment stark in Form, hat dennoch sein Auftaktspiel in der Königsklasse in Madrid mit 1:3 verloren. Dementsprechend motiviert wollten die Spieler von Zenit auch in die Begegnung mit der Austria gehen – die Generalprobe am Wochenende war auf jeden Fall gelungen: Spartak Moskau wurde mit 4:2 in die Schranken gewiesen.

 

Zenit gewann die letzten fünf Ligaspiele, in den letzten drei wurden jeweils vier Tore erzielt. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte bestreitete der österreichische Meister ein Auswärtsspiel in der Champions League. In Russland war man schon einmal zu Gast gewesen: Im März 1978 musste man in Moskau bei Dynamo antreten, verlor trotz 1:0-Führung jedoch noch mit 2:1.

 

Austria war im zweiten Champions-League Spiel krasser Außenseiter, auch da der Marktwert der Spieler von Zenit bei 206 Millionen Euro liegt, jener der Wiener bei 22 Millionen Euro. Auch wenn nur knapp über 20.000 Zuschauer im Stadion Platz fanden, sorgten diese für eine tolle Stimmung und ohrenbetäubenden Lärm. Auch einige hundert Anhänger von Austria hatten die Reise nach St. Petersburg auf sich genommen.

 

St. Petersburg begann mit einer überraschenden Aufstellung, die beiden Stars Anatolij Timoschtschuk und Andrej Arschawin saßen vorerst nur auf der Bank! Zenit nahm erwartungsgemäß gleich nach Anpfiff das Heft das Handelns in die Hand, und kam zu Beginn verstärkt über die linke Seite. Der Österreicher Koch konnte aber zweimal vor Danny klären.

 

Die St. Petersburger spielten in diesen ersten Minuten unheimlich offensiv und kamen mit so gut wie jedem Spieler in die gegnerische Hälfte. Vor allem über Hulk und Danny gingen die meisten Offensivaktionen aus. Der Druck des aktuellen Tabellenführers in Russland wuchs stetig.

 

Doch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit kam Austria immer besser ins Spiel. Die Wiener präsentierten sich extrem verbessert im Gegensatz zu den letzten Niederlagen, und sie machten vor allem taktisch eine ganz starke Partie. Auch in den Zweikämpfen steckte man nicht zurück, und stand nah am Gegner.

 

Zenit hatte sich die Partie sicherlich anders vorgestellt, doch die Austria hielt einfach sehr gut dagegen. Zenits Trainer Luciano Spalletti hatte bereits vor dem Spiel gewarnt, „die Austria sei ein guter Gegner, und schon gegen Porto die bessere Mannschaft gewesen.“

 

In der 44. Minute bekam dann auch noch der belgische Nationalspieler Axel Witsel von Zenit die glatte Rote Karte. Witsel ging zwar mit dem gestreckten Bein voran in den Zweikampf mit Mader, ganz so schlimm sah das aber nicht aus, doch Schiedsrichter Aytekin zögert keine Sekunde und zückte sofort Rot. Eine sehr harte Entscheidung, die Gelbe Karte hätte es auch getan. Der in Nürnberg geborene Betriebswirt pfiff heute erst sein 3. Champions League-Spiel, hat aber vor allem aufgrund 73 geleiteter Bundesliga-Spiele jede Menge Erfahrung aufzuweisen.

 

Zenit St. Petersburg dominierte über weite Strecken in der ersten Halbzeit, ohne jedoch richtig gefährlich zu werden. Hulks Pfostenschuss in der 12. Minute war die nennenswerteste Chance der Gastgeber. Die Austria setzte offensiv immer wieder Nadelstiche, profitierte dabei auch von einigen Unsicherheiten in der gegnerischen Hintermannschaft, vor allem defensiv wurde eine starke Leistung geboten.

 

Zweite Halbzeit

 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte Zenit erwartungsgemäß wieder die größeren Spielanteile. In der 50. Minute wechselte Zenit das erste Mal, um den Ausfall von Witsel zu kompensieren. Der offensive Mittelfeldspieler Oleg Schatow musste für Roman Schirokow weichen, der die Position des Belgiers einnahm.

 

Ab der 65. Minute wurde die Austria dann wieder mutiger, setzte sich auch am gegnerischen Strafraum fest. Flanken von Mader und Suttner wurden aber abgefangen und so bekam Zenit auf einmal Kontermöglichkeiten. Den Wienern kam auch zugute, dass die Hausherren ihre Konter einfach viel zu überhastet und ungenau zu Ende spielten. Immer wieder schlich sich da ein Fehlpass ein.

 

Die Partie gestaltete sich in der Folge vollkommen offen. Die Austria spielte gut nach vorne, drang aber nicht bis ganz vor das Tor vor. In der 74. Minute gab es dann eine aussichtsreiche Freistoßmöglichkeit für Zenit. Hulk trat an und knallte das Leder mit dem rechten Außenrist nur knapp am langen Eck vorbei – Heinz Lindner im Austria-Tor wäre da chancenlos gewesen.

 

DieSchlussphase gestaltete sich hektisch, beide Teams tauchten immer wieder vor dem gegnerischen Strafraum auf, brachten die Kugel aber nicht in den 16er und so blieb es beim torlosen Unentschieden. Spalletti griff sich am Spielrand über seine Glatze – er war überhaupt nicht zufrieden, drei Punkte waren fix eingeplant. Dann erfolgte auch schon der Schlusspfiff.

 

Die Austria schaffte die Sensation und knöpft Zenit St. Petersburg einen Punkt ab – es ist der erste Punktegewinn einer österreichischen Mannschaft in der Champions League seit 4.600 Tagen. Eine geschlossene Mannschaftsleistung und ein tolles Defensivkonzept sicherte den Wiener den ersten Punktegewinn in der Champions League. Damit verteidigt man vorerst Platz drei und bleibt sogar vor Zenit. Dabei war sogar der Sieg in Reichweite, die Statistik wies bei neun Torschüssen der Austria nur sieben Zenits aus.

 

Für Zenit, die natürlich als Ziel das Überstehen der Gruppenphase ausgegeben hatten, wird die Luft nun langsam dünn.

 

Austria-Trainer Bjelica sagte: „Wir haben unsere Lehren aus den letzten schlechten Spielen gezogen und alles analysiert. Unsere Chance war, dass wir keine Chance haben. Wir wollten die Räume eng machen und schnell kontern.“

 

Größte Erfolge von Zenit:

 

Zenit ist dreifacher Meister Russlands (2007, 2010, 20012), russischer Pokalsieger (1999, 2010) und russischer Supercupsieger (2008, 2011). Den größten Erfolg feierte der Verein 2008, mit dem Gewinn des UEFA Cups – im Finale wurden die Glasgow Rangers mit 2:0 besiegt und anschließend auch der UEFA Supercup gewonnen, durch einen 2:1-Sieg über Manchester United.

Gruppe G: Dienstag, 1.Oktober

 

Zenit St.Petersburg – Austria Wien 0:0

Rot: Witsel (44./Zenit)

 

FC Porto – Atletico Madrid 1:2 (1:0)

Tore: 1:0 Jackson Martinez (16.), 1:1 Godin (58.), 1:2 Arda Turan, (86.)

 

Tabelle Gruppe G

1. Atletico Madrid 2 Spiele 5:2 Tore 6 Punkte

2. FC Porto 2, 2:2, 3

3. Austria Wien 2, 0:1, 1

4. Zenit St.Petersburg 2, 1:3, 1

 

Alle Spiele am Dienstag, 1.Oktober

 

Gruppe E

FC Basel – FC Schalke 04 0:1 (0:0)

Steaua Bukarest – FC Chelsea 0:4 (0:2)

 

Gruppe F

Borussia Dortmund – Olympique Marseille 3:0 (1:0)

FC Arsenal – SSC Neapel 2:0 (2:0)

 

Gruppe H

Ajax Amsterdam – AC Mailand 1:1 (0:0)

Celtic Glasgow – FC Barcelona 0:1 (0:0)

 

Unterbrechung bei Basel-Schalke

 

Aktivisten der Umweltschutz-Organisation Greenpeace haben kurz nach Anpfiff der Partie für ein Novum in der Champions League gesorgt. Nach vier Spielminuten entrollten sie vom Stadiondach des St.Jakob-Parks ein riesiges gelbes Transparent, mit dem gegen Öl-Bohrungen in der Arktis von Schalke- und Uefa-Sponsor Gazprom protestiert wurde.

 

Die Polizei beendete die Aktion zügig, das Spiel wurde nach rund fünfminütiger Unterbrechung fortgesetzt. Uefa-Präsident Michel Platini hatte die Aktion kopfschüttelnd auf der Tribüne verfolgt.