Champions League: Zenit erreicht einen sehr wichtigen 1:0-Sieg in Porto

Moskau. Am dritten Spieltag der Gruppenphase in der Champions League hat Zenit St. Petersburg einen sehr wichtigen Sieg in Porto erzielt. Das Duell zwischen Zenit und Porto war auch das Duell um den zweiten Platz in der Gruppe G, den jetzt Zenit nach dem 1:0 (0:0)-Sieg einnimmt. Die Gastgeber mussten schon ab der sechsten Minute mit einem Mann weniger auskommen. Die Kräfte der Portugiesen schwanden in Unterzahl, dieses nutzte Zenit gnadenlos aus und markierte in der Schlussphase durch den eingewechselten Kerschakow den 1:0-Siegtreffer.

Vorbericht

 

Sowohl der FC Porto, als auch Zenit St. Petersburg führen in den heimischen Ligen die Tabelle an und beide gingen deshalb mit viel Rückendwind aus dem Ligabetrieb in das dritte Gruppenspiel der Königsklasse.

 

Zenit, der Uefa-Cup-Sieger von 2008, stand schon mächtig unter Druck, denn die Mannschaft vom italienischen Coach Luciano Spalletti verlor die Auftaktpartie der Champions League Saison mit 3:1 bei Atletico Madrid und auch im zweiten Gruppenspiel kam der Verein von der Newa zu Hause gegen Gruppen-Underdog Austria Wien nicht über ein mageres 0:0-Remis hinaus. Der Tabellenführer der russischen Premier Liga, der im Ligabetrieb zuletzt sieben Siege in Serie feiern konnte, durfte unter keinen Umständen verlieren, wenn man den Traum vom Achtelfinale der Königsklasse noch aufrecht erhalten wollte.

 

Da sich zu allem Überfluss auch noch Mittelfeldakteur Alex Witsel im Spiel gegen Austria Wien noch vor der Halbzeitpause eine rote Karte abgeholt hatte, fehlte der belgische Nationalspieler seinem Team in diesem überaus wichtigen Gruppenspiel. Für den Belgier stand Roman Schirokow in der Startelf und Trainer Luciano Spalletti baute sein Team auf drei weiteren Positionen um. Christian Ansaldi, Luis Neto und Andrej Arschawin liefen für Tomas Hubocan, Aleksander Anjukow und Aleksander Kerschakow auf.

 

Auch Porto-Coach Paulo Fonseca stellte seine Startformation im Vergleich zum letzten Gruppenspiel gegen Atletico Madrid auf zwei Positionen um: Der Mexikaner Hector Herrera lief im Mittelfeld für Steven Defour auf und im Dreimann-Sturm stand Lica anstatt von Silvestre Varela.

 

Die beiden Kontrahenten trafen bislang zweimal in ihrer Vereinsgeschichte aufeinander und das war in der Champions League Saison 2011/12 in der Gruppenphase. Zuerst gewann Zenit das Hinspiel mit 3:1 und im Rückspiel trennten sich beide Teams dann torlos 0:0 in Porto.

 

Der Schiedsrichter der Partie war Paolo Tagliavento aus Italien. Ihm assistierten an den Linien seine Landsmänner Mauro Tonolini und Lorenzo Manganelli.

 

Erste Halbzeit

 

Die Fußballtore waren auf etwaige Risse geprüft worden, wo unbeabsichtigt der Ball durch das Tornetz hätte durchschlüpfen können. Beide Teams tasteten sich in den ersten Minuten der Partie zuerst einmal ab und waren im Spielaufbau äußerst vorsichtig.

 

In der 5. Minute holte Hector Herrera den Ex-Porto-Profi Hulk unsanft von den Beinen und sah vom italienischen Unparteiischen schon früh im Spiel die Gelbe Karte. Der Brasilianer Hulk stand dann für den fälligen Freistoß aus rund 20 Metern in zentraler Position bereit und führte diesen aus. Der Mexikaner, der nur wenige Sekunden zuvor die Verwarnung gesehen hatte, lief zu früh aus der Mauer und blockte den Schuss ab. Schiedsrichter Tagliavento zeigte daraufhin dem Mexikaner die Ampelkarte und schickte ihn zum Duschen. Diese Gelb-Rote Karte von Hector Herrera war die schnellste Ampelkarte der kompletten Champions-League-Geschichte!

 

Die Begegnung war nun sehr hektisch, oft musste der italienische Referee aufgrund von kleinen Nicklichkeiten einschreiten und das Spiel unterbrechen. Die Hausherren waren selbstverständlich durch den frühen Platzverweis immens geschwächt.

 

In der 20. Minute gab es dann eine doppelte Großchance für den FC Porto – Jackson Martinez hatte die Übersicht und legte von der linken Strafraumgrenze genau in den Lauf von Lucho Gonzalez, der das Leder aus 17 Metern genau an die Unterkante der Latte knallte. Vom Querbalken aus prallte der Ball genau vor die Füße von Lica, der die Riesenchance nicht nutzen konnte und den Ball im Fallen am rechten Pfosten vorbeischoss.

 

Bis zur 30. Minute konnte Zenit dem Spiel auch mit einem Mann mehr auf dem Spielfeld nicht den Stempel aufdrücken und blieb zumeist an der kompakt stehenden Porto-Defensive hängen. Bei den Portugiesen hingegen kämpfte jeder für seinen Mitspieler und sie gaben keinen Ball verloren – eine echte „Kämpfertruppe“.

 

In der 36. Minute, nach einem groben Foul an Fernando an der Seitenauslinie, sah Viktor Faischulin die erste Gelbe Karte auf Seiten von Zenit. Bei diesem Foul spielte bereits viel Frust über die eigene magere Leistung mit. Auch Roman Schirokow sah kurz vor dem Pausenpfiff, in der 42. Minute, nach einem überharten Einsteigen den Gelben Karton von Schiedsrichter Tagliavento.

 

Zenit blieb eindeutig unter seinen Möglichkeiten. Es war auch nicht zu erkennen, wer mit zehn oder mit elf Spielern auf dem Rasen stand, im Gegenteil – die Mannschaft mit einem Mann weniger war sogar feldüberlegen.

 

Zur Halbzeit stand es zwischen dem FC Porto und Zenit St. Petersburg 0:0-Unentschieden. In Unterzahl waren die Hausherren das agilere Team und kämpften sich immer wieder nach vorne. Nach einer doppelten Großchance hätte Porto sogar schon in Führung liegen können – müssen. Von Zenit kam einfach zu wenig.

 

Zweite Halbzeit

 

Beide Teams gingen personell unverändert in den zweiten Durchgang. Porto war auch gleich wieder zu Beginn der zweiten Hälfte am Drücker, doch Licas Kopfball in der 49. Minute stellte Zenit-Keeper Juri Lodikin vor keine größeren Probleme.

 

Nur acht Minuten nach dem Seitenwechsel nahm Porto-Coach Paulo Fonseca den ersten Wechsel der Partie vor. Lica musste vom Platz und für ihn kam mit Varela ebenfalls ein Stürmer neu auf das Spielfeld.

 

In der 56. Minute schien St. Petersburg endlich aufzuwachen. Nach einem katastrophalen Abwehr-Fehler von Otamendi schnappte sich Hulk das Leder und spielte in hohem Tempo auf das Porto-Tor zu. Aus elf Metern zog der ehemalige Porto-Star ab, scheitert aber an Keeper Helton, der die Kugel noch so gerade mit dem linken Fuß um den Pfosten lenken konnte.

 

Bis zur 65. Minute war der ganz große Spielfluss aber auch in der zweiten Halbzeit noch nicht zustande gekommen. Schiedsrichter Tagliavento musste die Partie immer wieder aufgrund von kleineren Foulspielen unterbrechen, doch auch aus den daraus resultierenden Standardsituationen konnte kein Team etwas Zählbares machen.

 

25 Minuten vor Schluss wechselt auch Zenit-Coach Spalletti das erste Mal aus und nahm den ehemaligen russischen Nationalspieler Andrej Arschawin vom Feld. Für ihn kam Konstantin Syrjanow neu in der Partie.

 

In der 67. Minute hämmerte Hulk einen Freistoß aus dem linken Halbfeld geradewegs auf das Porto-Tor. Porto-Keeper Helton ging aber entschlossen mit beiden Fäusten dazwischen und wehrte den Ball zur Ecke ab, die nichts für Zenit einbrachte.

 

In der 75. Minute nahm Porto-Trainer Paulo Fonseca einen weiteren Wechsel vor und brachte Steven Defour für Josue in das Spiel. Kurz zuvor hatte schon sein Trainerkollege Luciano Spalletti Aleksander Kerschakow für den mit Gelb vorbelasteten Roman Schirokow eingewechselt. Zehn Minuten vor Schluss schöpfte Spalletti dann sein Wechselkontingent voll aus und brachte mit dem Italiener Domenico Criscito eine zusätzliche Absicherung durch einen Verteidiger für den Mittelfeldspieler Igor Smolnikow.

 

Die Partie plätscherte so vor sich hin und ein richtiges Spiel wollte sich einfach auf beiden Seiten nicht einstellen. Die Schlussphase der Partie war angebrochen und vor allem Porto schien mit den Kräften am Ende zu sein. Die lange Zeit mit einem Mann weniger machte sich jetzt deutlich bemerkbar, die Hausherren hatten sich fast geschlossen in der eigenen Hälfte verbarrikadiert und suchten den Weg in die Offensive nur noch gelegentlich durch blitzartige Konter.

 

Doch vier Minuten vor Schluss nutzte alles Verbarrikadieren nichts mehr. 1:0 für Zenit St. Petersburg! Nach einer butterweichen Flanke von Hulk, von der rechten Außenbahn, schraubte sich der eingewechselte Aleksander Kerschakow am Fünfer der Gastgeber am Höchsten und köpfte in die linke Ecke ein, vorbei an Porto-Keeper Helton zum 1:0 für Zenit.

 

Porto antwortete danach mit wütenden Angriffen. Zuerst kam der kurz zuvor eingewechselte Ghilas an der rechten Strafraumkante frei zum Schuss, doch sein platzierter Flachschuss wurde im letzten Moment noch von einem Zenit-Abwehrspieler abgefälscht. Und kurz darauf hatte auch Jackson Martinez eine Torchance, doch sein Schuss ging deutlich am Zenit-Tor vorbei.

 

In der 90. Minute musste nach einem Zusammenprall mit Jackson Martinez Zenit-Torhüter Lodikin, zum Unmut aller Porto-Akteure und der Heim-Fans, behandelt werden. Lodikin konnte mit einem Turban um den Kopf weiterspielen, allerdings war jetzt schon die zweite Minute der Nachspielzeit angebrochen und die Zeit für eine Ausgleichschance für Porto war nur noch minimal. Zenit spielte den Sieg auch in sieben! Minuten Nachspielzeit clever herunter und lies nichts mehr anbrennen.

 

Durch diesen Dreier verdrängt Zenit den FC Porto vom zweiten Platz in der Gruppe G, in zwei Wochen stehen sich beide Mannschaften dann wieder im Petrowski-Stadion in Sankt-Petersburg gegenüber.

Champions-League: Gruppe G

 

Dienstag, 22.Oktober

FC Porto – Zenit St.P 0:1 (0:0)

0:1 Kerschakow (86.)

Zuschauer: 41.100

 

Austria Wien – Atletico Madrid 0:3 (0:2)

0:1 Garcia (8.), 0:2 Costa (20.), 0:3 Costa (54.)

 

Tabelle

1. Atletico Madrid 3 Spiele 8:2 Tore 9 Punkte

2. Zenit St. Petersburg 3 – 2:3 – 4

3. FC Porto 3 – 2:3 – 3

4. Austria Wien 3 – 0:4 – 1