Burger vs. Burger – and the winner is: „RusBurger“!

Sewastopol – Als die Welt auf der Krim noch weitgehend in Ordnung war, als die Leute gewillt waren ihr Geld dort auszugeben, die Schaufenster voll mit allerlei schönen Sachen waren, da dachte sich ein US-Konzern, dass es an der Zeit wäre, an so einem schönen Ort Filialen zu installieren. American Burger wollten sie den Krimbewohnern und -besuchern kredenzen, in der festen Überzeugung, hier fernab von Blini und Schaschlik, in ein Füllhorn der westlich orientierten Bourgeoisie zu stoßen.

Eines Tages wurde es am Schwarzen Meer ungemütlich für Ronald Mc Donald, dem eher furchteinflößenden Clown als Aushängeschild des US-Fastfood-Konzerns „Mc Donalds“. Statt Kindergeburtstagen wurden nun eine neu erlangte Unabhängigkeit von der Ukraine und die Heimführung in das russische Reich zelebriert. Für den „Megges“ hat es sich seitdem auf der Krim ausgekaspert. Alle drei Filialen des Burgerbraters wurden geschlossen und der weltweite Marktführer der Brache (Jahresumsatz 28,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013) verließ flugs das Land.

Die Nachricht von der Vertreibung des Konkurrenten brachte den nächsten US-Konzern der Branche ins Nachdenken. Warum, dachte sich die Geschäftführung des zweitgrößten Unternehmens der Buletten-Systemgastronomie weltweit, „Burger King“ (im Jahr 2012 mit einer Bilanz von 5,56 Milliarden US-Dollar gelistet), warum machen stattdessen nicht wir in der Region Geschäfte? Der Coup wäre schlichtweg als gelungen zu werten gewesen. Nur hatten die Frikadellenbrater die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn, solange der Status der Halbinsel umstritten ist, ist es westlichen Firmen untersagt, dort Geschäfte zu tätigen.

Wenn die Branchenführer erst mal draußen sind…

Die finnische Fastfood-Kette „Hesburger“, die bereits nahezu flächendeckend in den baltischen Staaten als feste Größe hinter Mc Donalds etabliert ist und im Heimatland sogar mehr Filialen betreibt als der Branchenprimus, expandiert mittlerweile auch nach Russland und hätte sich sicherlich die Hände gerieben. Immerhin beträgt der Jahresumsatz (basierend auf Zahlen von 2011) knapp 200 Millionen Euro. Zwar betreibt das Unternehmen aus Turku insgesamt erst 16 Filialen im größten Land der Welt, jedoch sind die von der lettischen Grenze bis nach Kamtschatka positioniert. Und die Tendenz ist steigend.

Und plötzlich taucht ein bis dato im Westen völlig unbekannter Konkurrent auf den Plan und durchkreuzt alle Pläne der alteingesessenen Burger-Unternehmen gründlich. „RusBurger“ – das klingt Russisch, das ist Russisch und Russland darf auf der Krim eröffnen. Genialer hätte der Schachzug nicht ausfallen können. Ein noch relativ junges Unternehmen, das erst im Jahr 2009 in den Fastfoodsektor eingriff, aber bislang schon gut 30 Restaurants, vorwiegend in Westrussland, eröffnet hat. Über 2.000 Filialen landesweit sollen es in den nächsten 10 Jahren werden, so die Geschäftsleitung.

Die Unternehmensphilosophie der russischen Systemgastronomen ist genauso simpel wie schlüssig und trifft den Nerv der russischen Konsumenten auf den Punkt. Russische Produkte mit russischen Namen und russischer Präsentation. Da geht dann schon eher statt eines „Big Macs“ ein „Zarskij Burger“ über den Ladentisch. Auch bei den Kaltgetränken setzt man bei „RusBurger“ auf Russisches. Die klassische Cola zum Menü wurde verbannt und durch Fruchtlimonaden aus heimischem Obst ersetzt. Somit dürfte der peinliche US-Clown im russischen Bären vorübergehend seinen Meister gefunden haben.

[mb/russland.RU]

Foto: RusBurger

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.