Bürgermeisterwahl Odessa: Schlappe für Euromaidan

Gemäßigter Antimaidaner Truchanow gewinnt – Klitschko-Anhänger Gurwitz verliert - "Darth Vader" auf Rang 5 von 19 vor Timoschenko´s "Vaterlandspartei"

Gleich 19 Kandidaten bewarben sich zeitgleich mit der Präsidentenwahl um den Stuhl des Bürgermeisters der mehrheitlich russischsprachigen Schwarzmeerstadt Odessa. Das Ergebnis brachte eine Überraschung: Es gewann Antimaidan-Kandidat Gennadi Truchanow von der Partei „Rodina“ mit 43% der Stimmen, obwohl die Mehrheit der gegen die Euromaidan-Regierung eingestellten Einheimischen daheim geblieben sein dürfte und dadurch die Wahlbeteiligung gerade von dieser Seite niedrig war.

Klitschko-Partei verliert

Die Chancen standen nicht schlecht hat, dass die südukrainische Hafenmetropole trotz ihrer russischsprachigen Mehrheit einen treuen Euromaidaner als Bürgermeister bekommen würden – denn mit einem weitgehenden Boykott der „prorussischen“ Einwohner war gerechnet worden. An den Wahlurnen waren eher die überzeugten Ukrainer. Und mit Eduard Gurwitz von der Klitschko-Partei UDAR stand auch ein regional bekannter Kandidat als Ziehkind des Euromaidan zur Verfügung. Tatsächlich war die Wahlbeteiligung verglichen mit westukrainischen Gegenden mit etwa 47 % sehr niedrig. Dennoch enttäuschte Gurwitz am Ende mit 32 % dieser Stimmen die Erwartungen, während Truchanow über 43 % abräumte. Seine Partei „Rodina“ setzt sich vor allem aktiv für die Rechte der russischsprachigen Bevölkerung und eine Föderalisierung des Landes ein, gehört also zu den gemäßigten Antimaidanern und hat ihren regionalen Schwerpunkt in Odessa selbst. Das magere Abschneiden von Gurwitz im Vergleich vor allem zu seinem Parteichef und neuen Bürgermeister von Kiew zeigt deutliche Unterschiede in den Sympathien von Zentral- und Südukraine.

Spaßkandidat „Darth Vader“ recht erfolgreich

Auch auf den hinteren Plätzen gab es Überraschungen. So enttäuschte Ex-Gouverneur Walerj Matkowskij deutlich abgeschlagen auf dem dritten Rang mit 6 % auf Position vier und zeigt damit, wie es um das Ansehen der „alten Eliten“ aus der Janukowitsch-Zeit in der Südukraine steht. Auch der regional bekannte Gennadi Tschekita auf Rang vier dürfte mit 5 % nicht zufrieden sein. Überrascht gibt sich die Politikszene hingegen vom erstaunlich guten Ergebnis des Kandidaten auf Rang fünf: Spaßkandidat Darth Vader von der Internetpartei der Ukraine erreichte tatsächlich 4 % der Stimmen in der Stadt. Er platzierte sich damit deutlich vor 14 seiner Konkurrenten, darunter den Kandidaten von Neonazis, Kommunisten, Anarchisten und Timoschenkos „Vaterland“-Partei.

Ein Signal auch nach Kiew

Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gab es zunächst Pläne der Anhänger des unterlegenen Gurwitz, die Wahlkommission zu stürmen. Diese scheiterten jedoch an mangelnder Beteiligung der hierzu herbei gerufenen Anhänger. Das Ergebnis ist auch ein Indiz dafür, wie viele selbst der Leute, die Oligarch Poroschenko in der Ostukraine gewählt haben, für den übrigen Euromaidan jede Begeisterung vermissen lassen, sobald es wie den „Rodina“-Kandidaten in Odessa eine offenbar glaubwürdige Alternative gibt. Solche fehlten bei der Präsidentenwahl, wo als einzige Antimaidaner Vertreter von Janukowitschs diskreditierter „Partei der Regionen“ auf dem Wahlzettel zu finden war. Diese scheint in der Tat niemand mehr irgendwo wählen zu wollen.

Foto: Kandidat Darth Vader im Wahlkampf, (c) Internetpartei der Ukraine