Brummis müssen in Russland jetzt Maut bezahlen

Foto: M. Barth/russland.RU (c)Foto: M. Barth/russland.RU (c)
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Seit gestern ist es amtlich, die LKW-Maut wurde eingeführt. Betroffen von dieser Zwangsabgabe sind alle Lastkraftwagen mit einem Gesamtgewicht über 12 Tonnen. Der Güterfrachtverkehr auf diesem Transportweg würde sich dadurch massiv erhöhen, prognostizieren bereits jetzt die Fuhrunternehmen.

In anderen Ländern ist es schon längst üblich, auf Schnell- und mitunter auch Fernstraßen den Truckern in die Tasche zu greifen. Nun hat sich auch Russland zu diesem Schritt entschlossen. Allzu hoch, zumindest für hiesige Verhältnisse, ist diese Gebühr nicht. Vorerst noch, und das scheint eine Art Einführungspreis zu sein, wird bis zum März 2016 eine Abgabe von 1,53 Rubel pro Straßenkilometer zu leisten sein. Das entspräche beim derzeitigen Umrechnungskurs etwa 2,20 Euro für 100 gefahrene Kilometer.

Das wird teuer, sagen die Einen…

Allerdings, und jetzt wird’s haarig, soll sich die Gebühr ab dem 1. März 2016 bis Ende 2018 verdoppeln. Ab da müssen dann schon 3,05 Rubel bezahlt werden. Damit jedoch noch nicht genug, denn ab dem 1. Januar 2019 wird dann die endgültige Gebühr von 3,73 Rubel pro Kilometer verlangt. Dann kosten hundert auf Fernstraßen gefahrenen Kilometer bereits, natürlich wieder zum gegenwärtigen Kurs gerechnet, 5,30 Euro. Das bedeutet über 50 Euro auf tausend Kilometer. Und die hat man, in Anbetracht der tatsächlichen Größe des Landes, in Russland schnell mal beisammen.

Verständlich, dass nun die Fuhrunternehmer auf die Barrikaden gehen. Deswegen haben LKW-Fahrer vergangene Woche aus Protest gegen die Maut mit Streik und Blockaden protestiert. Mit ihren Gefährten behinderten sie den flüssigen Verkehr und provozierte dadurch Staus bis zu fünfzig Kilometern Länge.Natürlich möglichst effektiv auf Einfallstrassen in Städte und große Ortschaften.

…das tut Not, sagen die Anderen

Die Kosten für Öl, Reifen und Dieselkraftstoff hätten sich eh schon erhöht, so die Argumentation. Gleichgeblieben sei hingegen der Preis für den Transport. Ein Anstieg der Frachtkosten um etwa 15 Prozent sei insofern unvermeidbar. Das bedeute eine Verteuerung der einzelnen Waren von ein bis drei Prozent, die der Verbraucher zu tragen hätte. So sieht das auch die russische Gewerkschaft der Kraftfahrer und fordert daher eine bedingungslose Rücknahme der Maut. Die Blockaden sollen sogar noch ausgeweitet werden, ließ Alexander Kotow, der Vorsitzende der russischen interregionalen Gewerkschaft für Berufskraftfahrer, verlauten.

Die Agentur zur Verwaltung nationaler Verkehrsstraßen, Rosawtodor, hingegen rechnet bei rund 90.000 Kilometern Gesamtlänge des russischen Fernstraßennetzes und fast zwei Millionen erfasster Fahrzeuge, die davon betroffen sind, mit Einnahmen von um die 800 Millionen Euro jährlich. Hergenommen werden soll das Geld natürlich für den Straßenbau. Denn, der Schwerverkehr verursache bis zu 58 Prozent aller Straßenschäden in Russland, so argumentiert Rosawtodor. Dabei entstünde ein Kostenschaden von 2,9 Milliarden Euro auf den Fahrbahnen. Wohingegen das Jahresvolumen der Gütertransporte in Russland mit etwa fünf Milliarden Tonnen beziffert wird.

Unterm Strich hört sich das so an wie „die sollen sich mal nicht so haben“, denn, es bliebe genug am Transport hängen und teurer wird es eh. Also warten wir’s ab…

[mb.russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.