BRICS-Länder wollen Internet ohne USA

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Die BRICS-Länder wollen ein eigenes Cyberspace einrichten, das von den USA unabhängig wäre. Russischen Medienberichten zufolge entsteht in Brasilien bereits ein Kabelsystem, das dieses Land mit Russland, Indien, China und Südafrika vernetzen soll.

Das gegenwärtige Internet ist kein Monopolbereich und erst recht kein Eigentum der USA. Deren Rolle bei der Weiterentwicklung des World Wide Web ist aber sehr groß. Entsprechend groß sind auch Amerikas Möglichkeiten für Kontrollen im Netz. Ilja Peressedow, Exekutivdirektor der russischen Smart Internet Foundation, kommentiert:

„Das System der Domainadressen wird von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) verwaltet, die indirekt mit dem US-Handelsministerium affiliert ist. Deswegen wird die ICANN oft kritisiert. Die meisten Unternehmen, die im Internet arbeiten, sind in den USA eingetragen. Wie wir aus der Geschichte mit Edward Snowden kennen, versuchen US-Geheimdienste, sich in die Arbeit der größten Internetdienste und IT-Unternehmen einzumischen.“

Die meisten DNS-Server, die für Internetverbindungen maßgeblich sind, befinden sich in den USA. Deshalb sind die Amerikaner bei Bedarf in der Lage, ganze Länder um den Internet-Zugang zu bringen. Viele Staaten und Privatunternehmen möchten die US-Bevormundung abschütteln. Andrej Massalowitsch, Präsident des russischen Unternehmen-Konsortiums InfoRus, sagt, das angekündigte BRICS-Projekt sei kein Versuch, ein alternatives Internet zu schaffen, sondern eher eine Maßnahme, um sich vor dem allsehenden Auge der USA zu schützen:

„Wahrscheinlich geht es darum, zentrale Server außerhalb der USA zu platzieren. Außerdem geht es um ein alternatives zusätzliches Netz. Dessen Teilnehmer können einander sehen, wobei sie für andere Nutzer weder sichtbar noch kontrollierbar sind. Auf Ebene kleiner Communities wird das als Virtual Private Network bezeichnet. Dadurch sind ziemlich weitreichende geschützte Verbindungen möglich.“

Die Begründer eines alternativen Netzes müssen allerdings einige komplizierte Probleme lösen. Denn sie brauchen nicht nur Hardware wie Server und Kabel, sondern auch originelle Software. Sonst ist das Projekt für potentielle Nutzer kaum interessant. Das World Wide Web konnte die ganze Welt gewinnen, weil es für Unternehmen weltweit kommerziell attraktiv war. Der Internet-Plan der BRICS-Gruppe ist laut Experten zwar politisch verständlich, geschäftlich aber eher fraglich. Der Erfolg des Projekts wird davon abhängen, ob Geschäftsleute und Durchschnittsnutzer bereit sein werden, dafür zu zahlen.

[ Stimme Russlands ]