Brevig beschwert sich in Russland über Haftbedingungen

Der norwegische Terrorist und 77fache Mörder Anders Brevik hat sich in einem Brief an den russischen Fernsehsender REN-TV über seine Haftbedingungen beklagt, teilt die russische Internetzeitung Gazeta.ru mit. Brevik, der sich in dem Schreiben als „humanen“ Mörder und „nazistischen Mandela“ bezeichnet, passt nicht, dass man ihm nicht gestattet, zu lernen, eine eigene Partei zu gründen und dass er keinen ständigen Zugang zur Dusche und an die frische Luft hat.

Er regte sich auch darüber auf, dass ihm die Gefängnisleitung den Umgang mit anderen Häftlingen, darunter auch Nationalisten, wie Brevik selbst, verbietet. Außerdem lasse man ihn nicht studieren, da das Gefängnis nicht bereit sei, für seine Lehrbücher zu zahlen. Brevik hatte im vorigen Jahr seine Bewerbung für ein Fernstudium an der Fakultät für Politikwissenschaft an der Universität Oslo eingereicht. Jedoch wurde ihm der Zugang wegen fehlender Voraussetzungen in einigen Fächern verwehrt. Allerdings wurde er im September vorigen Jahres zum Studium bestimmter Module des Faches Politikwissenschaft zugelassen.

Weiterhin bemängelte er, dass für ihn im Gefängnis Ila, wo er einsitzt, ein neuer Flügel für 25 Millionen Kronen gebaut werden sollte, was aber bislang nicht geschehen sei. Brevik zeigte auch kein Verständnis dafür, dass ihm verweht werde an der Spitze einer eigenen Partei bei Wahlen zu kandidieren.

Er sieht sich als politischen Gefangenen und eine Art Nazi-Mandela: „Ich bin an jenem Tag mit den Leuten human umgegangen. Ich habe sie getötet, aber nicht gefoltert. Deshalb fordere ich auch für mich eine humane Behandlung“, schreibt er. Einen Selbstmord, wozu ihn sein Vater aufgefordert hatte, lehne er aus religiösen Gründen ab.

Der Brief von 30 Seiten Länge in Englisch kam, wie die Fernsehjournalisten berichteten, in einem gewöhnlichen Briefumschlag und war Thema in den Abendnachrichten des Senders, an dem die RTL-Gruppe sowie die staatlichen Konzerne Sewerstal und Surgutneftegas nahezu gleiche Anteile besitzen und der seinen Zuschaueranteil von rund fünf Prozent vor allem in den Millionenstädten rekrutiert.

Bei der Präsentation des Briefes mokierten sich die Journalisten darüber, dass in Russland bei Weitem nicht alle so komfortabel wohnen, wie der Terrorist Brevik im norwegischen Gefängnis. Ihm steht eine Einzelzelle aus drei Zimmern zur Verfügung: einem Schlafraum, einem Aufenthaltsraum und einem Sportraum. Seine Unterbringung kostet den norwegischen Steuerzahler zwei Millionen Euro im Jahr.

Wie der Pressedienst des Senders erklärte, hatten die Journalisten als erste an Brevik geschrieben. Einzelheiten dazu wurden aber auch auf Nachfrage bislang nicht mitgeteilt.

Der norwegische Terrorist Anders Brevik hatte 2011 in Norwegen zwei Terroranschläge verübt – in  in Oslo am Regierungssitz sowie in einem Jugendlager auf der Insel Uteja – begangen, in deren Ergebnis 77 Menschen umkamen.

Er wurde zur in Norwegen möglichen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer möglichen Verlängerung um fünf Jahre verurteilt, falls er nach seiner Grundstrafe immer noch eine Gefährdung für die norwegische Gesellschaft darstellt.