Brasilien Ade, wir warten auf Russland 2018 – eine kleine WM-Nachlese

Dass Deutschland den Pott geholt hat und sich den vierten Stern an die Brust heften kann, weiß inzwischen wohl der letzte Hofhund in Magadan (nichts gegen Magadan, aber das ist ziemlich weit hinterstes Sibirien, also ein ganzes Stück weg). Es war ein packendes Finale, wie das Turnier insgesamt ein spannendes und schönes war. Wir blicken aber in die Zukunft, denn die verheißt – in vier Jahren richtet Russland die Fußball-Weltmeisterschaft aus. Was wird uns da erwarten?

Brasilien hatte große Probleme, die Stadien rechtzeitig fertigzukriegen, in Sao Paulo ist das nicht ganz gelungen, da ragte diese einsame, nicht überdachte Tribüne in den Himmel. In Russland sind mehrere Stadien im Bau oder Umbau. Es bleiben vier Jahre Zeit, und wie es aussieht, wird das klappen. Hat es in Sotschi ja schließlich auch, trotz jahrelanger Befürchtungen – und die Spiele waren bei weitem nicht die schlechtesten in der Geschichte.

Das ehrgeizige Motto der russischen Olympiamannschaft – „Ihr holt uns nicht ein!“ – hatte sich auch die Sbornaja auf die Fahnen (und den Mannschaftsbus) geschrieben. Sie haben sich einholen lassen, sind schon in der Gruppenrunde ausgeschieden, und es hagelte jede Menge Kritik an der Leistung der russischen Nationalelf.

Wie bereits berichtet, steht im Zentrum der Kritik der italienische Coach Fabio Capello, der seinen Mannen eine zu defensive Spielweise eingeimpft und sie vor den Augen der Welt im Camp eingesperrt hatte. Unter Guus Hiddink 2008 in Österreich war das anders gelaufen, und da war zum Schluss nach einem phänomenalen Sieg über Holland sogar die Bronzemedaille drin gewesen. Das war der letzte emotionale Höhepunkt des russischen Fußballs.

Die russische Presse ist sich einig: Russische Spieler brauchen mehr Freiheit, ansonsten machen sie es so, wie man es in Italien liebt – Bummelstreik, passiver Widerstand, und nichts geht mehr. Sollte Capello bleiben, ist für 2018 im eigenen Land wohl nichts Gutes zu erwarten. Sollte Capello gehen, muss der Verband (RFS) ihm eine Riesensumme Ablösung zahlen. Hier fragt sich im Moment jeder: Wie konnte der RFS so dumm sein, den Vertrag mit Capello VOR der WM in Brasilien um weitere vier Jahre zu verlängern?

Wir stecken nicht drin, aber der Vertrauensbeweis könnte nach hinten losgehen. Capello hat auf irgendeiner (es war wohl die vorletzte, wenn ich mich nicht irre) Pressekonferenz in Brasilien bemängelt, dass alle Fußballer in Russland spielen, kein einziger Legionär ist dabei, und das sei falsch. Er hatte also a priori kein allzu großes Vertrauen in seine Leute. Das ist schon mal schlecht aus Prinzip.

In Russland wird jetzt sinniert: Liegt die mittelmäßige Leistung an den horrend hohen Gehältern, die schon ganz junge Spieler bekommen? Wird ihnen dadurch der Durchsetzungswillen von Jugend an abgewöhnt? Liegt es an der falschen Politik im Jugendbereich? Schlecht bezahlte Jugendtrainer ohne Motivation sind leider immer noch die Regel, obwohl es wiederholte Versuche gegeben hat, in dem Bereich aufzuräumen, bessere Gehälter zu zahlen und vernünftige Felder und Trainingsbasen zu schaffen.

Die russischen Vereine, jedenfalls die führenden, leben eindeutig über ihre Verhältnisse, geben Unsummen für Spieler aus dem Ausland aus, und werden in den kommenden Jahren mächtig mit dem von der FIFA geforderten finanziellen Fairplay zu kämpfen haben. Die eigene Jugendarbeit liegt vieler Ortens brach. In vier Jahren möchte sich Russland als Fußballmacht präsentieren – bisher sieht es düster aus damit. Wollen wir hoffen, dass sich das ändert – sonst laufen wir wieder hinterher und die Besseren holen uns wieder ein.

[sb/russland.RU]