Botschafter a.D. Elbe fordert Wiederaufnahme des Dialogs mit Putin

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Der Jurist und Diplomat Frank Elbe, Jahrgang 1941, war in den 70er Jahren Konsular-Referent in der Botschaft in Warschau, in den 80er Jahren Botschaftsrat in der deutschen Vertretung in London, dann im Auswärtigen Amt in Bonn mit Fragen der nuklearen Abrüstung beschäftigt und Anfang der 90er Jahre Leiter des Planungsstabes des AA.

Er war in der Zeit der 2+4-Verhandlungen Leiter des Ministerbüros und in dieser Eigenschaft Mitglied der deutschen Delegation bei diesen Verhandlungen. Botschafter war er in Polen, Indien, Japan und in der Schweiz. Frank Elbe lebt in Bonn.

Der langjährige deutsche Botschafter Frank Elbe hat einen erschreckenden „Mangel an diskreter und vertrauensvoller Diplomatie“ beklagt. Er habe sich nicht vorstellen können, so der erfahrene Botschafter, „dass im Frühjahr 2014 – 25 Jahre nach dem Fall der Mauer und im 100. Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs – eine Lage vorzufinden sein würde, in der wir von allen guten Geistern verlassen worden sind und in der Bedrohung und absurdes, gefährliches Theater so nahe beieinander liegen.“

Der Welt drohe die schwerste sicherheitspolitische Fehlentwicklung seit der Kuba-Krise 1962. Elbe verweist auf die großen Erfolge der Entspannungspolitik in der Hochzeit des Kalten Kriegs. Es sei bemerkenswert, dass dieser beendet und die gewaltigen Veränderungen in Europa herbeigeführt werden konnten, ohne dass auch nur ein Schuss abgefeuert worden sei. Und das alles in einer Zeit beispielloser Hochrüstung in Ost und West und trotz herber Rückschläge wie 1968 in Prag und 1979 in Afghanistan und der Bedrohung durch nukleare Mittelstreckenraketen.

Der Diplomat, der enge Beziehungen zum früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher pflegt, bezeichnet es als schlimm, dass es nicht gelungen sei, in den letzten zwei Jahrzehnten die Beziehungen zwischen Russland, Europa und den USA auf eine ordentliche, nachhaltige Grundlage zu stellen.

Aber noch schlimmer wäre es, „den erfolgreichen Weg der Kooperation zu verlassen und amerikanischen Ideen nachzugeben, die darauf setzten, „Russland einzuhegen. Das wäre ein Rückfall in den Schlafwandel der Zeit vor Ausbruch des 1.Weltkriegs.“

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Frank Elbe hat seine Gedanken zum Thema „Wie sicher ist Europa?“ erstmals vor knapp einem Jahr bei einer Kanzelrede in der Bauernkirche in Iserlohn vorgetragen.