Berlin: Deutsch-Russische Musikkooperation als Hoffnungsblick

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[von Kristina Denisenko] Berlin – gestern im Konzerthaus Gendarmenmarkt. Wenige Minuten bleiben bis zum Moment, in dem die Mitglieder der Russisch-Deutschen Musikakademie auf die Konzertbühne treten und das Publikum die bekannten Melodien der zeitlosen Werke von Ludwig van Beethoven und Peter Tschaikowski hören. Alle sind an ihren Plätzen und in der Luft liegt die spannungsgeladene Atmosphäre vor großen Auftritten dieser Art. Das Orchester, bestehend aus deutschen und russischen hochtalentierten Nachwuchsmusikern, spielt heute unter der Leitung eines der bekanntesten Konzertleiters Russlands, wenn nicht der Welt, dem berühmten russischen Dirigenten und Intendanten Valery Gergiev. Die Zuschauer sind gespannt, was sie erwartet.

Von der Moderne zu Beethoven

Eröffnet wird das Konzert mit der “Verwandlung 4” von Wolfgang Rihm, einem zeitgenössischen Komponisten, der für seine Vielseitigkeit und sein Ausdrucksbedürfnis bekannt ist. Gesellschaftlicher Wandel, Aktualität und Weltvielfalt stehen im Mittelpunkt seiner Kunst. Betäubende Schlagzeuge und markerschütternde Flötentöne versenken das Publikum in Nachdenklichkeit und Besorgnis. Am Ende steht stürmischer Applaus für die wirklich überaus talentierten Musiker und ihre Darbietung.

Sie erfreuen als nächstes das Publikum mit Beethovens sinfonisch gestaltetem Violinkonzert op. 61. Die besondere Aufmerksamkeit der Zuschauern gilt dabei dem herausragenden deutschen Solisten des Abends Geiger Frank Peter Zimmermann. Mit dem ihm eigenen energischen Strich und voller Emotionen erklingen sorgenfreie lyrische und seriöse dramatische Töne. Zur Pause war das schicke Publikum aus mit Sicherheit nicht anspruchsarmen Klassikfans vollends zufrieden und freute sich schon auf Teil zwei. Pausengespräch war dabei vor allem das erstaunliche Talent, dass die jungen Musiker schon gezeigt haben.

Tschaikowski als Bogen nach Russland

Vom Anfang des 19. Jahrhunderts versetze der zweite Teil des Programms die Zuschauer an dessen Ende: Tschaikowski 5. Sinfonie von 1888 steht nun auf dem Spielplan. Das hervorragende Meisterwerk faszinierte den ganzen Saal. Der Komponist greift Probleme auf, die schon vor der Pause von Beethoven beleuchtet wurden und so spannt sich symphonisch der Bogen von Mitteleuropa nach Russland, im dem sich auch die jungen Musiker vereinen. Eine Symbiose von russischer Kultur und der weltweit geschätzten Musik der Klassiker.

Nach der finalen Partie dankt das Publikum mit stehenden Ovationen dem Orchester für den dargebotenen Genuss. Das Konzert gab eine Möglichkeit erstklassige Musik aus drei Epochen vereint zu hören und so ein Stück Musikgeschichte nachzuvollziehen. Die Kunst kennt hier weder die Grenze der Zeit noch der Kulturen und Brücken werden gebaut. Hier macht die Kultur etwas vor, was man in der Politik zwischen Deutschland und Russland oft schmerzlich vermisst.

Vereinte Stimmen der russischen und deutschen Musiker

Nach dem Konzert sprach ich – selbst begeistert – noch einige der jungen Musiker. Sie waren froh, unter Gergiev an dieser Veranstaltung teilnehmen zu dürfen und nach ein paar Schwierigkeiten aufgrund unterschiedlicher Musiktraditionen zu Beginn lief dann doch alles wie am Schnürchen und man entdeckte mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Gerade wegen der politischen Spannunen zwischen ihren Ländern fanden die Musiker aus Deutschland wie aus Russland es wichtig, gemeinsam das Kulturerbe zu pflegen. Das finden wir auch.

Über den Autor

Kristina Denisenko
Kristina Denisenko studiert Außenpolitik an der Lomonossow Universität in Moskau und ist bei russland.NEWS als freie Mitarbeiterin tätig. Ihre Aufgabe ist vor allem der Aufbau eines regelmäßigen Audiopodcasts mit Informationen aus Politik und Wirtschaft.