Berg Heil vom ‚Gazprom‘

Foto: commons.wikimedia/Михаил Александр GNU License CC BY-SA 3.0
image_pdfimage_print

Dass der Erdgasriese ‚Gazprom‘ ein wahrer Gipfelstürmer auf dem Energiesektor ist, dürfte längst kein Geheimnis mehr sein. Nun hat das russische Unternehmen zu Werbezwecken auch noch seinen eigenen Olymp erklommen. Kürzlich wurde ein Berggipfel im Altai-Gebirge nach ihm benannt.

Fast nahtlos reihen sich die Gipfel des Altai-Gebirges an die unzähligen majestätischen Berge auf dem ‚Dach der Welt‘. Während der Hindukusch, der Karakorum und der Pamir zusammen mit dem Himalaya das tibetische Hochland und die innere Mongolei von Süden her von der Außenwelt abriegeln, bildet der Altai die natürliche Grenze im Norden. Nicht mehr ganz so hoch wie die ‚Kollegen‘ erreichen die Gipfel des Altai dennoch stolze Höhen von bis zu 4.500 Metern über dem Meer.

Geopolitisch befindet sich der Altai sowohl auf kasachischem, russischem, mongolischen als auch chinesischem Territorium. Wobei der größte Teil der Bergkette Russland zuzuordnen ist. Unweit der tuwinischen Hauptstadt Kysyl, nördlich des Mongolischen Altai, liegt der geografische Mittelpunkt Asiens. Im Mongolischen bedeutet das Wort Altai ‚goldene Berge‘. Und tatsächlich lagern in der Region Bodenschätze von unermesslichem Wert. Zudem befinden sich im südsibirischen Teil Russlands immense Lagerstätten an Erdgas. Gefördert vom halbstaatlichen Konzern ‚Gazprom‘ wird es durch den Altai mittels Pipelines nach China transportiert.

‚Gazprom‘ stürmt den Gipfel

Nun bekam ein bisher namenloser, 3.341 Meter hoher Gipfel auf dem 140 Kilometer langen Grat des Kuraiskogo-Rückens den ehrenvollen Namen ‚Gazprom-Gipfel‘ verpasst, wie auf der firmeneigenen Web-Seite bekannt gegeben wurde. Nicht dass jetzt der Energiemulti sich selbst damit beweihräuchern würde, wie man zunächst glauben möchte, nein die Intention ging von der Regierung der nordsibirischen Republik Altai aus. Quasi als kleines ‚Dankeschön für die erfolgreiche Vergasung‘, wie es im Fachjargon genannt wird, der Republik.

Im Rahmen eines festlichen Akts durfte Alexej Miller, der Vorstandsvorsitzende von ‚Gazprom‘, die Urkunde aus den Händen vom Gouverneur der Republik, Alexander Berdnikow, laut der Nachrichtenagentur ‚RNS‚ entgegennehmen. Ganz billig war und wird der Spaß natürlich nicht für ‚Gazprom‘: Im Zeitraum von 2007 bis zum Jahr 2016 20 investierte der Gasriese bereits in ein Leitungsnetz von 296 Kilometern Länge sowie drei zuführenden Gasleitungen mit Kosten in Höhe von 5,2 Milliarden Euro.

Weitere 4,139 Milliarden Euro, so sieht es ein Kooperationsprogramm vor, werden bis ins Jahr 2021 zusätzlich mehr als 11.000 Haushalte durch eine 418,6 Kilometer lange Trasse mit Energie versorgen.Schon in diesem Jahr soll der Bezirk Majminskogo, im Umland der Stadt Gorno-Altaisk, für 250 Millionen Euro an die Verteilung angeschlossen werden. Allerdings ist die Region nur der Anfang eines großen Ziels: Das Hauptaugenmerk liegt auf den 2600 Kilometern einer insgesamt 3500 Kilometer langen Rohrfernleitung durch das Ukok-Plateau bis in das Herz von China für 30 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Die entsprechenden Vereinbarungen wurden seinerzeit in einem ‚Gazprom‘-Gästehaus in einer der touristisch erschlossenen Altai-Regionen beschlossen.

Tourismus als Hoffnungsträger

Mit der ‚Gazprom‘-Investition wiederum plant die Republik Altai weitere Gebiete für den Tourismus zu erschließen, schließlich zählt sie zu den ärmsten Regionen des Landes. Das Leben weit weg von den Verkehrsstrecken der Russischen Föderation hat seinen Preis und jedes Projekt zur Förderung der Infrastruktur weckt die Hoffnung auf ein besseres Leben. Als nächstes soll ein Touristen-Resort mit einem künstlichen See gebaut werden. Außerdem ist vorgesehen, den alpinen Ski-Tourismus und dessen Infrastruktur weiter ankurbeln.“Trotz der der wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, so der Präsident der Republik Altai Wladimir Poletajew in einer Pressekonferenz, ginge die Konzeption „planmäßig voran“.

Noch diesen Sommer wird eine offizielle Expedition den Gipfel des neubenannten Berges erklimmen und ein riesiges ‚Gazprom‘-Logo auf der Bergspitze aufstellen, wie die Regierung der Region Altai auf ihrer Website ankündigte. Nicht ganz selbstlos hoffen die Abgeordneten des Regionalparlaments, dass das Logo weithin sichtbar sein wird.

Ein weiteres Hochgebirge in der Nähe des Altai-Gebirges, der über 500 Kilometer lange und fast 2.000 Meter hohe Kusnezker Alatau im Oblast Kemerowo, erlebte bereits im Jahr 2015 die Namensgebung eininiger bis dahin anonymen Gipfel. Anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges im ‚Großen Vaterländischen Krieg‘ bekamen die ,Gipfel des militärischen Ruhmes‘, so der Titel des Projekts, laut der Webseite der Region die Namen der Veteranen des Kusbass, dem Kusnezker Becken, verpasst. Weit weniger pathetisch, wenngleich ebenfalls nicht unpolitisch, benannte die nepalesische Regierung 2016 einen Himalaya-Gipfel nach der ukrainischen Kampfpilotin Nadija Sawtschenko.

Allen Neubenennungen der Bergwelt zum Trotz steht Eines felsenfest: Kein Unternehmen weltweit dürfte derzeit einen höheren Werbeplatz als ‚Gazprom‘ für sich beanspruchen. Mehr als 3.300 Meter hoch – das ist dann doch der Gipfel.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.