Beach Soccer-WM 2015: Russland stolpert über Portugals dritten Lungenflügel

Foto: Wikipedia/Kevin Gong via flickr CC BY-SA 2.0Foto: Wikipedia/Kevin Gong via flickr CC BY-SA 2.0
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Espinho – Stellen Sie sich vor, Sie sind im Urlaub. An einem Strand im Süden und Ihnen wird allmählich langweilig auf Ihrer Liege. Nun kommen noch ein paar andere Spießgesellen hinzu, die sich genauso nach Bewegung sehnen. Sie lassen sich zu einem Fußballspiel im Sand überreden und es macht sogar Spaß. Hervorragend, Sie haben das Prinzip Beach Soccer verstanden.

Nun traf es sich, dass heute ein Halbfinale einer WM, natürlich am Strand, in dieser Disziplin anstand. Da standen sich dann je fünf Kicker aus Portugal, übrigens der Gastgeber dieses Events, und Russland, im Übrigen der Titelgewinner der letzten zwei Jahre, im tiefen Sand gegenüber. Alle hatten nur ein einziges Ziel: Dieses Match zu gewinnen und im Endspiel um die offizielle FIFA-Weltmeisterschaft 2015 zu stehen.

Wir haben uns für Sie die Mühe gemacht, uns mit einem Cocktail auf einer Strandliege niederzulassen, um Sie am Geschehen teilhaben zu lassen. Portugal kann immerhin mit einem zweiten, sowie drei dritten Plätzen seit 2005, dem Gründungsjahr dieser FIFA-WM, aufwarten. Wir erhoffen uns eine packende Partie. Ein Blick auf das Barometer zeigt uns 78% Luftfeuchtigkeit bei 22 Grad im Schatten, der Strand dampft. Das erste Drittel beginnt.

Strandparty mit dem Gastgeber und einem polnischen Party-Crasher 

…und ist auch schon wieder vorbei, denn in diesen ersten 12 Minuten trafen ambitionierte Russen auf ein portugiesisches Bollwerk an Verteidigung. Im zweiten Drittel dreht Portugal plötzlich auf. Pfosten, daneben, gefährlich. Und sie können sich wahrlich glücklich schätzen einen Torhüter wie Andreij Buchlitzkij zwischen den Pfosten stehen zu haben, die amtierenden Weltmeister. In der siebten Minute ein Foulspiel der Portugiesen – Freistoß Makarow – 1:0. Eine Minute später gleicht Portugal aus. Das Spiel nimmt Fahrt auf. Und wie aus dem Bilderbuch, ein Freistoß für die Gastgeber, perfekt ins Netz gehäkelt, Respekt., 2:1.

Kaum ist die Partie zum letzten Drittel wieder angepfiffen, steht’s auch schon 2:2. Der Ball holpert sich durch die Sandkuhlen und als er dann den Kopf von Dmitrii Schischkin findet, ist das Traumtor perfekt. Die Russen wirken jetzt beinahe wie auswechselt. Sie drängen, sie wollen. Das Knäuel allerdings im Mittelfeld wird immer enger, vernünftige Spielzüge fast unmöglich. Die letzten Fünf der letzten 12 Minuten hatten noch einmal unter peppiger Strandparty-Musik richtig Würze an den Tag gelegt. Etwas früher, in der 33. Minute, handelt sich Jury Krschennikow eine rote Karte ein, Russland in der Unterzahl. Den fälligen Freistoß verwandelt Bruno Novo und Be Martins legt endgültig das 4:2 für die Hausherren nach.

Inzwischen hagelt es gelbe Karten. Gegen Russland. Vielleicht hätte man, zumindest nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt, bei der FIFA auch nicht unbedingt einen polnischen Un(?)parteiischen abstellen müssen. Wer weiß, es heißt ja schließlich immer noch, der Sport halte sich aus der Politik heraus. Egal, 2:4, es ändert nix. Wir holen uns noch einen Cocktail und harren der Enttäuschung. Portugal spielt bisher bei dieser WM mit drei Lungenflügeln. Zwei in jedem Spieler und noch einer mehr auf den Tribünen. Der dritte Lungenflügel darf sich jetzt freuen und die Handvoll Russen, die wir auf der Tribüne ausmachen konnten, können stolz auf ihre Sbornaja im Sand sein. Wir hingegen finden diese Sportdisziplin immer noch überflüssig. Auch wenn sie, zugegeben, unbandigen Spaß macht…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.