Beach Soccer WM 2015: Russland bezwingt Brasilien im Viertelfinale

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Espinho – Es gibt Sportarten, die zugegebener Maßen die Welt nicht braucht. Aber, auch das muss man zugeben, Sportarten, die einen unbandigen Spaß machen. Einer dieser sportlichen Aktivposten, hinter denen man eigentlich eine Beschäftigung für gelangweilte Touristen vermuten möchte, ist das sogenannte Beach Soccer.

Beach Soccer wird, wie der Name schon verrät, am Strand oder zumindest im tiefen Sand gespielt. Ursprünglich einer Strandlaune von Seefahren entsprungen, die sich bei Landgängen die Zeit vertrieben. Erfahrungsgemäß hat es gerade in Brasilien diese schönen Strände. Von dem her ist es kaum verwunderlich, dass sich Beach Soccer von ebenda über den Rest der Welt verbreitete. Mittlerweile ist der Sport auch in Russland mehr als angekommen.

Man kann getrost sagen: Russland stellt sich beim Beach Soccer sogar außerordentlich gut an. Bei den alle zwei Jahre ausgetragenen Weltmeisterschaften, seit 2005 offiziell vom internationalen Fußballdachverband FIFA veranstaltet, konnte die Sbornaja bereits zwei mal den Titelgewinn für sich verbuchen. Die meisten FIFA-Titel, nämlich vier, errang bisher, wie könnte es auch anders sein, Brasilien. Nun traf es sich, dass sich gerade diese beiden Titelanwärter im Viertelfinale der WM 2015 in Portugal gegenüber standen.

Die Gruppenrunde überstand Russland mit nahezu makelloser weißen Weste. Paraguay konnte mit 7:5 besiegt werden, Madagaskar mit 4:2. Lediglich Tahiti gab im letzten Gruppentreffen den Spielverderber. Knapp mit 6:7 mussten sich die Russen dem Inselstaat geschlagen geben. Brasilien hingegen konnte alle seine Gruppenspiele gegen Mexiko (5:1), den Iran (4:3) und Spanien (2:1) erfolgreich beenden. Lediglich drei Partien bis zum Finale am 19. Juli gilt es also noch zu meistern.

Ganz großes Fußballkino am Sandstrand

Das erste Tor in dieser brisanten Viertelfinalbegegnung erzielte Artur Paporotnyi für Russland noch vor Ablauf der zweiten Spielminute. Nach sieben Spielminuten konnte Anton Schkarin aus der Abwehr heraus das 2:0 nachlegen. Gerade einmal 15 Sekunden später gelang Brasilien der Anschlusstreffer, eine halbe Minute später der Ausgleich. Noch vor dem Ende des ersten Drittels stand es dann 3:2 für Brasilien. Bislang sahen die Zuschauer bei 77% Luftfeuchtigkeit ein überaus dynamisches Spiel mit genügend Chancen auf beiden Seiten.

Gleich nach dem Anpfiff des zweiten Drittels bekam Russland einen Freistoß wegen Handspiels zugesprochen, den der 29-Jährige Flügelflitzer Dmitrii Schischin zum erneuten Ausgleich nutzte. Der Rest der verbleibenden 12 Minuten bot ein munteres hin und her, mit ansehlichen Spielzügen und Chancen en Masse. Die letzten zwölf Minuten mussten nun die Entscheidung zum Einzug ins Halbfinale bringen. Anatoliy Peremitin bringt mit dem 4:3 in der 28. Minute Russland vorerst auf die Siegerstraße, bevor Brasilien zwei Minuten später per Foulelfmeter erneut ausgleicht. Eine Minute später liegt Russland wieder vorn. 5:4 durch den Abwehrspieler Kirill Romanow.

Nun begann der Showdown. Erneut kann Brasilien ausgleichen. Was als munterer, schön anzusehender Strandkick begann hat nun das Format eines Krimis. 5:5 nach Ende der regulären Spielzeit steht es. Die Entscheidung geht in die Verlängerung. Drei endlos scheinende Minuten in denen in der Allerletzten Igor Schaikow den alles erlösenden Siegtreffer für die Sbornaja erzielt. Mit 6:5 gewinnt Russland die Strandpartie gegen den haushohen Favoriten Brasilien und zieht somit ins Halbfinale ein.

Nun trifft Russland am kommenden Samstag auf Gastgeber Portugal und da wird es sich weisen, ob die Sbornaja in der Lage ist, ihren dritten Titel in Folge zu holen. Und mittlerweile müssen sogar wir zugeben: Beach Soccer kann durchaus ansehlich sein. Wie hoch man es bewerten muss bleibt jedem selber überlassen. Aber selbst wenn diese Sportart die Welt nicht braucht – sie macht allemal verdammt viel Spaß…

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.