Batman bescheinigt Klitschko Charisma einer Unterhose

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London – Boxen ist ein hässlicher Sport, sind wir ehrlich. Da stehen sich vor einer grölenden Menschenmasse zwei halbnackte Männer gegenüber, deren einziges Ansinnen darauf hinausläuft sich gegenseitig fürchterlich weh zu tun. Und dennoch haben wir unser Herz daran verloren. Nein, nicht wegen dem Wehtun, sondern wegen des Unterhaltungswerts im Vor- und Umfeld eines solchen Boxkampfes.

Erst jüngst sahen wir uns wieder eindrucksvoll bestätigt bei der Pressekonferenz zu einer ebensolchen Schlacht der Fäuste am 24. Oktober dieses Jahres in Düsseldorf. Da will einer, der Wladimir Klitschko, seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht verteidigen. Ein anderer, der heißt Tyson Fury, will ihm den Titel allerdings wegnehmen. Um das Ganze zu unterstreichen, hat sich der britische Lokalmatador etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die Aufmerksamkeit der anwesenden Pressevertreter war ihm gewiss.

Klitschko, als 64-maliger Sieger in 67 Profikämpfen, ist ja schon einiges gewohnt. Er, stets um ein gepflegtes Auftreten bemüht, wurde schon von seinem Boxkollegen Shannon Briggs privat gestalkt und musste bei so manchem Ballyhoo im Vorfeld eines Kampfes markige bis sinnfreie Sprüche seiner Gegner über sich ergehen lassen. Aber so einen Auftritt eines Herausforderers dürfte er auch noch nicht erlebt haben. Denn plötzlich stand da ein zwei Meter großer Batman vor dem Ukrainer. Ja, Sie haben richtig gelesen, es war tatsächlich Batman, der plötzlich über den 39-Jährigen vom Leder ließ was das Zeug hielt.

„Wladimir, du hast das Charisma einer Unterhose“, wetterte Batman zum Erguss aller Journalisten im Raum. Und dann meinte der Held aus Gotham City: „Es ist meine persönliche Mission, das Boxen von so einer langweiligen Person, wie du es bist, zu befreien. Wenn ich dir zuhöre, schlafe ich ein“. Und Batman, alias Fury, war noch nicht fertig: „Du bist langweilig“, tobte der Engländer durch den Saal, „Und ganz Europa wartet nur darauf, dass du verlierst!“.

Und dann zog Tyson Fury seinen letzten Trumpf aus dem Ärmel. „Ich bin nicht interessiert an deinen Titeln“, und wischte des Weltmeisters Gürtel seiner Titel vom Tisch, „Ich will dich nur besiegen“. Kurze Zeit später saß dann plötzlich ein adretter Gentleman von der Insel in kariertem Anzug hinter seinem Mikrofon und beantwortete höflich seine Presseanfragen. So etwas habe er noch nie erlebt, räumte Wladimir Klitschko ein, aber es habe ihn amüsiert. Zwar gilt Klitschko als unbezweifelter Favorit beim Kampf in Düsseldorf, jedoch dürfte nach 11 Jahren auch einmal seine Zeit gekommen zu sein, abzudanken. Vielleicht kann es ja Batman richten.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.