Bären vor der Haustür: Burjatien meldet 331 Abschüsse

In der russischen Republik Burjatien haben Wildhüter und Jäger nach Behördenangaben 331 Bären getötet, die Menschen gefährdeten. Täglich gehen dort bis zu 20 Meldungen über Tiere nahe bewohnter Orte ein. Auch andere Regionen greifen ein, während Moskau weitere Maßnahmen vorbereitet.

In Burjatien am Baikalsee sind nach Angaben der regionalen Naturschutzaufsicht Burprirodnadsor 331 Bären erschossen worden, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen darstellten. Wie Kommersant am 3. Oktober berichtete, sind 81 Fachkräfte zum Schutz der Siedlungen im Einsatz. Auf welchen Zeitraum sich die Gesamtzahl der Abschüsse bezieht, geht aus der Meldung nicht hervor.

Die Behörde erhält täglich 15 bis 20 Hinweise auf Bären in der Nähe bewohnter Orte. Staatliche Inspektoren und Jäger überprüfen die Meldungen vor Ort. Über einen Abschuss werde entschieden, wenn eine Gefahr für Menschen bestehe. Besondere Aufmerksamkeit gelte Orten, an denen Tiere wiederholt auftauchten. Seit dem 2. Oktober wurden die Umgebungen von acht Kommunalgebieten kontrolliert. Die Behörde meldete dabei auch Abschüsse nahe mehreren Dörfern.

Burjatien steht mit dem Problem nicht allein. In der benachbarten Region Transbaikalien bieten die Behörden inzwischen 15.000 Rubel für einen erlegten Bären. Nach einem Bericht der Moscow Times vom 1. Oktober waren dort mehr als 100 Sichtungen registriert worden, davon 35 unmittelbar in Siedlungen. Im Rahmen der Bestandsregulierung wurden bereits 70 Tiere getötet. Die Region rief erhöhte Alarmbereitschaft aus und riet der Bevölkerung von Waldaufenthalten zum Sammeln, Angeln oder zur Erholung ab.

Auf föderaler Ebene kündigte Vizepremier Dmitri Patruschew am 30. September ein Maßnahmenpaket an. Dazu gehören die Prüfung einer Aufhebung von Jagdquoten, regionale Vorgaben für die Bestandsgröße und zusätzliche Befugnisse für örtliche Behörden. Außerdem soll geklärt werden, welche Regionen weitere finanzielle Unterstützung benötigen. Laut einem von der Moscow Times veröffentlichten Reuters-Bericht hat sich Russlands Braunbärenbestand innerhalb von drei Jahrzehnten auf rund 308.000 Tiere mehr als verdoppelt. Seit dem Frühjahr seien nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA mindestens 22 Menschen bei Angriffen ums Leben gekommen.

Die tödlichen Vorfälle haben auch strafrechtliche Folgen. In der Region Krasnojarsk wurde am 23. September ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Fahrlässigkeit gegen Mitarbeiter des regionalen Naturressourcenministeriums bekannt. Die Ermittler werfen ihnen vor, notwendige Maßnahmen zur Regulierung des Bärenbestands unterlassen zu haben. Kommersant berichtete damals von sechs Todesopfern seit Anfang September sowie mindestens 123 Meldungen über Bären in oder nahe Siedlungen. Ob Behördenversäumnisse zu den Todesfällen beitrugen, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Eine größere Zahl von Bären erklärt allerdings nicht jede gefährliche Begegnung. Der Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften, Gennadi Krasnikow, verwies auf das Zusammenspiel von Bestandswachstum, Nahrungsknappheit und klimatisch veränderten Wanderbewegungen. In einem von Kommersant am 26. September aufgegriffenen Interview forderte er, die Situation in jeder Region gesondert zu untersuchen und darauf abgestimmte Empfehlungen zu entwickeln.

Reuters nennt außerdem einen frühen, trockenen Frühling und ein knappes Beerenangebot als Gründe für die ausgedehnte Nahrungssuche der Tiere. Offen liegende Lebensmittelabfälle lockten Bären zusätzlich an. Damit bleibt neben dem unmittelbaren Schutz vor gefährlichen Tieren eine zweite Aufgabe: zu verhindern, dass Siedlungen für sie zu leicht erreichbaren Futterplätzen werden.

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