Bärenbegegnungen beeinträchtigen in Teilen Sibiriens inzwischen das Reisegeschäft. Zugleich zeigen regionale Zahlen, wie weit genehmigte Abschüsse und tatsächliche Jagd auseinanderliegen. Eine einfache Erklärung für die Konflikte liefern sie allerdings nicht.
Wer Sibiriens Wälder besucht, sucht häufig gerade die Nähe zur Natur. Wo Bären an Ferienanlagen und Siedlungen auftauchen, kann daraus jedoch ein Hindernis für den Tourismus werden. Das Thema hat mittlerweile die Wirtschaftsbeobachtung erreicht: Wie Kommersant unter Berufung auf den Oktoberbericht der russischen Zentralbank berichtet, bremsten solche Begegnungen im August und September den Inlandstourismus in sibirischen Regionen.
Ferienanlagen, Nationalparks und Waldparks seien teilweise für Erholungssuchende faktisch nicht zugänglich gewesen. Auf einzelnen Reiserouten hätten Absagen zugenommen. Eine Schadenssumme oder einen prozentualen Rückgang nennt die Meldung nicht. Sie beschreibt regionale Beeinträchtigungen, keine bezifferte Krise des gesamten sibirischen Tourismus. Nach einer darin angeführten TASS-Auswertung wurden seit Jahresbeginn in mehr als 40 russischen Regionen Bären an Siedlungen beobachtet.
Wie kompliziert der Hintergrund ist, zeigt die Region Krasnojarsk. Nach einem Beitrag von Kommersant Nauka lebten dort 2010 rund 9.000 Braunbären. Für 2021 nennt der Text 32.311 Tiere, für 2025 noch 25.864. Langfristig ergibt das einen starken Zuwachs; gegenüber dem Höchststand aber einen Rückgang.
Besonders groß ist die Lücke zwischen Jagdquote und Jagdergebnis: In der Saison 2025/26 waren 4.616 Abschüsse erlaubt, tatsächlich wurden 244 Tiere erlegt – rechnerisch etwa 5,3 Prozent der Quote. Als Hindernisse nennen die zitierten Fachleute unter anderem hohe Kosten, schwer erreichbare Jagdgebiete und geringe Absatzmöglichkeiten für Bärenprodukte.
Auch die Landschaft verändert sich. Ein Wissenschaftler der Sibirischen Föderalen Universität verweist auf mehr als 350.000 Hektar aufgegebene Wiesen und Felder zwischen Krasnojarsk und Jenisseisk, die Bären inzwischen erschlossen hätten. Verbuschende Flächen können Nahrung und Deckung bieten. Gleichzeitig nennt der Beitrag örtlichen Nahrungsmangel, Waldbrände und Abfälle in Siedlungsnähe als Faktoren für Konflikte.
Damit greifen pauschale Erklärungen zu kurz. Weder beweist ein großer regionaler Bestand, dass überall zu viele Bären leben, noch lässt sich aus einer kaum ausgeschöpften Jagdquote unmittelbar die passende Maßnahme für einen einzelnen Ferienort ableiten. Dafür müsste genauer bekannt sein, wo Tiere regelmäßig auftauchen, was sie anzieht und welche Schutzmaßnahmen bereits bestehen.
Für Tourismusbetriebe zählt vor allem, ob ihre Angebote sicher nutzbar bleiben. Eine höhere Abschussquote allein garantiert das ebenso wenig wie eine Entwarnung mit Blick auf landesweite Bestandszahlen. Der Hinweis aus der Wirtschaftsbeobachtung macht deshalb eine zusätzliche Dimension sichtbar: Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren betreffen neben Naturschutz und öffentlicher Sicherheit auch die Arbeitsgrundlage regionaler Unternehmen.

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