Auch Weißrussland erhält von Russland einen Kredit

Russland will seinen engsten Nachbarn helfen. Diese Woche hat Moskau Weißrussland einen Kredit in Höhe von zwei Milliarden Dollar zugesagt und die erste Tranche der ukrainischen Eurobonds für drei Milliarden Dollar gekauft. Dieses Geld soll Weißrussland helfen, seine Gold- und Devisenreserven aufzustocken, und der Ukraine erlauben, einen Staatsbankrott zu vermeiden.

Russland werde 2014 Weißrussland einen zusätzlichen Kredit in Höhe von bis zwei Milliarden Dollar für 10 Jahre gewähren, erklärte der Präsident des Landes Wladimir Putin nach der Tagung des Obersten Staatsrats der beiden Länder. Als Anlass für die Anleihe nannte der russische Staatschef die Lage an den internationalen Märkten. Alexander Lukaschenko bat seinerseits, den Kredit nicht für ein Geschenk an Weißrussland zu halten, und wies auf die kooperativen Beziehungen zwischen beiden Ländern hin. Er betonte, dass die weißrussische Wirtschaft 60 bis 70 Prozent der Ressourcen und Zulieferbetriebe Russlands aufnimmt. Folglich wird Moskau dadurch nicht nur die weißrussische, sondern auch die russische Wirtschaft fördern. Weißrussland braucht den russischen Kredit zur Modernisierung der Betriebe und der Aufrechterhaltung des Wechselkurses der nationalen Währung.

Die Regierung des Landes gibt sich alle erdenkliche Mühe, eine Abwertung zu vermeiden. Allein vom Januar bis zum November des laufenden Jahren wurden zu diesem Zweck gut 2,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Der Preisrückgang am Kalimarkt hat die weißrussische Wirtschaft endgültig untergraben, wodurch das Land die von ihm gebrauchte ausländische Währung praktisch ganz einbüßte, sagt Wladimir Ossakowski, Chefökonom für Russland und die GUS-Länder der Bank of America Merrill Lynch:

„Das Land hat ein großes Zahlungsbilanzdefizit, einen starken Bedarf an Deviseneinnahmen, da diese zu klein sind. Kreditquellen und Finanzhilfen jeder Art werden dringend benötigt. Der Mangel an Währungsfinanzierung verursacht einen Abwertungsdruck auf den weißrussischen Rubel, er wurde bereits wesentlich abgeschwächt und weist vorläufig einen Trend zur weiteren Abschwächung auf.“

Der erste Teil der Anleihe von 450 Mio. Dollar soll Minsk aus dem russischen Staatshaushalt mit einem Jahreszins von vier Prozent beziehen. Der Rest der Anleihe wird aus anderen Quellen als dem russischen Staatshaushalt und dem Nationalen Wohlstandsfonds FNB gewährt werden. Aus dem Letzteren stammt die erste Tranche des 15-Milliarden-Kredits für die Ukraine. Dazu wurden an der Irish Stock Exchange zweijährige ukrainische Eurobonds für drei Milliarden Dollar ausgegeben, die Moskau erwarb. Die Mittel sind bereits auf den Konten der ukrainischen Nationalbank eingegangen. Diese Anleihe wurde von Russland mit einem Jahreszins von fünf Prozent zugesagt. Den Rest des russischen Gelds kann Kiew bereits Anfang 2014 bekommen. Der russische Kredit wird ausreichen, dass die Ukraine alle Schulden ihrer Nationalbank und des Finanzministeriums tilgen sowie die nationale Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren stabilisieren kann. Diese Anleihe hat Kiew vor dem Staatsbankrott gerettet. Das Geld wird für die Ausfüllung der Lücken im Staatshaushalt gebraucht, sagt der Chefökonom der Deutschen Bank in Russland, Jaroslaw Lissowolik:

„Die Mittel sollen vorwiegend im Sozialbereich verwendet werden. Höchstwahrscheinlich wird sich die Lage im öffentlichen Sektor hinsichtlich der Suche nach zusätzlichen Finanzierungsinstrumenten für die Sozialausgaben etwas lindern. Außerdem dürfte der Druck des Markts auf die ukrainische Wirtschaft etwas nachlassen.“

Die Ukraine hat das Jahr hindurch nach Finanzhilfen von außen gesucht. Die Wirtschaftskrise in Europa erlaubte es ihr nicht, bei Brüssel zu borgen, deshalb musste Kiew zwischen den Anleihen an den Finanzmärkten, beim IWF und bei Russland wählen. Der Marktpreis der Anleihe war für die Ukraine zu hoch, deshalb wurden die Finanzmärkte nicht in Betracht gezogen. Der IWF hat scharfe Kreditbedingungen auferlegt, etwa die Griwna um ein Anderthalb- bis Zweifaches abzuwerten. Russland stellte dagegen keine Anforderungen im Austausch gegen den Erwerb der ukrainischen Schuldverschreibungen, betont Denis Porywai, Rentenmarktanalyst der ZAO Raiffeisenbank:

„Russland hat souveräne Schuldverschreibungen gekauft. Das ist eine ungedeckte Verbindlichkeit. Das heißt, hier gibt es keine Anforderungen daran, was genau die Ukraine damit machen und wie sie ihre Wirtschaft gestalten soll. Russland hat einfach einen Kredit ohne Deckung in dieser Höhe gegeben, weiter nichts. Damit ist die Sache erledigt. Das heißt, Schuldverschreibungen sind ein flexibleres Instrument für das Land, das sie ausgibt.“

Dank der russischen Finanzhilfe haben die internationalen Analysten die Bonität der Ukraine von negativ auf stabil angehoben. Nikolai Iwtschenko, Leiter des Informations- und Analysezentrums der Unternehmensgruppe FOREX CLUB, führt Expertenschätzungen an:

„Der Durchschnittswert der Rendite betrug 10,8 Prozent, inzwischen sind es 9,38 Prozent. Jetzt zeugt der Zufluss der ausländischen Gelder in den Erwerb der ukrainischen staatlichen Inlandsanleihen, sowohl Hriwnja- als auch Währungsanleihen, davon, dass sie sich im Moment nicht übel lohnen. Während wir vor dem Abkommen mit Russland für die Ukraine eine Wachstumsrate im Jahre 2014 von 1,5 Prozent voraussagten, haben wir diese Prognose inzwischen nach oben, auf 2 bis 2,2 Prozent korrigiert.“

Obwohl die Kreditvergaben an Weißrussland und die Ukraine miteinander in keinem Zusammenhang stehen, kamen die Nachrichten davon mit einem zeitlichen Abstand von einer Woche. Ob das ein Zufall war oder nicht, aber mit diesen Krediten hat Russland seinen Nachbarn und Partnern eindeutig zur rechten Zeit unter die Arme gegriffen.

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