As-Suchna: Meinungsverschiedenheiten zwischen Syrien und Russland?

Foto: James Gordon CC BY 2.0 via Flickr
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[von Peter Mühlbauer] As-Suchna (übersetzt: „die Heiße“) ist eine syrische Kleinstadt, die in der Wüste zwischen Palmyra und dem Ölförderzentrum Deir ez-Zor liegt. Diese Provinzhauptstadt mit knapp 300.000 Einwohnern ist seit Jahren von der Terrororganisation IS eingeschlossen, wird aber zur Hälfte von Regierungstruppen kontrolliert, die man aus der Luft versorgt. Nun will sich die Regierung mit der Eroberung von As-Suchna einen Landversorgungsweg nach Deir ez-Zor bahnen und wieder an die Ölvorkommen kommen, die dort lagern. Al-Masdar nach hat die vom 5. Korps und der 18. Panzerdivision angeführte Armee das vom IS kontrolliere Beduinenzentrum von den umliegenden Bergen aus zusammen mit der örtlichen Miliz „Freiheitsfalken“ eingekesselt und beschießt es mit Artillerie und Raketen. Allerdings scheint die bereits am Donnerstag angekündigte Eroberung der Stadt noch nicht gelungen zu sein.

Während russische Medien über militärische Operationen der syrischen Armee und ihrer Verbündeten sonst eher in einem optimistischen Tonfall berichten, zitiert das Portal Sputniknews zur as-Suchna-Offensive überraschend Experten, die warnen, dass die Regierungstruppen den Dschihadisten zahlenmäßig im Verhältnis Eins zu drei unterlegen seien, weshalb ein „selbständiges Stürmen“ der Stadt „eine kaum lösbare Aufgabe“ wäre. Außerdem könne es zu „Störaktionen im Rücken der Regierungstruppen“ kommen, weil der IS seinen Kämpfern die „Diversionen“ lehre: „So graben sich kleine Grüppchen von drei, vier Mann in der Wüste ein und verüben dann Terroranschläge im rückwärtigen Armeegebiet.“

Was der Hintergrund solcher Warnungen ist, lässt sich derzeit schwer ausmachen. In jedem Fall deuten sie darauf hin, dass es entweder Meinungsverschiedenheiten zwischen der syrischen Armee und ihren russischen Militärhelfern gibt – oder dass man den IS glauben lassen will, es gäbe solche Meinungsverschiedenheiten, um ihn in eine Falle zu locken. So könnte man ihm beispielsweise suggerieren, die syrische Armee nähere sich Deir ez-Zor vom Südosten her, während sie in Wirklichkeit vielleicht vom Nordosten her vorstößt und dem Euphrat folgt.

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