Anschlag in Paris: Tiefe Bestürzung und grausame Erinnerungen

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Moskau – Russlands Bürger, als auch deren Politiker zeigen sich zutiefst bestürzt über die Vorfälle gestern Abend in Paris. Dschihadistisch orientierte, dem Islamischen Staat zuzuordnenden, Terroristen töteten in der französischen Hauptstadt 130 Menschen. Die Anteilnahme vor der französischen Botschaft in Moskau ist beispiellos.

Das Massaker geschah zur besten Sendezeit. Zum Zeitpunkt eines Fußballspiels Frankreich gegen Deutschland. Eine der Detonationen war sogar im Stadion zu hören. Fußball geriet ab dem Moment zur Nebensache. Es weckt bei den Russen schmerzliche Erinnerungen, aber auch Ängste, was als nächstes geschehen könne. Auch Russland war und könnte jederzeit wieder ein Ziel des islamischen Kreuzzugs werden.

Und plötzlich werden wieder Erinnerungen wach. An die Geiselnahme von Beslan in Nordossetien im Jahr 2004, die mit einer blutigen Tragödie mit 331 Toten beendet wurde. An den Sprengstoffanschlag 2011 auf den Moskauer Flughafen Domodjedowo bei dem 35 Menschen ihr Leben lassen mussten. An die insgesamt 91 Opfer der Selbstmordattentate in der vollbesetzten Moskauer Metro 2004 und 2010.

Schmerzliche Erinnerungen

28 Passagiere mussten 2009 auf der Fahrt mit dem Schnellzugs „Sapsan“ im Waldai, mitten auf der Strecke Moskau-St. Petersburg, ihr Leben lassen. 90 Passagiere wurden in zwei vom Moskauer Flughafen Domodedowo gestarteten Flugzeugen getötet. Auf einem Rockfestival in Moskau sprengten sich zwei tschetschenische Rebellinen in die Luft – 15 Tote. Und die Liste ist noch lang. Das Einführungsvermögen für Frankreich ist mehr als ehrlich.

Noch in der Nacht ließ Maria Zacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, über das russischen Fernsehen verkünden: „Wir sehen, was für schreckliche Fernsehbilder und Nachrichten aus Paris kommen. In diesen Minuten sind wir bei den Menschen in Paris. Wir drücken unser tiefstes Beileid aus. Und wir äußern Unterstützung für die Geiseln und ihre Angehörigen, die sich jetzt um sie sorgen. Wir sind bei ihnen. Denn ihr Schmerz ist unser Schmerz.“

Sein tiefstes Mitgefühl äußerte auch der russische Präsident Putin nach dem fürchterlichen Szenario in Paris. Kollektiv mit ihm etliche Moskauer, die bereits in den frühen Morgenstunden Blumen vor der dortigen französischen Botschaft ablegten. Sie alle wollen Frankreich wissen lassen: Ihr seid in diesen schweren Stunden nicht allein, wir, die Menschen in Russland, alle sind im Herzen bei euch!

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.