Anschläge auf die Metro [mit Video-Classic]

Die Geschichte der russischen Metro verzeichnet einige Anschläge. Der erste ernsthafte Zwischenfall in der bis dahin gut vierzigjährigen Moskauer Metrogeschichte war zugleich der erste „öffentlichkeitswirksame“ Terroranschlag in der Sowjetunion, die bis dahin Terrorismus in dieser Form noch nicht kannte. Am 8. Januar 1977 ereigneten sich in Moskau gleich drei Bombenexplosionen, davon eine am frühen Abend in einem vollbesetzten Metrozug zwischen den Stationen Ismailowskaja und Perwomaiskaja (Linie 3). Zwei weitere Bomben gingen in einem nahe gelegenen Lebensmittelladen bzw. in einer Mülltonne hoch. Insgesamt kamen sieben Menschen ums Leben und weitere 37 wurden zum Teil schwer verletzt. Als Tatverdächtige wurden drei Armenier festgenommen, die einer nationalistischen Gruppierung angehört haben sollen.

Der nächste Terroranschlag ereignete sich dann nach der Auflösung der Sowjetunion 1996 ebenfalls in Moskau: dort detonierte ein Sprengsatz unter einem Sitz, vier Menschen kamen ums Leben, der Waggon wurde dabei vollkommen zerstört. Die Namen dreier festgenommener Verdächtiger wurden nie bekanntgegeben.  Allerdings sollen sich Medien zufolge tschetschenische Extremisten zu dieser Tat bekannt haben.

2000 explodierte in einer Straßenunterführung am Puschkinplatz, die auch als Eingang zur Metro dient, eine mit Schrauben und Bolzen gefüllte Bombe. Sieben Menschen kamen ums Leben, weitere sechs starben später an den Folgen ihrer Verletzungen. 2005 wurde diese Attacke als Terroranschlag eingestuft, der von nordkaukasischen Terroristen verübt worden war.

Der vierte Terroranschlag erschütterte die Moskauer U-Bahn rund acht Jahre später: Am 6. Februar 2004 explodierte eine Bombe am frühen Morgen in einem überfüllten Zug. Hierbei handelte es sich aber zum ersten Mal um einen Selbstmordanschlag. 41 Menschen kamen ums Leben, mehr als ein 250 Menschen wurden verletzt. Später wurden mehrere Drahtzieher aus dem Nordkaukasus festgenommen.

2010 sprengten  sich zwei Selbstmordattentäterinnen in der Moskauer Metro in die Luft und rissen 40 Menschen mit in den Tod. Mehr als hundert weitere Passagiere wurden verletzt. Die erste Explosion ereignete sich um 07:56 Uhr Moskauer Zeit (3:56 Uhr UTC) in der Station Lubjanka, welche sich in unmittelbarer Nähe der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB befindet. Eine zweite Explosion ereignete sich um 08:38 Uhr Ortszeit in der Station Park Kultury.

Laut Ermittlern waren beide Attentäterinnen aus der Kaukasus-Republik Dagestan nach Moskau gekommen. Zwei Tage nach dem Anschlag erklärte der tschetschenische Guerillakämpfer und Terrorist Doku Umarow in einer über das Internet verbreiteten Videoaufnahme, dass er den Anschlag persönlich befohlen habe. Er kündigte weitere Anschläge an.Umarow bezeichnete die Anschläge als Vergeltungsakt für die Tötung von tschetschenischen und inguschetischen Zivilisten durch russische Sicherheitskräfte am 11. Februar 2010.