Zwei beschädigte Rechenzentren, gestörte Onlinedienste und Einschränkungen bei der Sprachassistentin Alisa: Die Angriffe auf Yandex zeigen, wie weit die Folgen eines einzelnen Infrastrukturausfalls reichen können. Wann die betroffenen Anlagen wieder vollständig arbeiten, ist offen. Der Krieg trifft eine technische Grundlage des russischen Alltags.
Nach Drohnenangriffen auf zwei Rechenzentren von Yandex arbeitet das Unternehmen an der Wiederherstellung seiner Infrastruktur. Die Auswirkungen reichen über die eigenen Angebote hinaus: Auch Unternehmen, die Dienste des Konzerns nutzen, meldeten Störungen.
In einer Erklärung vom 9. Oktober bestätigte Yandex schwere Schäden am Rechenzentrum in Sasowo in der Region Rjasan. Die Anlage wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober angegriffen und anschließend vollständig stillgelegt. Am Morgen des 9. Oktober folgte ein Angriff auf einen weiteren Standort in Kaluga, bei dem ein Teil der Infrastruktur ausfiel. Beschäftigte seien an beiden Standorten unverletzt geblieben.
Yandex bezeichnet seine Rechenzentren als „eisernes Herz“ des Unternehmens. Die Wiederherstellung sei schwierig; einen Zeitplan für die Inbetriebnahme der betroffenen Ausrüstung könne man bislang nicht nennen. Damit bleibt offen, wie lange die Einschränkungen anhalten.
Welche Folgen das für andere Unternehmen hat, zeigte sich bereits nach dem Angriff auf Sasowo. Das Immobilienportal Cian bestätigte Probleme mit seiner Webseite und seiner App. Der Anbieter Astral meldete Störungen bei elektronischen Meldungen, dem Dokumentenaustausch und Transportdokumenten. Beide gehören zu den von The Bell zusammengetragenen bestätigten Fällen.
Nach einem Bericht von Kommersant war im Moskauer Umland zudem zeitweise der Onlinekauf von Busfahrkarten nicht möglich. Auch bei Yandex Mail gab es Störungen, deren Behebung das Unternehmen im Laufe des 8. Oktober meldete. Die Wiederherstellung eines Dienstes bedeutet allerdings noch nicht, dass auch das beschädigte Rechenzentrum wieder arbeitet.
Inzwischen sind Einschränkungen bei der Sprachassistentin Alisa hinzugekommen. Nach einer von iXBT wiedergegebenen Unternehmensmitteilung können Antworten im Chat verzögert eintreffen und einzelne Funktionen vorübergehend fehlen. Auch bei den intelligenten Lautsprechern „Yandex Station“ und manchen Geräten des vernetzten Zuhauses sind Störungen möglich. Damit werden die Schäden an den Rechenzentren unmittelbar in privaten Haushalten spürbar.
Nicht jede zeitgleich gemeldete Störung lässt sich jedoch sicher den Angriffen zuordnen. The Bell berichtete auch über Probleme bei internen Systemen weiterer Unternehmen und Einrichtungen, deren Zusammenhang mit Sasowo nicht bestätigt war. Eine umfassende Liste aller betroffenen Dienste wäre deshalb derzeit mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Ebenso fehlen belastbare Angaben zum gesamten Sachschaden.
Der Vorfall macht sichtbar, wie viele unterschiedliche Angebote auf einer gemeinsamen technischen Grundlage beruhen. Für ihre Nutzer erscheinen Wohnungssuche, Geschäftsdokumente und Sprachassistent als voneinander unabhängige Dienste. Tatsächlich können sie von derselben Infrastruktur abhängen. Die Schäden an zwei Standorten werfen deshalb die Frage auf, wie gut sich Ausfälle auffangen lassen und welche Reserven für die verbleibenden Systeme bestehen. Eine belastbare Bewertung der Sicherungskonzepte erlauben die bisherigen Angaben noch nicht.
Rechenzentren waren zuvor bereits in der Ukraine angegriffen worden. Kommersant verweist auf russische Angriffe im September und die dazu vorgebrachten Angaben des russischen Verteidigungsministeriums über eine militärische Nutzung der Ziele. Eine konkrete Vergeltungsabsicht hinter den Angriffen auf Yandex ist damit nicht belegt. Das russische Ermittlungskomitee leitete wegen des Angriffs auf Sasowo ein Verfahren wegen eines Terroranschlags ein.
Für die betroffenen Nutzer und Unternehmen bleibt vorerst entscheidend, wann ihre Dienste wieder zuverlässig verfügbar sind. Der Wiederaufbau der beschädigten Anlagen dürfte zugleich zeigen, welche zusätzlichen Vorkehrungen nötig werden, um Russlands digitalen Alltag gegen weitere Ausfälle abzusichern.

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