American Hick-Hack

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[Von Michael Barth] – Obama schließt nichts aus, Clinton ist sich sicher, Trump lacht sich eins – Schuld ist: Natürlich Russland. Hacker-Angriffe haben dem US-Wahlkampf zusätzlich noch eine gewisse Würze verliehen. Mit einem Mal tauchten gehackte E-Mails der amerikanischen Demokraten im Netz auf, die die Präsidenten-Anwärterin Hillary Clinton gehörig unter Druck setzen.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte kurz vor Beginn des Parteitages in Philadelphia E-Mails, aus denen hervorging, dass der Parteivorstand von vornherein stark zugunsten der Präsidentschafts-Kandidatin befangen war. Ihrem ohnehin unterlegenen Rivalen Bernie Sanders brachen diese Veröffentlichungen, wenn man so will, endgültig das Genick. Gefolgt von seiner eh schon enttäuschten Anhängerschaft verließ daraufhin der chancenlose Sanders sang- und klanglos das US-Wahlkampfparkett.

Da waren es dann nur noch Zwei. Und die schoben sich natürlich die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Aber halt, eine letzte Hoffnung blieb ja noch. Was, wenn es nun „der Russe“ war? Die Fachwelt hüllt sich zwar vorerst noch in tiefes Schweigen, denn die weiß genauso viel wie Sie und wir, nämlich so gut wie Nichts, und wer was weiß, der sagt es nicht. Das FBI ermittelt zwar noch aber wie vorherzusehen, schießen derweil die Vermutungen und Verdächtigungen wie wild ins Kraut.

Möglich ist alles“

US-Präsident Barack Obama hält es immerhin für möglich, dass Russland aktiv versuche, die Wahlen in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Für ihn sei es gut möglich, dass Kremlchef Wladimir Putin den Republikaner Donald Trump der Demokratin Clinton vorziehe. „Ich glaube, dass Trump drüben in Russland eine ziemlich positive Berichterstattung erhalten hat.“, sagte der scheidende Präsident dem Sender NBC in einem Interview. Die Ermittlungen des FBI zu den knapp 20.000 veröffentlichten Mails ergaben bisher jedoch noch kein Motiv.

Eine Cybersicherheitsfirma, flugs von Clintons Wahlkampfteam eingeschaltet, war sich schnell sicher, dass russische Hacker hinter dem Leak stecken müssen. Für Hillary Clinton sei Trump nichts anderes als eine Marionette Moskaus und die Chemie stimme zwischen Clinton und Putin einfach nicht. Außerdem seien russische Hacker schon häufiger in staatliche und private Computernetzwerke in den USA eingedrungen. Deshalb machen auch unabhängige IT-Experten Russland für die Veröffentlichung, wenn schon nicht ganz, dann zumindest mitverantwortlich.

Einer dieser „Cyber-Experten“, der Vize-Präsident der „Fidelis Cybersecurity“ Michael Buratowski, erklärte der Agentur AP gegenüber warum er sich so sicher sei, dass Moskau hinter der Attacke stecke. Als erstes Indiz verweist er auf die russischen Internet-Adressen, zumal seiner Erkenntnis nach auch russische Tastaturen verwendet wurden. Untrüglich sei auch die Zeit, zu der die Cyber-Attacken erfolgte. Die Hacker hätten während der Arbeitszeiten in Russland agiert. Auch spreche die Professionalität, mit der der Angriff erfolgte für die heiße Spur nach Russland.

Sogenannte „Experten“

Jetzt sitzen zwar in der Redaktion von russland.RU keine Experten, dafür benutzen wir jedoch unseren gesunden Menschenverstand. Denn, wer unter seiner eigenen Internetadresse in derlei Gefilden hackt, ist entweder komplett bescheuert oder aber ein blutiger Amateur, dem aus versehen der große Wurf gelungen ist. Russische Tastaturen, beziehungsweise Keyboards, die mit kyrillischen Schriftzeichen versehen sind, dürften als Verdachtsgrund sehr dünnes Eis darstellen. Tja, und dann war da noch die vermeintlich untrügliche Zeit. Hat der sogenannte „Experte“ je bedacht, dass es in Russland 11 Zeitzonen gibt? Von welcher „russischen Arbeitszeit“ kann man da nun sprechen?

Zugegeben, die Cyber-Attacke passt derzeit in das allgemeine Russland-Bashing wie die Faust aufs Auge. Auch darf man nicht verleugnen, dass sich Russland in der Tat zu so etwas wie einer IT-Hochburg entwickelt hat. Auch muss man zugeben, dass sich Wladimir Putin und Donald Trump durchaus recht gut verstehen. Beide agieren hemdsärmelig und stehen zu ihrem Wort, dem sogenannten „Männerwort“, auf das Michail Gorbatschow hereingefallen war, als er seinerzeit um die NATO-Osterweiterung verhandelte. Trump gehe davon aus, dass es ihm gelingen werde, sich mit Putin zu verständigen. Er sieht die Anschuldigungen „sehr weit hergeholt“.

Assange hat noch was im Ärmel

US-Medien stellten bereits zweifelhafte Verbindungen zwischen dem Republikaner und dem Kreml her. Kurioserweise sind alle Namen, die dort auftauchen, zwar die von Geschäftsleuten die bereits mit Donald Trump zu tun hatten aber kein einziger dieser Namen tauchte jemals im Zusammenang mit dem Kreml auf. Und Donald Trump wäre nicht er selbst, würde er nicht auf seine, mitunter etwas eigene, Art zu den Vorwürfen äußern. Er bat Moskau postwendend, man möge doch die restlichen E-Mails auch noch veröffentlichen. Das allerdings hat ihm Julian Assange, der Sprecher der Plattform WikiLeaks, bereits vorweg genommen, indem er ankündigte, der Öffentlichkeit noch weitere Enthüllungen zu präsentieren.

Und was sagt nun der Kreml zu den Vorwürfen? Im Wahlkampf werde häufig die „russische Karte“ ausgespielt, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. „Moskau achtet sehr genau darauf, alle Wörter zu vermeiden, die als Eingriff in den Wahlvorgang in den USA interpretiert werden könnten“, so das Sprachrohr des Präsidenten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach noch deutlichere Worte. „Ich will keine Schimpfwörter gebrauchen“, sagte er zu den Anschuldigungen, Russland stehe hinter dem Hackerangriff auf die US-Demokraten und interpretierte sie als „unseriöse“ Verdächtigungen.

Im Wesentlichen bezeichnete man Kreml die Verwicklung Moskaus als einen weiteren Versuch, Russland in den US-Wahlkampf zu ziehen. Selbst in den Vereinigten Staaten würden die Teilnehmer des Wahlkampfes die Meldung dementieren. Aber, wie bereits angemerkt, das Geschehene fügt sich derzeit wie geschmiert in das Bild vom „bösen Russen“. Wir dürfen gespannt sein, was als nächstes kommt.

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.