Alle lügen

Jetabsturz-türk_KarteJetabsturz-türk_Karte
image_pdfimage_print

Anhand von vorliegendem Material (Video und Karten) haben zwei Mathematikprofessoren der Universität Leuven in den Niederlanden (KU Leuven) untersucht, ob die Aussagen der beiden Parteien Türkei und Russland zum Abschuss der russischen Su-24 stimmen können.

Das Fliegen eines Flugzeuges, dessen Abschuss und der darauf folgende Absturz unterliegen physikalischen Gesetzen. Diese haben die Professoren angewendet, um herauszufinden, was Lüge und was Wahrheit ist.

Das Ergebnis war eigentlich nicht überraschend: Beide lügen!

Der abgestürzte Jet wurde am Dienstag von türkischen Abfangjägern abgeschossen, weil er den türkischen Luftraum nach mehreren Warnungen verletzt habe.

Die türkische Seite sagt, dass ihr Militär den Jet 10 Mal innerhalb 5 Minuten gewarnt hat. Nachdem der Jet nicht reagierte, hat der türkische Präsident persönlich den Befehl zum Abschuss gegeben.

Beide Jets waren 17 Sekunden lang in türkischem Luftraum.

Russland sagt, der Jet sei über syrischem Gebiet abgeschossen worden und habe niemals den türkischen Luftraum verletzt.

Im Video ist zu sehen, dass der Jet getroffen wird, taumelt und zu Boden geht. Der Absturz dauerte 30 Sekunden.

Da der Absturz, d.h. die senkrechte Bewegung des Jets (wie bei jedem Gegenstand) nur von der Schwerkraft abhängig ist (g = 9,81 m / s², z = gt² / 2), kann man die Höhe berechnen, in der der Jet flog, als er abgeschossen wurde. Nach dieser Berechnung flog der Jet in einer Höhe von mindestens 4.500 Metern.

Dies stimmt, mit den Angaben der türkischen Seite überein, die von einer Flughöhe von 5.800 Metern spricht.

Auf der von der Türkei veröffentlichten Karte kann man sehen, dass der Jet 8 km von der Stelle, wo er von der Rakete getroffen wurde, am Boden aufschlug.

Da man durch das Video die Zeit weiß, die der Jet für diese 8 km brauchte, kann man die Geschwindigkeit, mit der er flog, berechnen. Er muss zur Zeit des Abschusses eine Geschwindigkeit von 980 km/h gehabt haben, eine normale Geschwindigkeit für einen Jet in dieser Höhe.

Die Strecke, die der Jet gemäß der türkischen Karte über türkischem Hoheitsgebiet flog, beträgt 2 km.

Bei 980 km/h brauchte der Jet dazu 7 Sekunden.

Die Angabe der Türkei, dass sich der Jet 17 Sekunden in türkischem Hoheitsgebiet befand, ist falsch, wie sich aus der Berechnung der Geschwindigkeit und der – nach türkischer Karte – zurückgelegten Strecke ergibt.

Wenn die türkischen 17 Sekunden stimmen würden, dürfte der Jet nur mit einer Geschwindigkeit von 420 km/h geflogen sein, was aber gemäß den Berechnungen nicht stimmt und auch nicht der üblichen Geschwindigkeit eines Jets entspricht. Im Übrigen liegt diese Geschwindigkeit knapp vor der, bei der ein Jet fluguntauglich wird – also von allein vom Himmel fällt.

Die türkische Luftwaffe sagt, sie hätten den Jet 10 Mal in 5 Minuten gewarnt.

Bei einer Geschwindigkeit von 980 km/h legt ein Jet in 5 Minuten 80 km zurück. Da der russische Jet laut türkischer Karte aber nur 2 km über türkischem Hoheitsgebiet (ein nach Syrien hineinreichender Zipfel) flog, muss er die übrige Zeit über syrischem Gebiet geflogen sein, was die türkische Karte auch zeigt. Die türkischen Abfangjäger natürlich auch.

Wie konnten die türkischen Abfangjäger – unberechtigt über Syrien fliegend – aber 80 km vor der türkischen Grenze ahnen, wohin der russische Jet fliegen wird und dass er die Grenze verletzen wird?  Militärische Jets sind sehr wendige Flugzeuge, der russische hätte noch mehrere Male bis zur Grenze die Richtung ändern können und er befand sich zu Recht über syrischem Gebiet. Die Warnungen wären also extrem spekulativ gewesen.

Und wenn behauptet würde, die Warnungen seien ausgesprochen worden, als der Russische Jet über türkischem Hoheitsgebiet flog, so ist auch das sehr unwahrscheinlich, denn in 7 Sekunden kann man keine 10 Warnungen aussprechen.

Die russische Karte mit der Flugroute des Jets zeigt, dass der Jet den türkischen Hoheitszipfel umfliegt und dass er, als er getroffen wird, seine Flugroute um 90 Grad ändert und dann die verbleibenden Sekunden weiterfliegt bis er senkrecht zu Boden geht.

Gemäß physikalischen Gesetzen muss eine Kraft (Masse, Gewicht) um ein Vielfaches größer sein, als die Kraft (Masse, Gewicht), auf die sie einwirkt (die Kraft müsste praktisch im Vergleich zur einwirkenden Kraft gegen null gehen), um eine solche Richtungsänderung zu bewirken. Und die Masse einer Rakete ist sehr gering, ihre Explosivität ist der Sinn und das Gefährliche.
Außerdem wurde der Jet von hinten getroffen, was keine Richtungsänderung bewirken würde.
Der russische Jet hätte also von einem Riesen-Jumbojet unbekannten Ausmaßes seitlich getroffen werden müssen, um seine Richtung abrupt um 90 Grad zu ändern.

Das zeigt, dass die russische Karte falsch ist. Die Eingezeichnete Umgehung des türkischen Luftraums kann nicht stimmen. Richtig ist die Verlängerung der Flugroute, die sich nach dem Treffer ergeben hat, nach hinten und diese führt über türkisches Hoheitsgebiet, wie es die türkische Karte zeigt.
Mit Material der Professoren für Mathematik an der Universität KU Leuven Tom Van Doorseelaere und Giovanni LaPenta

(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)