Airbus-Absturz im Sinai: Amerikanische Experten gehen von Explosion an Bord aus

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Die wahrscheinlichste Ursache für den Absturz des russischen Airbus-321 ist nach Meinung der US-amerikanischen Analyse-Agentur Stratfor die Detonation von Sprengstoff an Bord. „Alternative Szenarien“ könnten ausgeschlossen werden, heißt es in einem von RIA Novosti zitierten Bericht der Agentur.

Ein Angriff von Terroristen sei sehr unwahrscheinlich, weil die Maschine erstens in einer Höhe flog, die von in diesem Gebiet eingesetzten Raketen nicht erreicht werden kann, und die Daten auf den Flugschreibern zweitens davon zeugen, dass der Jet nicht von einem äußeren, von der Erde abgeschossenen Objekt getroffen wurde.

Der Chef des Nationalen Geheimdienstes der USA, James R. Clapper, erklärte am Montag, seine Behörde habe „momentan keine Hinweise auf einen Terroranschlag“. Er halte es aber für möglich, dass die Terrormiliz IS über Waffen verfüge, die ein Flugzeug in großen Höhen treffen könnten.

Bericht über Flugschreiber-Daten in ein bis vier Wochen

Nach Angaben der ägyptischen Regierung könnte es bis zu vier Wochen dauern, bis der Bericht über die Auswertung der Flugschreiber fertig ist. „Der Minister für die Zivilluftfahrt hat erklärt, die Black Boxes seien in einem guten Zustand, deshalb sollte der Bericht in kurzer Zeit vorliegen – in ein bis vier Wochen“, sagte ein Regierungssprecher im ägyptischen Fernsehen.

Die für die Auswertung eingesetzte Untersuchungskommission besteht aus Fachleuten aus Ägypten, Russland, Frankreich, Deutschland und Irland sowie Vertretern der betroffenen Fluggesellschaft.

Schwierige Bergungsbedingungen

Am frühen Dienstagmorgen ist eine zweite Maschine des russischen Katastrophenschutzes in Petersburg gelandet. Sie hatte hauptsächlich persönliche Gegenstände der Toten an Bord, die an der Absturzstelle aufgefunden wurden. Unter anderem hatten die Bergungsleute 111 Reisepässe geborgen, darunter die der ukrainischen Bürger.

Die Bergung verläuft unter schwierigen Bedingungen. Ein Beteiligter erklärte gegenüber TASS, das Gelände weise Höhenunterschiede von bis zu 120 Metern auf, es sei tagsüber sehr heiß, und das Territorium, das abgesucht werden müsse, sei sehr groß. Die russischen Rettungsleute werden von ägyptischen und französischen Kollegen unterstützt.

Erste Leichen identifiziert

In St. Petersburg sind derweil die ersten vier Leichen identifiziert worden. Laut Julia Schoigu, der Leiterin des Zentrums für psychologische Hilfe beim russischen Katastrophenschutz, sind 23 Gerichtsmediziner und rund 40 Psychologen im Einsatz. Man versuche, die Arbeit tagsüber zu verrichten, um die Angehörigen der Verunglückten nicht noch stärker zu belasten, so Schoigu.

Die Stadt Petersburg wird den Angehörigen der Opfer jeweils eine Million Rubel (ca. 14.200 Euro) Entschädigung zahlen – unabhängig von Wohnort und Staatsbürgerschaft.

[sb/russland.RU]