Ärzte ohne Grenzen – Einsatz im Donbass

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Sie sind so gut wie pausenlos im Einsatz, die Mediziner der unabhängigen Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Ihre Einsatzorte sind seit 1971 ausnahmslos die Krisenregionen weltweit , in denen eine geregelte medizinische Versorgung weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Auch in der blutig umkämpften Ostukraine stehen sie an vorderster humanitären Front.

Überwiegend verrichten sie ihre Arbeit unbeachtet von der Öffentlichkeit. Erst wenn wieder einmal ein Krankenhaus oder eine Versorgungsstation einem bewaffneten Konflikts zum Opfer gefallen ist, wird wahrgenommen, dass es der Arbeitsplatz von selbstlosen Menschen war, die dort ihren Dienst verrichten, wo andere versuchen zu flüchten. Dort wo andere die Waffen sprechen lassen, flicken die Ärzte ohne Grenzen das wieder zusammen, was von den Menschen noch übriggeblieben ist. Behelfsmäßig und mit den einfachsten Mitteln.

In der Osten der Ukraine betreut die Organisation inzwischen weit mehr als 1.000 Menschen, die auf Hilfe von Außen angewiesen sind. Die meisten von ihnen Senioren. Während die jungen Leute überwiegend aus der Krisenregion in Richtung der großen Städte, die nicht von den Kampfhandlungen betroffen sind, abgewanderten, haben die Alten ihre Heimatorte nicht mehr verlassen können oder wollen. Zudem sind in der gesamten Region nahe der Frontlinie zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen die meisten Gesundheitseinrichtungen zerstört worden.

Vorwiegend psychologische Betreuung

Vereinbarte Waffenruhen werden gebrochen, kaum dass sie verhandelt wurden. So gibt es regelmäßig Probleme mit dem Nachschub an dringend benötigten Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln. Von den Städten Bachmut und Mariupol aus versorgen die Mitarbeiter der Organisation nach eigenen Angaben rund 40 Dörfer, teils über mobile Kliniken. Die stationäre Behandlung erfolgt in öffentlichen Gebäuden sowie in Privathäusern, die von der ansässigen Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurden.

Laut der Psychologin Viktoria Brus stünde nicht einmal die akute Wundversorgung im Vordergrund der medizinischen Arbeit, als vielmehr massive seelische Belastungen, die der Bürgerkrieg an Spuren hinterlassen hat. Ängste, Depressionen und posttraumatische Belastungssymbole „Die Senioren, die zu uns kommen, haben oft mit Ängsten und dem Gefühl zu kämpfen, dass der Konflikt sie um den Verstand bringt“, weiß die Psychologin. Aus diesem Grund bietet Ärzte ohne Grenzen neben der medizinischen Hilfe auch gezielt psychologische Unterstützung in Einzel- und Gruppensitzungen an. Dies helfe den Betroffenen einfache Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um ihre Alltagsbelastungen besser zu verarbeiten.

Etwa 12.000 psychologische Beratungen wurden durch die Institution im Jahr 2015 geleistet. Darüber hinaus konnten 350 Gesundheitseinrichtungen auf beiden Seiten der Frontlinie mit dem Notwendigsten und fast 10.000 Verletzte und 61.000 chronisch Kranke versorgt werden. Auch an der dringend benötigten Infrastruktur wurde gearbeitet, indem an zentralen Punkten Erste-Hilfe- und Wasser-Stationen eingerichtet wurden. Allerdings sei seit Oktober 2015 diese umfangreiche Hilfe nur noch in den von der Regierung kontrollierten Gebieten möglich. Eine Erklärung warum das so ist, blieb die Organisation jedoch bisher noch schuldig.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.