Ärger bei den Rechten: RT Anti-deutsch?

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Seit dem Start des auf hipp getrimmten russischen Staats-TV-Ablegers „RT deutsch“ in Deutschland gab es eigentlich eine recht stabile Zusammenarbeit zwischen deutschen Rechtspopulisten und staatsrussischen Redakteuren, die russland.RU desöfteren aus russischer Sicht kritisiert hat. Doch nachdem letztere wagten Pegida zu kritisieren, hängt der Haussegen mit dem bisherigen Bündnispartner schief.

Rechtsstratege Elsässer will RT-Massenentlassung

So hat gestern der bekannte Querfront-Stratege und AfD-Sympathisant Jürgen Elsässer nun gar in seinem Blog von der russischen Regierung eine Entlassung der gesamten RTdeutsch-Redaktion gefordert. Gerade er wurde immer als Sprachrohr der prorussisch-deutschen Rechten gesehen (Die Zeit: „Kremlpropagandist“). Anlass ist vor allem eine kritische Wortmeldung von RTdeutsch zur Pegida-Bewegung und ihrer Geistesverwandschaft zu Rechtspopulisten wie dem norwegischen Massenmörder Breivik. Das hat vielen rechten Postern auf der RTdeutsch-Homepage schon nicht gefallen. Und davon gibt es eine Menge, die man sich ja auch entsprechend mit passender Berichterstattung wie Live-Übertragungen zahlreicher Pegida-Demos herangezüchtet hat. Das will Elsässer, selbst Pegida-Förderer, nicht auf der „Bewegung“ sitzen lassen. Berichterstattung über Rechte ist zwar gewünscht und bei RTdeutsch fand sie in der täglichen Sendung „Der fehlende Part“ wesentlich breiter statt als anderswo, aber kritische Töne über geistige Hintergründe, das möchte man nicht und mehr noch, müssen nach so etwas Köpfe rollen – am besten gleich die der gesamten frevlerischen Redaktion.

„Linksradikale“ Propaganda im russischen Staatsauftrag?

Auch ein Hinweis von RTdeutsch auf berufliche Verflechtungen von Pegida-Chef Lutz Bachmann zum Springer-Verlag fand nicht die Gnade des Rechtsaußen-Strategen und als Gipfel seiner Beschimpfungen bezichtigte er tatsächlich den russischen Staatskanal der „linksradikalen Antifapropaganda“. Wer Staatsfernsehen in Russland kennt weiß, wie weit rechts man stehen muss, dessen Autoren so zu sehen, deren deutschsprachige Vertreter nicht so untypisch sind. Elsässer kennt es nicht, denn er grenzt ausdrücklich die RT deutsch-Redaktion von ihren Auftraggebern im Kreml ab, an die er demonstrativ appeliert, für eine „deutschfreundlichere“ (sein Synonym für rechtsnationale) Berichterstattung zu sorgen. Auftritte des von ihm so geliebten Wladimir Putin auf antifaschistischen Events scheinen ihm völlig fremd zu sein.

Richtungs- oder Nationalitätenbruch?

Was soll man davon halten? Findet der Bruch zwischen wirtschaftskonservativen und offen nationalen Rechten nun auch online statt? Ein möglicher Erklärungsversuch wäre das, denn man kann ohne Probleme Russlands Staatenlenker eher auf der gemäßgt rechten Lucke-Linie und Elsässer mehr bei den harten Nationalen verorten. Oder geschieht hier ein Bruch, der früher oder später sowieso kommen musste? Denn wer betont national denkt, ist maximal noch einig mit anderen aus der gleichen Nation. Internationale Zusammenarbeit zwischen Nationalisten klingt nicht nur vom Wortsinn komisch, sondern hier prallen stets Extremverehrer unterschiedlicher Nationalidentitäten aufeinander. Von den unterschiedlichen Vorstellungen von Gebietsansprüchen (ist Ostpreußen nun jetzt richtigerweise deutsch oder russisch?) einmal ganz zu schweigen.

Allmählicher Kurswechsel bei RTdeutsch?

Oder fährt RTdeutsch allgemein nun eine Linie weiter weg vom rechten Rand? Immerhin hat man in den letzten Monaten umfangreich von linken Demos (wie dem G7-Protest) gelesen oder dem „Frisieren“ der Zahl linker Straftäter durch das BKA. Oder ist es einfach so, dass man halt mit jedem kann, der irgendwie was gegen den deutschen Mainstream und die GroKo hat? Dem Ansehen Russlands im deutschsprachigen Raum würde es jedenfalls generell gut tun, wenn die deutsche Studiotür der russischen Staatsmedien rechten Theoretikern nicht mehr ganz so weit offen stehen würde und der „fehlende Part“ wirklich die fehlenden Parts der deutschen Politiklandschaft umfassen würde, aber eben von deutschen Faschisten abgesehen, die mit Russland noch nie gutes im Sinn hatten.

Roland Bathon, russland.RU

 

 

Über den Autor

Roland Bathon
Geboren 1970 in Franken und dort seitdem wohnhaft, aber regelmäßig in Russland und mit familiären Banden dorthin. Zum Thema Russland bin ich ursprünglich über meine allgemeine Osteuropa- und Reiseleidenschaft in den 90er Jahren gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten das Land ausgiebig individual kennengelernt. Später habe ich auch mehrere Bücher über Russlandreisen und andere Russlandthemen mit verfasst, bis es mich Mitte des letzten Jahrzehnts mehr und mehr in die Richtung Film, vor allem den Schnitt verschlagen hat. Bei russland.RU seit 2007 zuständig zunächst für den Aufbau und bis heute die inhaltliche Schwerpunktsetzung von russland.TV. Bei Eigenproduktionen meist zuständig für den Schnitt und eine Art Schaltzentrale für viele wichtige Mitarbeiter und Kontakte.