Abhängigkeit vom Dollar wird reduziert

Russland wird als Konsequenz auf die andauernde Sanktionspolitik die Importsubstitution verstärken und die Abhängigkeit des Landes vom Zahlungssystem US-Dollar verringern, erklärte der russische stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow in einem Interview mit der Zeitschrift »Meschdunarodnaja Schisn« (Internationales Leben) am Montag.

Das seien ökonomisch gesehen die positiven Aspekte der fortwährenden Sanktionen, an die sich Russland inzwischen gewöhnt habe.

„Wir haben uns an Sanktionen gewöhnt, denn seit 2014 gab es fast 30 Wellen an US-Sanktionen, fast 400 russische Unternehmen und rund 200 Personen wurden aufgelistet“, betonte er. „Das neue Sanktionsgesetz beschränkt den ausländischen Kauf von russischen Wertpapieren und Investitionen in russische Projekte sowie den Zugang Russlands zu unkonventionellen Kohlenwasserstoff-Extraktionstechnologien. Der politische Aspekt dieser Angelegenheit ist in vielerlei Hinsicht unverschämt, aber es gibt auch einige andere Aspekte, die die Situation weiter überschatten. Dennoch glaubt Moskau, dass es immer noch möglich ist, auch in dieser Situation weiterzuarbeiten“, so Rjabkow.

Er ist der Auffassung, dass das niedrige Handelsniveau zwischen Russland und den USA letzteren die Sanktionspolitik gegen Moskau erleichtert habe, denn für US-amerikanische Firmen habe es wenige Konsequenzen gegeben. Für sie seien keine Konsequenzen spürbar. Es sei mehr ein Spiel mit der Angst.

Das neue Sanktionsgesetz ziele zumindest darauf ab, die Geschäftswelt zu erschrecken, „wenn nicht gar die Welt zur Geisel zu nehmen“.

Dadurch, dass das US-Finanzministerium besondere Befugnis habe, neue Sanktionen zu verhängen, „erwarten [sie], dass ausländische Geschäftsleute Angst haben, ihre Entscheidungen zu treffen.“

„Wir durchschauen dieses Spiel „, betonte Rjabkow. [Deshalb] „ist es wichtig für uns, funktionale ökonomische Mechanismen zu schaffen, um unsere Abhängigkeit vom US-Geld- und Finanzsystem und zum Dollar zu reduzieren“.

„Ich bin kein Ökonom, ich vertrete keine Firmen und ich weiß nicht, wie viel Geld [Dollar] unsere Banken haben, aber als Außenminister fühle ich es. Andernfalls werden wir für immer gefesselt bleiben“, so der russische stellvertretende Außenminister.

[hmw/russland.News]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.