In Russland haben sich die Wartezeiten auf geplante Krankenhausaufnahmen und Facharzttermine nach einer Auswertung der Agentur für strategische Initiativen deutlich verkürzt. Für Patienten wäre das eine spürbare Verbesserung. Allerdings bestehen erhebliche regionale Unterschiede – und der Vergleich mit dem Pandemiejahr 2021 verlangt eine vorsichtige Einordnung.
Wer in Russland eine geplante stationäre Behandlung benötigt, kommt nach Angaben der Agentur für strategische Initiativen (ASI) inzwischen deutlich schneller zum Zug als vier Jahre zuvor. Die durchschnittliche Wartezeit sank zwischen 2021 und 2025 von 15,5 auf 8,8 Tage. Das entspricht einem Rückgang um 43,2 Prozent. Auf einen Facharzttermin warteten Patienten der Auswertung zufolge durchschnittlich acht Tage, 26,6 Prozent weniger als zu Beginn des Vergleichszeitraums.
Die von Kommersant aufgegriffenen Ergebnisse stammen aus einer Analyse auf Grundlage des Nationalen Rankings zur Lebensqualität. Dieses erstellt die ASI jährlich im Auftrag des russischen Präsidenten. In das Ranking fließen Bürgerbefragungen, statistische Daten und geografische Analysen ein.
Fortschritte bei geplanten Krankenhausaufnahmen
Neben der durchschnittlichen Wartezeit verringerte sich bei stationären Behandlungen auch der Abstand zwischen den regionalen Extremwerten. Die Spanne sank von 65,7 auf 24,3 Tage, also um rund 63 Prozent. Zuletzt lagen die regionalen Durchschnittswerte zwischen 2,8 und 27,1 Tagen.
Die Unterschiede zwischen den medizinischen Fachrichtungen bleiben jedoch beträchtlich. Für eine Aufnahme in eine internistische Abteilung nennt der Bericht durchschnittlich 5,1 Tage. Bei onkologischen Abteilungen sind es 13,7 Tage, bei augenärztlichen 13,5 Tage. Gemeint sind geplante Aufnahmen; über die Versorgung akuter Notfälle sagen diese Werte nichts aus.
Auch die kleinere regionale Spannweite ist zunächst ein erfreulicher Befund. Sie beschreibt allerdings nur den Abstand zwischen dem niedrigsten und höchsten Wert. Wie sich die Wartezeiten in den übrigen Regionen entwickelt haben und wie viele Patienten jeweils betroffen sind, lässt sich daraus allein nicht ablesen.
Facharztversorgung bleibt ungleich verteilt
Bei ambulanten Facharztterminen ergibt sich ein gemischtes Bild. Der landesweite Durchschnitt verbesserte sich, während der Abstand zwischen den regionalen Extremwerten um 5,5 Prozent zunahm. Je nach Region beträgt die durchschnittliche Wartezeit zwischen 2,1 und 19,3 Tagen.
Vergleichsweise schnell erhalten Patienten Termine in der Chirurgie und Gynäkologie. Länger dauert es in der Kardiologie, Neurologie und insbesondere Endokrinologie. Die Autoren führen diese Unterschiede auf Engpässe bei einzelnen Fachrichtungen sowie auf die Organisation der Versorgung zurück. Als mögliche Gegenmaßnahmen nennen sie eine gezieltere ärztliche Ausbildung, telemedizinische Konsultationen und die Übernahme bestimmter Betreuungsaufgaben durch Allgemeinmediziner.
Auch bei Untersuchungen hängt die Wartezeit stark vom Verfahren ab. Während Laborproben und Röntgenuntersuchungen im Durchschnitt nach etwa drei Tagen möglich sind, werden für eine Computertomographie acht Tage und für eine MRT-Untersuchung 15,5 Tage genannt. Als Ursachen führt die ASI Unterschiede bei der Geräteausstattung und beim verfügbaren Fachpersonal an.
Was der Vergleich noch offenlässt
Die Zahlen sprechen für Verbesserungen beim zeitlichen Zugang zu bestimmten Leistungen. Wie weit daraus auf die Entwicklung des gesamten Gesundheitssystems geschlossen werden kann, bleibt jedoch offen.
Eine wesentliche Frage betrifft das Ausgangsjahr. Der Vergleich beginnt 2021 und damit mitten in der Corona-Pandemie. Für die Bewertung wäre wichtig zu wissen, in welchem Umfang die damaligen Wartezeiten durch pandemiebedingte Einschränkungen beeinflusst wurden. Ein Teil der Verkürzung könnte auf die anschließende Normalisierung zurückgehen. Für Patienten wäre auch das ein Gewinn; als Beleg für einen dauerhaften Ausbau der Versorgung wäre es anders zu bewerten.
Hinzu kommen methodische Fragen. Die öffentlich zugängliche ASI-Mitteilung erläutert nicht, ab welchem Zeitpunkt die Wartezeit gemessen wird, wie erfolglose Terminanfragen berücksichtigt werden und wie die regionalen Werte gewichtet sind. Ebenso bleibt dort offen, welche Wartezeitangaben aus Befragungen und welche aus Verwaltungsdaten stammen.
Rettungsdienst als eigener Problembereich
Besonders große Unterschiede weist der Bericht beim Rettungsdienst aus. Die durchschnittliche Wartezeit bis zum Eintreffen eines Rettungswagens wird mit 52,3 Minuten angegeben. Die regionalen Mittelwerte reichen von 17,5 bis 191,9 Minuten – am oberen Ende also mehr als drei Stunden.
Für eine belastbare Bewertung müsste zwischen Einsatzarten und Dringlichkeitsstufen unterschieden werden. Diese Aufschlüsselung enthält die vorliegende Meldung nicht. Die ASI verweist auf abgelegene Ortschaften und den Zustand der Straßen. Sie empfiehlt zusätzliche Rettungsstützpunkte und einen Ausbau der Luftrettung.
Die Untersuchung liefert damit eine begrenzt positive Bilanz: Bei geplanten Klinikaufnahmen und Facharztterminen meldet sie kürzere durchschnittliche Wartezeiten. Gleichzeitig dokumentiert sie fortbestehende Unterschiede beim Zugang zur Versorgung. Für Patienten zählt, ob die gemeldeten Fortschritte auch vor Ort ankommen – und ob aus einem schnelleren Termin schließlich eine rechtzeitige, wirksame Behandlung wird.

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