Peskow übersetzt Trump zum Mond

Peskow übersetzt Trump zum Mond

Donald Trump hat den Mond für die Vereinigten Staaten reklamiert. Dmitri Peskow widerspricht – und erklärt anschließend, der amerikanische Präsident habe es vermutlich gar nicht so gemeint. Der Kremlsprecher betätigt sich damit als Dolmetscher einer Sprache, die offenbar nicht einmal ihr Urheber verbindlich beherrschen muss.

„Der Mond gehört uns“, stand auf einem Bild des Erdtrabanten, das Trump in seinem Netzwerk Truth Social veröffentlichte. Eine amerikanische Flagge setzte den Schlusspunkt. Knapp, eindeutig und vermutlich absichtlich irgendwo zwischen Scherz, Drohung und Regierungsprogramm angesiedelt.

Der Kreml musste darauf antworten. Russland lehne die Aneignung von Objekten im Weltraum durch einzelne Staaten ab, erklärte Peskow bei einer Pressekonferenz für indische Medien. Der Weltraum solle frei bleiben und ein Gebiet internationaler Zusammenarbeit sein.

So weit, so vernünftig. Der Weltraumvertrag von 1967, zu dessen ursprünglichen Vertragsmächten die USA und die Sowjetunion gehören, lässt in diesem Punkt wenig Spielraum. Der Mond und andere Himmelskörper dürfen weder durch eine Souveränitätserklärung noch durch Nutzung, Besetzung oder auf andere Weise national angeeignet werden. Die amerikanische Flagge, die seit 1969 auf dem Mond steht, ist ein Symbol – kein Grundbucheintrag.

Peskow sprach allerdings von einer „Privatisierung“ des Weltraums. Das ist nicht ganz dasselbe. Trump hatte den Mond nicht Elon Musk, einer Immobiliengesellschaft oder sich selbst als Privatmann zugesprochen, sondern den Vereinigten Staaten. Es ging zumindest dem Wortlaut nach um einen staatlichen Besitzanspruch, nicht um Privateigentum.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil über die kommerzielle Nutzung von Rohstoffen im All tatsächlich gestritten wird. Die USA vertreten ebenso wie einige andere Staaten die Auffassung, Unternehmen dürften gefördertes Mondgestein oder andere Weltraumressourcen besitzen, ohne deshalb den Himmelskörper selbst in Besitz zu nehmen. Kritiker sehen darin eine Umgehung des Aneignungsverbots. Aber selbst diese Debatte beginnt erst eine Etage unterhalb von Trumps Behauptung, der ganze Mond gehöre Amerika.

Nachdem Peskow den amerikanischen Präsidenten juristisch zurechtgewiesen hatte, nahm er ihn sogleich politisch in Schutz. Trump habe vermutlich lediglich sagen wollen, dass amerikanische Astronauten hoffentlich bald wieder den Mond betreten würden. Das wäre, so Peskow, nicht nur ein Erfolg für die USA, sondern für die gesamte Menschheit. Russland könne dies nur begrüßen.

Damit war aus „Der Mond gehört uns“ binnen weniger Sätze geworden: „Wir würden gern wieder jemanden hinschicken.“ Eine territoriale Geste verwandelte sich in ein freundliches Raumfahrtprogramm. Wo andere einen Anspruch hörten, entdeckte Peskow eine Vorfreude.

Das ist mehr als eine sprachliche Gefälligkeit. Der Kreml möchte den Gesprächsfaden zu Trump derzeit offenkundig nicht wegen jeder Provokation belasten. Also behandelt Peskow dessen öffentliche Äußerung nicht als das, was dort steht, sondern als das, was ein vernünftiger amerikanischer Präsident möglicherweise hätte sagen wollen. Er übersetzt nicht aus dem Englischen ins Russische, sondern aus dem Trumpesischen ins diplomatisch Zumutbare.

Dabei haben beide Staaten ganz irdische Interessen auf dem Mond. Trump ordnete Ende 2025 an, bis 2028 wieder amerikanische Astronauten dorthin zu bringen und ab 2030 mit dem Aufbau einer dauerhaften Basis zu beginnen. Roskosmos plant seinerseits gemeinsam mit China eine Mondstation und sprach von einem Kraftwerk, das in den 2030er Jahren entstehen könnte. Hinter den possierlichen Besitzgesten beginnt daher ein realer Wettlauf um Standorte, Ressourcen und technische Standards.

Niemand muss dafür den gesamten Mond annektieren. Es genügt, zuerst an den wenigen besonders geeigneten Stellen zu sein, Infrastruktur aufzubauen und Sicherheitszonen zu verlangen, denen andere fernbleiben sollen. Aus einer formell verbotenen Aneignung kann so eine praktische Vorrangstellung werden. Die entscheidende Frage lautet künftig womöglich nicht, wem der Mond gehört, sondern wer bestimmt, was dort geschehen darf.

Trumps Bild ist deshalb zugleich albern und aufschlussreich. Es formuliert grob, was die neue Raumfahrtpolitik zunehmend prägt: Wer zuerst landet, baut und fördert, schafft Tatsachen. Peskows Antwort ist ebenso aufschlussreich. Russland beruft sich auf internationale Zusammenarbeit, möchte aber die Aussicht auf Kooperation mit Washington nicht durch einen Streit über Trumps Worte beschädigen.

So blieb am Ende niemand wirklich beim Gesagten. Trump erklärte den Mond zu amerikanischem Eigentum. Peskow erklärte, Trump habe das wahrscheinlich nicht erklärt. Und der Mond zog weiter seine Bahn – vorläufig noch ohne Eigentümer, aber bereits mit mehreren Interessenten.

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