Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat einen „kriminologischen Steckbrief“ des durchschnittlichen Korruptionstäters veröffentlicht. Demnach handelt es sich dabei in Russland meist um einen Mann im Alter zwischen 30 und 49 Jahren, mit Hochschulabschluss, Familie und ohne frühere Vorstrafen. Die Delikte werden in der Regel am Wohnort begangen.
Nach Angaben der Behörde wurden zwischen 2018 und 2025 mehr als 140.000 Personen wegen Korruptionsdelikten erfasst, davon über 20.000 allein im Jahr 2025. Besonders auffällig ist der wachsende Anteil klassischer Bestechungsdelikte: Der Anteil von Bestechenden, Bestechungsempfängern und Mittlern stieg in diesem Zeitraum von 48,4 auf 67,4 Prozent. Andere Deliktformen wie Betrug spielen demnach inzwischen eine deutlich kleinere Rolle.
Korruption ist dabei keineswegs immer ein Einzeldelikt. Laut Statistik wurden 17,3 Prozent dieser Straftaten in Gruppen begangen. In den meisten Fällen handelte es sich um Taten nach vorheriger Absprache, ein weiterer großer Teil entfiel auf organisierte Gruppen. Zugleich verweist die Generalstaatsanwaltschaft darauf, dass Korruptionstäter vergleichsweise selten einschlägig vorbestraft sind: Der Anteil früher Verurteilter liegt demnach bei lediglich 3,4 Prozent.
Auffällig ist auch die Altersstruktur. Zwar dominieren weiterhin die 30- bis 49-Jährigen mit 60,8 Prozent, doch am stärksten wächst die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen. Seit 2018 nahm ihre Zahl laut den veröffentlichten Daten um 84,6 Prozent zu. Auch unter den Bestechenden ist der Anteil junger Menschen gestiegen.
Der Anteil der Frauen unter den registrierten Korruptionstätern liegt bei rund einem Fünftel. Sie treten den Angaben zufolge überdurchschnittlich oft als Mittlerinnen bei Bestechungsvorgängen auf. Insgesamt hebt die Statistik hervor, dass Korruption in Russland eher in sozial stabilen Milieus vorkommt: Fast die Hälfte der Beschuldigten sind Angestellte, viele sind verheiratet und haben Kinder. Zugleich ist das Bildungsniveau deutlich höher als im Durchschnitt anderer Straftätergruppen. Mehr als die Hälfte verfügt über einen Hochschulabschluss; unter den Bestechungsempfängern liegt dieser Anteil sogar bei 87 Prozent.
Besonders bemerkenswert ist der psychologische Befund, den die Behörden anführen: Korruptionstäter würden sich oft als pragmatisch, zielorientiert und selbstbewusst beschreiben. Gleichzeitig bestehe ein Widerspruch zwischen dem hohen Stellenwert moralischer Begriffe wie „Gewissen“ oder „Anstand“ und einer geringen Wertschätzung des Gesetzes. Die Studie deutet das als Hinweis darauf, dass sich in bestimmten Milieus eine Art „Korruptionsnorm“ etabliert haben könnte.
Die von der Generalstaatsanwaltschaft veröffentlichten Daten zeichnen damit kein Bild des randständigen Kriminellen, sondern eher das eines sozial integrierten, beruflich etablierten und gut ausgebildeten Täters.

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