80.000 Euro – Wladimir P.’s Rache an G7

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[Eine Glosse von Michael Barth] Elmau – Das hat er sich ja schön ausgeheckt, der böse Wladimir. Weil ihn die anderen Kinder nicht mehr als achten Spielkameraden im Sandkasten haben wollten, hat sich der schon immer unangenehm aufgefallene Wladi einen diabolischen Plan ausgedacht. Rache ist süß.

Wie oft haben sich die Kleinen schon beschwert, dass der fiese Wladimir P. ihre Sandburgen überfallen und einfach kaputt gemacht hat. Den Eltern war dieser, meist in martialischer Pose auftretende Rüpel aus dem Osten daher von Anfang an suspekt. Nicht dass sie ihn nicht deswegen schon des Öfteren geschimpft hätten. Ja was sie gar alles versucht haben, das ungezogene Kind zur Räson zu bringen. Erst hat man ihm sein Taschengeld drastisch gekürzt, dann hat man ihm kein Pausenbrot mehr gegeben.

Als man jedoch sah, dass sich der böse Wladimir kein bisschen ändern wollte und einfach trotzig so weitermachte wie bisher, fühlte man sich genötigt, ihn aus dem Sandkasten zu schmeißen. Nicht dass es den Wladimir sonderlich berührt hätte, da er ganz genau wusste, dass seine Zeit eines Tages kommen würde. Und er wusste auch schon ganz genau, was für einen hinterhältigen Streich er den anderen sieben Kindern spielen würde. Denn: Rache ist süß.

Guter Strich ist teuer

Aber Wladis Rache ist auch teuer! Damit hat er sie nun nach Strich und Faden reingelegt. Wobei der Strich jetzt hierbei nur allzu wörtlich zu nehmen ist. Denn die Rache besteht aus nur einem Strich. Ja Sie haben richtig gelesen: Nur ein kleiner Strich. Allerdings ein teurer Strich. Stolze 80.000 Euro hat dieser einzige kleine vermaledeite Strich unterm Strich gekostet. Wie konnte das passieren? Die Frage ist berechtigt.

So einfach sich diese Frage erklärt, so unverständlich ist auch die Antwort. Zum Kindergeburtstag auf dem schmucken Schloss Elmau im schönsten Alpenland wollte man den Kleinen und ihren Freunden etwas Schönes bieten. Hübsche Partyhemdchen sollten es werden, das ganze Drumherum sollte einfach stimmig sein. Deshalb entwarf man ein munteres Logo eigens für diese Fete. Fein war dieses Emblem anzusehen. Acht bunte Linien, die in einen idyllischen Berggipfel übergehen.

Dummerweise hat man aber ja den bösen Wladimir ausgeladen. Damit waren diese acht Linien plötzlich wieder perdue. Der Grafiker murmelte irgendetwas von G7 in sein Kinn und trat seinen wunderschönen Entwurf beleidigt in die Tonne. Fix wurde ein Logo mit einem Strich weniger gebastelt. Alles war soweit prima, bis der Grafiker seine Rechnung präsentierte. Unglaubliche 80.000 Euro wollte er haben. Für einen Strich weniger. Teuer, sagen Sie? Ja, das finden wir auch.

Zugegeben, eine professionelle Werbeagentur mag die Messlatte anders setzen als ein kleines Grafikbüro. Aber selbst wenn man den Preis für einen vernünftigen Entwurf bei 5.000 Euro ansetzt, schaut es doch wesentlich preiswerter aus als 80.000. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wer diesen Bundesgrafiker abgesegnet hat. Denn: die Zeche zahlen immer noch die Eltern des Geburtstagskindes, und denen dünkt es spanisch. Zumal die Kosten für diesen Kindergeburtstag eh schon astronomisch waren. Die einen munkeln über 200 Millionen Euro, die anderen sprechen von 360 Millionen Euro. Irgendwo in der Mitte dürfte wohl die Wahrheit liegen.

Wie dem auch sei. Ein Schuldiger ist schon längst ausgemacht. Hätte sich der böse Wladimir anständig benommen, wären all die Maßnahmen gar nicht nötig gewesen. Darin ist man sich jetzt einig: Der P. ist schuld! Ist er sowieso an allem. Der wiederum mag jetzt in einem seiner Zuckertürmchen sitzen und sich vor Lachen auf die Schenkel klatschen. Denn: Rache ist süß…

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.