362,5 Millionen: Russland schuldet Fabio Capello jede Sekunde 17 Rubel mehr

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Auf der Webseite von „Sport-Express“ tickt ein Zähler: jede Sekunde wird Fabio Capello, der Cheftrainer der russischen Fußball-Nationalmannschaft, um 17 Rubel „reicher“. Umgerechnet schuldet der Russische Fußballverband RFS dem Italiener etwa 4,8 Millionen Euro Lohn. Eigentlich sollte die seit Juni offene Rechnung bis zum 19. Januar beglichen werden, das ist aber nicht geschehen. Jetzt rückt die russische Arbeitskontrollbehörde dem RFS auf die Pelle. Es drohen hohe Strafen. Sportminister Vitali Mutko findet die Situation inzwischen nur noch peinlich.

Der RFS ist tief in der Kreide. Nicht nur Capello bekommt sein Geld nicht, eine Kontrolle der Moskauer Behörden hatte im November ein Minus von 181 Millionen Rubel bei den Gehaltszahlungen für Mitarbeiter festgestellt. Verbands-Präsident Nikita Tolstych als Verantwortlicher muss mit saftigen Geldstrafen rechnen.

Der russische Sportminister Vitali Mutko ist empört. In einem Interview für „Sport-Express“ lässt er seinem Ärger Luft: „Es ist einfach schon peinlich, sich das anzusehen, zumal der RFS mehr als genug Möglichkeiten hatte (die Verpflichtungen gegenüber Capello zu erfüllen – Anm. d. Red.). Das zwingt, ordentlich darüber nachzudenken, warum das nicht passiert ist. Braucht die Organisation vielleicht ernsthafte Veränderungen, wenn dort keine richtigen Schlüsse gezogen werden?“

Fußballexperte Jewgeni Lowtschew sieht hinter dem Hin und Her mit den Lohnschulden ein politisches Spiel. Er ist überzeugt, dass „interessierte Kräfte“, darunter auch der Sportminister selbst, auf diese Weise versuchen, Tolstych zu diskreditieren und zum Rücktritt zu zwingen. Deswegen sei es auch nicht gelungen, einen Sponsor zu finden, der Capellos Lohnzettel begleichen könnte.

Inzwischen hat sich auch UEFA-Präsident Michel Platini zu Wort gemeldet. Er war unlängst in Moskau und hat sich mit Mutko und Tolstych getroffen. „Sport-Express“ zitiert: „Capello hat sich nie beschwert, aber ich finde es nicht richtig, dass er keinen Lohn bekommt. Das ist eine schlechte Werbung für den russischen Fußball, im Vorfeld der WM. (…) Ich rate dem RFS, dieses Problem zu lösen.“

Capello und sein Landsmann Oreste Cinquini, der als General-Manager der Sbornaja fungiert, bekunden jedenfalls bei jeder Gelegenheit, dass sie nicht daran denken, aus dem Vertrag auszusteigen. Zur Erinnerung: Capello ist bis zur Weltmeisterschaft, die 2018 in Russland stattfindet, vertraglich an den RFS gebunden.

[sb/russland.RU]