271 russische Athleten in Rio dabei – und das Kuddelmuddel geht weiter

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[Von Susanne Brammerloh] – Von ursprünglich 389 gemeldeten russischen Sportlern sind bisher 271 für die am heutigen Freitag beginnenden Olympischen Sommerspiele in Rio zugelassen worden. Das ist aber vielleicht nicht das letzte Wort – der Internationale Sportgerichtshof (CAS) rudert inzwischen zurück und erklärt die IOC-Entscheidung, frühere Dopingsünder von den Spielen auszuschließen, für ungültig. Dadurch erhalten weitere russische Sportler die Chance, doch noch auf den abfahrenden Olympiazug aufzuspringen.

Der Präsident des Russischen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, gab gegenüber dem Portal „R-Sport“ die Liste derer bekannt, die das Ticket zu Olympia gelöst haben. Zugelassen sind unter anderem die Wasserball-Frauen, alle Volleyball-Mannschaften, die ReiterInnen, die Handballerinnen, alle Judoka, Tischtennis-Spieler, Segler, Turmspringer, Schwimmer, Synchronschwimmer, Ringer, Boxer, Sportschützen, Rhythmische Sportgymnasten, Tennisspieler, Dreikämpfer und Fechter.

Ein großer Sieg gegen die Absurdität“

Draußen bleiben nach wie vor die 68 Leichtathleten, die vom CAS kollektiv ausgeschlossen wurden, egal mit oder ohne Doping-Nachweis. Da der Sportgerichtshof mit seinem jüngsten Beschluss, keine Doppelbestrafung zuzulassen, nun selbst zur „Unschuldsvermutung“ zurückkehrt, eröffnet sich ihnen rechtlich der Weg, die Suspendierung anzufechten. So äußerte CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb denn auch gleich die Vermutung, es könnte nun „zu Dutzenden Einsprüchen russischer Athleten kommen“.

Zwei Russinnen und ein Russe hatten mit ihrer Berufung bereits Erfolg: In der Nacht auf Freitag erteilte CAS der russischen Schwimmerin Julia Jefimowa die Starterlaubnis in Rio. Sie hatte ab 2014 eine 16 Monate lange Dopingsperre abgesessen. Auch die Ruderer Anastasia Karabelschtschikowa und Iwan Podschiwalow fallen unter die Regelung, dass alte Dopingsünden nicht mehr in Betracht gezogen werden.

Ihr Anwalt Michail Prokowez sagte gegenüber dem Portal „Wes Sport“, die Aufhebung des entsprechenden IOC-Beschlusses vom 24. Juli 2016 sei „ein riesiger Sieg. Man kann auch gegen das Absurde kämpfen und gewinnen.“

Russische Olympia-Fans stimmen mit den Füßen ab

Der ganze Kuddelmuddel um die Zulassung der russischen Olympioniken wirkt sich (natürlich) negativ auf die Bereitschaft der Fans aus, die eigene Mannschaft an Ort und Stelle zu unterstützen. Laut Maja Lomidse vom Russischen Reisebüroverband fahren viel weniger Russen zu den Spielen nach Rio als vor vier Jahren nach London. Es seien nur „ein paar tausend“. Gegenüber der Nachrichtenagentur NSN nannte sie am Donnerstag die Gründe dafür:

Das ist ein weit entferntes Land, es gibt keine direkten Flugverbindungen, (…) außerdem sind die Hotelpreise sehr gestiegen. Dann hat die Information über das Zika-Virus vor fünf, sechs Monaten viele abgeschreckt. (…) Und schließlich wirkt sich die reduzierte Stärke unserer Mannschaft auf die Zahl derer aus, die zur Unterstützung zu Olympia fahren wollen.“

Es gebe allerdings immer noch die Möglichkeit, sich kurzfristig zu einer Reise nach Rio zu entscheiden. Russen bräuchten für Brasilien kein Visum, auch gebe es noch genug Flugtickets und Eintrittskarten zu den Wettbewerben.

[Susanne Brammerloh/russland.NEWS]