27 Tote durch Artillerie in Mariupol – bald Angriff der Rebellen? [Videos aus YouTube]

Gegenseitige Schuldzuweisungen und Propagandaansprachen - Bevölkerung als eindeutige Leidtragende

Heftige Artilleriegefechte zwischen den Ukrainischen Regierungstruppen und den Rebellen gab es gestern in Mariupol am südlichen Frontabschnitt. Zunächst vor allem in Russland verbreitete Meldungen über einen heutigen Angriff der Rebellen auf die Stadt bestätigten sich hingegen nicht.

Die Bewohner filmen ihren Beschuss

Auch hier sind – wie in Donezk – wieder die Zivilisten die Leidtragenden und es gibt zahlreiche Amateurvideos aus der Stadt, die Schäden und Atmosphäre zeigen. Wie dieses hier, offensichtlich mit einem Handy gedreht:

Direkt nach dem Beschuss entstand ein Augenzeugenvideo, das die ukrainische Onlinezeitung Politnavigator veröffentlicht hat. Auch zahlreiche Fotos bringt der Navigator in einem Artikel. Zahlreiche weitere Fotos finden sich auch bei der Onlinezeitung Tajmer in Odessa, die ebenfalls unabhängige Beobachter vor Ort hat.

Rebellen vor der Stadt – Regierung darin

Die Rollen sind gegenüber Donezk vertauscht – allerdings besitzen hier beide Seiten reichlich Artillerie. Vor den Toren stehen die Rebellen – die Stadt beherrschen die Regierungstruppen, die Mariupol als örtliche Basis nutzen. In der Stadt ist unter anderem die berüchtigte Einheit „Asow“ der ukrainischen Nationalgarde stationiert, die weitgehend aus Neonazis besteht. Nach der Offensive der Regierungstruppen bei Donezk mit verstärktem Beschuss fühlen sich die Rebellen nun im Recht zur Gegenoffensive zu blasen. Dass „gleich“ auch „gleich schlecht“ sein kann, scheinen sie dabei nicht zu bedenken. So wurde allerorten zunächst vermutet, dass der Beschuss Vorbote eines Angriffs sei. Dieses Video zeigt nochmals rauchende Trümmer in Folge eines Einschlags in die Stadt hinein:

https://www.youtube.com/watch?v=uzQbQgVrEQ4

27 Tote soll laut der Charkower Onlinezeitung Nahnews der Artilleriebeschuss zur Folge gehabt haben. Die OSZE verurteilte den Beschuss der Zivilisten. Zum Einsatz gekommen wären auch wieder Raketenwerfer vom Typ „Grad“ schreibt Politnavigator, die wegen ihrer großen Streuweite ungeeignet sich, militärische Ziele zwischen ziviler Umgebung anzugreifen. Wer am Tod der Zivilisten Schuld ist, darüber gehen die Meinungen wie immer auseinander – Thema gegenseitige Beschuldigung – und unabhängige Quellen wie die örtliche Onlinezeitung Mariupol Schisn scheuen sich hier, Schuldzuweisungen vorzunehmen. Selbst durch die Sozialen Netzwerke der Stadt gehen sich widersprechende Meldungen, wie die hier dokumentierte. So beteiligen wir uns nicht an der Schulddiskussion.

Rebellenoffensive nur „verbal“?

Eine Ankündigung von Rebellenführer Sachartschenko bezüglich eines heutigen Startes der Offensive – der bereits von russischen Journalisten bestätigt wurde – hat sich laut den sozialen Netzwerken der Stadtbewohner so bisher gar nicht zugetragen, da es nach gestrigem starken Beschuss heute eher ruhig war. Das ukrainische Verteidigungsministerium spricht dennoch von Truppenverlegungen der Rebellen von Lugansk in Richtung Mariupol und macht ebenfalls auf Panik. Alle Reserven würden zur Verteidigung der Stadt herangezogen tönt laut Politnavigator Minister Awakow. Ob nach Auflösung des Nebels der Propaganda überhaupt ein Rebellenangriff kommt, steht aber noch in den Sternen. Besondere Brisanz besitzen Angriffsdrohungen deshalb, weil sich unter der Stadtbevölkerung eine unbekannte Anzahl von Rebellenanhängern befindet, die im Falle eines Angriffs durchaus tätig werden könnte. Die auch in deutschen Medien verbreiteten Nachrichten, ein Angriff auf die Stadt habe schon begonnen, können wir zur Stunde nicht bestätigen, trotz Alarmbefehls der NATO. Wir vertrauen nur auf örtliche Quellen.

russland.RU bleibt am Ball und am Ohr unabhängiger Quellen direkt aus dem Donbass, die weder Euromaidan-Oligarchen noch den Rebellen hörig sind. Zu beachten: Die in Deutschland im Zusammenhang mit Mariupol zitierte Onlinezeitung 0629.com.ua ist Teil eines dortigen Medienverbundes und steht dem Euromaidan nahe. Wer sich direkt vor Ort informieren will und Russisch kann, dem empfehlen wir die kleinere Onlinezeitung Mariupol Schisn.

Roland Bathon, russland.RU