200 Jahre – Leipzig 1813 – Ein großer Jahrestag

Dr. Christian Wipperführt

[von Dr. Christian Wipperfürth] Vor der Niederlage Preußens gegen Frankreich im Herbst 1806 hatte sich Napoleon noch mit der Rheingrenze zufriedengegeben.

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In den Jahren danach verleibte sich Frankreich die gesamten Niederlande und Nordwestdeutschland bis Lübeck ein, hinzu kamen beispielsweise noch Rom, Barcelona oder Triest.

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Die beiden europäischen Flügelmächte Großbritannien und Russland waren noch nicht bezwungen. Darum griff Napoleon im Juni 1812 Russland ohne die damals noch übliche Kriegserklärung an. Die sogenannte „Grande Armée“ umfasste 610.000 Mann. Sie bestand nur zu etwa einem Drittel aus Franzosen. Zwangsrekrutierte Deutsche dürften ähnlich stark vertreten gewesen sein. Sie kamen entweder aus den Rheinbundstaaten oder Gebieten Deutschlands, die in den vorhergehenden 20 Jahren von Frankreich annektiert worden waren.

Im folgenden halben Jahr fielen Zehntausende Soldaten Napoleons in Russland Schlachten zum Opfer, Hunderttausende aber starben an Seuchen wie der Ruhr oder Unterernährung. Bereits in den ersten sechs Wochen nach dem Überfall desertierten 50.000 Mann der „Grande Armée“. Die nach Nahrung umherirrenden Soldaten Napoleons wurden großenteils von der russischen Bevölkerung getötet, die unter rücksichtslosen Requirierungen zu leiden hatte. Etwa ein Drittel der Bevölkerung Weißrusslands kam zwischen Juni und Dezember 1812 ums Leben, ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg.

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Es ist umstritten, wie viele Soldaten Napoleons die Katastrophe überlebten. Die Zahlen schwanken zwischen 5.000 und 81.000. Von den 2.000 Mecklenburgern kamen 59 zurück, von den 30.000 Bayern schafften es lediglich 68 kampffähige Soldaten über die polnische Grenze.br>
In den folgenden Monaten wagten Preußen und Österreich mit russischer Unterstützung, Napoleon offen herauszufordern. Am 14. Oktober 1813 begann die Völkerschlacht bei Leipzig. Mit etwa 600.000 beteiligten Soldaten handelte es sich um die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte. Russen stellten das größte Kontingent der Koalitionstruppen.

Der 18. Oktober war der entscheidende Tag – vor genau 200 Jahren. Napoleon wurde entscheidend geschlagen. Mit hohen Kosten: Preußen hatte 16.600 Tote und Verwundete zu beklagen und Österreich 14.400.

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Für die 21.860 russischen Opfer wurde 1913 die Gedächtniskirche errichtet.

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Die französischen Verluste beliefen sich auf 38.000 Tote und Verwundete.
Napoleon konnte mit lediglich 100.000 Mann aus Deutschland abziehen. Sein Ende stand bevor. In der Silvesternacht von 1813/14 überschritt die preußische Armee den zugefrorenen Rhein bei Kaub.

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Nach Jahrzehnten der Kriege begann eine lange Friedenszeit. Sie war allzu oft zutiefst unbefriedigend, aber es mussten nicht mehr Millionen für „La Gloire“ sterben.

[russland.RU]

Über den Autor

Dr. Christian Wipperfürth
Arbeitet als Freier Publizist, Er hat zuvor für das Europäische Parlament bzw. den Deutschen Bundestag gearbeitet und Internationale Beziehungen an der Universität in St. Petersburg gelehrt.