Russische Reiseveranstalter und Branchenverbände verzeichnen einen starken Rückgang des Interesses ausländischer Touristen an Reisen nach Russland. Sergej Romaschkin, Vizepräsident des Verbandes der Reiseveranstalter Russlands, erklärte gegenüber der Zeitung Kommersant, der Reiseverkehr sei im ersten Quartal 2026 um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen.
Bei der Reise-App OneTwoTrip wird darauf hingewiesen, dass die Nachfrage von Ausländern nach Hotelbuchungen in Russland im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent zurückgegangen ist.
Auch Marina Lewtschenko, Geschäftsführerin des Reiseveranstalters Tari Tour, spricht von einem deutlichen Rückgang der Nachfrage. Ihr Unternehmen musste im März und April die Einreise von 34 Reisegruppen nach Russland stornieren. Neue Buchungen gebe es derzeit nur wenige, so Levchenko.
Dmitri Gorin, Vizepräsident des Russischen Tourismusverbandes, berichtet ebenfalls von einer hohen Zahl an Stornierungen und einem Rückgang der Nachfrage seitens klassischer Touristen. Bei Azimut Hotels wurde ein Rückgang der Besucherzahlen in bestimmten Reisezielen festgestellt.
Obwohl das russische Wirtschaftsministerium zu Beginn des Jahres einen Anstieg verzeichnete, wich die positive Entwicklung im März und April einem Rückgang. Die aktuelle Krise hat das Wachstum der Touristenzahlen, das sich in den vergangenen Jahren dank der Einführung elektronischer Visa abgezeichnet hatte, praktisch zum Erliegen gebracht.
Experten führen diesen Trend auf die drastische Verschärfung der geopolitischen Lage zurück. Den schwersten Schlag für die Branche versetzten die Ende Februar begonnenen Kampfhandlungen im Nahen Osten. Dies führte zu massiven Flugausfällen und Stornierungen von Reisen, nicht nur seitens der Einwohner arabischer Länder und des Irans, sondern auch seitens Reisender aus Südostasien, die die Drehkreuze im Nahen Osten für Flüge in die Russische Föderation nutzten.
Neben der militärischen Instabilität in der Region belasten auch innenpolitische Faktoren den Markt. Der Rückgang des Interesses chinesischer Touristen, die 2025 mehr als die Hälfte der Reisenden ausmachten, ist auf steigende Reisekosten sowie Störungen im Flugverkehr und im Mobilfunknetz in Russland zurückzuführen.

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