Nach schweren Überschwemmungen in Dagestan und Tschetschenien ist der föderale Ausnahmezustand verhängt worden. Die Entscheidung fiel nach einer Sitzung der Regierungskommission. In Dagestan ordnete Katastrophenschutzminister Alexander Kurenkow an, die Schäden rasch zu erfassen und Pläne für den Wiederaufbau zerstörter Wohnhäuser auszuarbeiten.
Republikchef Sergej Melikow begrüßte die Hochstufung auf föderale Ebene, da so zusätzliche Reserven und Hilfen für die Beseitigung der Folgen bereitgestellt werden können. In Dagestan hatten heftige Niederschläge Ende März und Anfang April zu massiven Überflutungen geführt; besonders betroffen waren Machatschkala, Kaspiisk sowie die Bezirke Chasawjurt und Derbent. Nach Behördenangaben kamen sechs Menschen ums Leben, mehr als 6.200 Menschen sowie zahlreiche Häuser, Grundstücke und landwirtschaftliche Objekte waren betroffen.
Wissenschaftler der Russischen Akademie der Wissenschaften sehen die Ursachen der regelmäßigen Überschwemmungen nicht nur in natürlichen Faktoren wie Schneeschmelze, Starkregen und der Gebirgslage Dagestans, sondern auch in menschlichen Eingriffen. Sie verweisen auf die Bebauung von Flussauen, Abholzung und Mängel bei der Instandhaltung wasserbaulicher Anlagen. Diese Faktoren hätten die Naturgefahren deutlich verschärft. Als Beispiel gilt auch der Einsturz eines Mehrfamilienhauses in Machatschkala, dessen Lage im Uferbereich des Flusses Tarnairka nach Einschätzung der Regionalführung Ausdruck einer verfehlten Bebauungspolitik ist.
Besonders schwer getroffen wurde die Landwirtschaft. Durch Überschwemmungen und den Bruch des Gejuch-Staudamms wurden Weinberge, Obstgärten, Gemüseflächen und Gewächshäuser zerstört, vor allem im Süden und Westen der Republik. Betroffen sind unter anderem die Bezirke Derbent, Kayakent, Kumtor-Kalin und Kizilyurt. Experten rechnen damit, dass allein die Wiederherstellung von Obstgärten mehrere Jahre dauern wird. Hinzu kommen Probleme in den Bergregionen, wo außergewöhnlich starker Schneefall die Weidenutzung einschränkt und die Viehzucht belastet. Fachleute fordern deshalb nicht nur schnelle Hilfe, sondern auch eine strengere Einhaltung von Bau- und Nutzungsvorschriften, um ähnliche Katastrophen künftig zu verhindern.
COMMENTS