Die beliebten Telegram-Kanäle, die zum russischen Messenger Max gewechselt sind, konnten dort bislang noch kein vergleichbares Publikum gewinnen – laut Daten von Ende 2025 war es etwa 60 Mal kleiner, schreibt die russische Zeitung Kommersant unter Berufung auf Analysten.
In Zahlen sieht das genauer so aus: Die Gesamtzuschauerzahl der Top-30-Kanäle auf Telegram beträgt etwa 87 Millionen Abonnenten. Max repräsentiert 57 Prozent dieser Kanäle. Ihre Gesamtzuschauerzahl beträgt jedoch nur 1,4 Millionen Menschen, was etwa 60-mal weniger ist als bei Telegram.
Hier sind einige Beispiele zum Vergleich: Der Kanal Solowjew liegt bei Telegram mit 1,2 Millionen Abonnenten auf Platz acht und bei Max mit 374.400 Abonnenten auf Platz zwei. Dmitri Medwedew hat 1,8 Millionen Abonnenten auf Telegram und 184.100 auf Max, RIAwNovosti 3,21 Millionen auf Telegram und 402000 auf Max. Der Kanal Mash hat 3,24 Millionen Abonnenten auf Telegram und 274.000 auf Max.
Die von „Kommersant“ befragten Marktteilnehmer führen diese Diskrepanz auf die Vorsicht der Nutzer sowie den Mangel an Business-Tools für die Vermarktung und Monetarisierung zurück.
„Telegram hat einen enormen kumulativen Netzwerkeffekt: Die Menschen haben dort über Jahre hinweg ihre Medienpräsenz aufgebaut”, sagt Igor Demidow, Geschäftsführer der Digitalagentur D-Agency. „Bei Max bedeutet die Tatsache, dass viele Menschen die App als Messenger nutzen, nicht, dass sie die Kanäle auch als Medien konsumieren.“
„Die Einnahmen eines Kanals bei Max können bestenfalls 5 bis 15 Prozent seines Potenzials bei Telegram betragen, wenn der Inhalt und die Häufigkeit der Veröffentlichungen vergleichbar sind”, schätzt Damir Feizullov, Direktor für SMM und ORM der Kommunikationsagentur PR Partner.
Auch die Interaktion der Abonnenten ist geringer. So lag der ERR-Wert (Verhältnis der durchschnittlichen Reichweite eines Beitrags zur Größe der Zielgruppe) für Medwedews Kanal im Januar bei 142,7 Prozent auf Telegram und nur bei 58,5 Prozent auf Max, wie Asja Schabalin, Digitaldirektorin bei iTrend, mitteilt.
Das Ausbleiben strengerer Maßnahmen gegen Telegram, mit denen andere ausländische Plattformen konfrontiert waren, während die Behörden versuchten, die Bürger zum nationalen Messenger zu bewegen, erklärt sich durch die Notwendigkeit, großen gesellschaftspolitischen Kanälen Zeit für den Übergang zu Max zu geben.
Wie Max dem Kommersant mitteilte, sind auf der Plattform bereits mehr als 150.000 Kanäle mit einer Gesamtzielgruppe von über 59 Millionen Abonnenten erstellt worden.

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