Präsidentenwahl in Abchasien – einem vergessenen Paradies am Schwarzen MeerWahl in Abchasien bild © hübner

Präsidentenwahl in Abchasien – einem vergessenen Paradies am Schwarzen Meer

In Abchasien wurde ein neuer Präsident gewählt. Dieser Vorgang in einer winzigen Region am Schwarzen Meer war für das deutsche Auswärtige Amt Anlass für eine Erklärung, der zufolge es dieses Votum für illegal hält. Nach Ansicht der Verfasser ist das Gebiet nach wie vor Teil Georgiens, wie zu Zeiten der Sowjetunion. Und selbst damals war es schon eine Autonome Sowjetrepublik. Im Jahre 1991 erklärte Georgien seinen Austritt aus der UdSSR, während Abchasien im Verbund der Sowjetunion bleiben wollte.

Als dann im Jahr darauf schwer bewaffnete georgische Armeeverbände in die autonome Region einmarschierten, offiziell, um die Eisenbahnverbindung zwischen Georgien und Armenien zu sichern, war das für die Abchasier eine Aggression gegen ihre Eigenständigkeit und sie setzten sich mit Mistgabeln und Jagdflinten zur Wehr. In dem folgenden fast zweijährigen Krieg kamen auf beiden Seiten mehr als zehntausend Menschen ums Leben. Die georgischen Streitkräfte waren gezwungen, sich aus Abchasien zurückzuziehen, mit ihnen flüchteten Tausende georgischstämmige Einwohner Abchasiens. Kurz darauf wurde die Republik Abchasien ausgerufen. Georgien kann sich mit dieser Niederlage bis heute nicht abfinden und beansprucht nach wie vor diesen fruchtbaren und landschaftlich einzigartigen Landstrich am Südausläufer des Kaukasus für sich. Unterstützt wird es in dieser Haltung von den meisten Ländern des Westens, die Abchasien bis heute die internationale Akzeptanz verwehren. Selbst Russland erkannt die Republik erst 2008 als souveränen Staat an, hatte bis dahin aber schon umfangreiche humanitäre Hilfe geleistet.

Heute sind Abchasien und der große Nachbar Russland über einen Freundschafts- und Beistandspakt verbunden, mit dem die Kriegsgefahr bis auf weiteres gebannt ist. Zudem steuert Russland mit jährlich rund fünf Milliarden Rubel etwa die Hälfte des Budgets der 300.000-Seelen-Republik bei.

„Die Haupteinnahmequelle ist bei uns neben dem Verkauf von allem, was im Garten und auf dem Feld wächst, der Tourismus“, erklärt der junge Bauunternehmer Iua Sakania. „Jedes Jahr kommen mehr Touristen, um sich am Schwarzen Meer oder im Gebirge, zum Beispiel am weltbekannten Ryza-See, zu erholen. Überall entstehen kleine Hotels und Restaurants. Dabei ist das touristische Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.“ Die meisten der jährlich rund zwei Millionen Touristen kommen natürlich aus Russland. Im Westen sind Kap Pizunda oder Suchum, die Hauptstadt der Republik, weitgehend unbekannt, waren aber zu Zeiten der Sowjetunion begehrte Reiseziele, vor allem für Urlauber aus den sozialistischen Staaten. „Der Ausbau der Strände und ein alpines Skigebiet mit den dazugehörigen Hotels sind interessante Projekte für Investoren“, ist Astamur Logua, Abgeordneter in der Volksversammlung, dem abchasischen Parlament, sicher. „Unser Staat bietet Anlegern die größtmögliche Rechtssicherheit, allerdings brauchen ausländische Investoren wegen der Blockade des Westens etwas Phantasie, um hier ihr Geschäft zu eröffnen. Aber es geht, wie die Beispiele Coca Cola oder Apple zeigen.“ Die diplomatische und wirtschaftliche Isolation des Landes wird seiner Ansicht nach noch etwa zehn Jahre andauern, bis auf beiden Seiten die nächste Generation von Politikern am Ruder ist, die nicht mehr im Krieg aktiv war. „Dass Abchasien nicht mehr nach Georgien zurückkehrt, ist hier wie dort klar, aber die Erinnerungen und gegenseitigen Vorbehalte sind noch viel zu lebendig.“

So versucht die kleine Republik ihr Leben so gut wie möglich zu organisieren. Dabei kann man sich der Solidarität der anderen nicht anerkannten Staaten aus dem postsowjetischen Raum, wie Süd-Ossetien, Prednistrowje oder den Volksrepubliken Donezk und Lugansk sicher sein, die ebenfalls Beobachter zu den Präsidentenwahlen am letzten -Sonntag geschickt hatten. Mit der Internationalen Vereinigung der Freunde der Krim wurde aus diesem Anlass eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet geschlossen.

Bei der Abstimmung hatten knapp 130.000 Bürger in direkter Wahl zwischen neun Kandidaten zu entscheiden. Allerdings spielten hier weniger politische Programme eine Rolle, als die persönliche Bekanntheit der Bewerber und der Ruf in der Bevölkerung. Diesmal konnte der aktuelle Präsident Raul Chadschimba seinen Amtsbonus nicht wie erhofft ausspielen, so dass ihm zwei Konkurrenten dicht auf den Fersen waren. Deshalb wird es in zwei Wochen eine Stichwahl geben. Die dürfte aber genauso ruhig und gut organisiert ablaufen, wie die erste Runde, glaubt Logua.

„Natürlich möchten wir, dass unsere Entwicklung schneller vorangeht und dass von dem vorhandenen Geld mehr für Bauprojekte und die soziale Infrastruktur eingesetzt wird“, erklärt er „Unser Parlament, das aus 35 meist parteilosen Abgeordneten besteht, wird mit dem neuen Präsidenten im kritisch-konstruktiven Dialog stehen. Denn letztlich wollen alle dasselbe – dass es vorangeht in unserem Land.“

[hh/russland.NEWS]

COMMENTS