Moskau: Zugangskontrollen verursachten Schlangen vor U-Bahnhöfen und Staus auf AutobahnenSymbolbild

Moskau: Zugangskontrollen verursachten Schlangen vor U-Bahnhöfen und Staus auf Autobahnen

Seit heute können Moskauer nur zu Fuß in der Stadt bewegen, wenn sie nicht den neuen Pass bei sich haben. Etwa 2.500 Verkehrskameras überprüfen die Bewegungen von Autos in Moskau. Verstöße werden mit einer Geldstrafe von 5 000 Rubel geahndet.

Später versicherte die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf eine Quelle im Rathaus, dass die Verkehrskameras in den kommenden Tagen keine Verstöße gegen Geldbußen registrieren werden: „Noch nicht, in den nächsten zwei Tage auch nicht. Dann werden wir sehen.“

Zuwiderhandelnde werden nicht nur von den Kameras, sondern auch persönlich erfasst und bestraft. Mitarbeiter der Verkehrspolizei und Rosguardia wurden mit Tablets und Smartphones mit der Anwendung zum Scannen des Pass-Codes ausgestattet. Derzeit sind Mitarbeiter dieser Dienste auf den Straßen noch nicht beobachtet worden.

Am Wochenende gab es an den Eingängen nach Moskau selektive Überprüfungen von Autofahrern, aber seit heute ist an allen Ein- und Ausfahrten eine Überprüfung obligatorisch. Am Morgen bildeten sich an den Eingängen Moskaus Staus, schrieb Kommersant unter Bezugnahme auf Yandex.Traffic.

Wie allen Moskowitern vorher bekannt war, kann man jetzt nicht mehr in die U-Bahn ohne Ausweis gehen, aber niemand hat erwartet, dass sie an allen Stationen direkt am Eingang überprüft werden. Medien und Nutzer sozialer Netzwerke berichteten, dass sich deshalb an vielen Stationen riesige Warteschlangen gebildet haben. Nach den zahlreichen Fotos in den sozialen Netzwerken zu urteilen, wird der vorgeschriebene soziale Abstand von 1,5 Metern in den Schlangen nicht eingehalten. Alles bewege sich nur extrem langsam.  Der digitale Code wird mit Tablets überprüft. Zusätzlich bittet die Polizei um das Vorzeigen des normalen Reisepasses.

Der Pressedienst der Moskauer Metro äußert sich nicht zur Situation. „Wir haben kein Recht, zu den Handlungen von Polizisten Stellung zu nehmen.“ Fahrgäste in Bussen werden nicht überprüft.

Wie das Büro des Moskauer Bürgermeisters erst am Dienstagabend warnte, kann man ohne Pass auch kein Taxi bekommen. Das bedeutete, dass die Taxiunternehmen und Aggregatoren das neue System über Nacht implementieren mussten. Ursprünglich ging man davon aus, dass der Passagier den Passcode in die Anwendungen der Aggregatoren eingeben würde, aber diese Lösung konnte nicht in kurzer Zeit umgesetzt werden. Stattdessen wurde der Passcheck an die Taxifahrer übertragen. Sie sollen die Gültigkeit des Codes des Fahrgastes mit Hilfe der Anwendung „Moscow Assistant“ überprüfen, die die Taxifahrer auf Smartphones installieren müssen. Die Entwicklung traf die Aggregatoren unvorbereitet. Da die Information, dass die Pässe von den Taxifahrern kontrolliert werden müssten, erst am Dienstagabend kam, war von Anfang an klar, dass es technisch unmöglich war, diese Form der Passprüfung umzusetzen.

Die Taxifahrer selbst brauchen keinen digitalen Pass und dürfen auf der Grundlage ihres Führerscheins und Lizenzen für den Personenverkehr fahren.

Militärangehörige, staatliche und kommunale Angestellten, Richter, Rechtsanwälte, Notare und Journalisten, die sich mit offiziellen Bescheinigungen ausweisen können, sind von der Notwendigkeit des Erwerbs eines Passes befreit. Eine Schwierigkeit besteht aber darin, dass der Ausweis eines Soldaten oder Journalisten zwar einem Polizisten, nicht aber einer Kamera gezeigt werden kann.

In einer heute von der Moskauer Verkehrspolizei herausgegebenen Klarstellung heißt es abschließend: „Liebe Bürger! Um die Ausbreitung der Virusinfektionen zu verhindern, verlassen Sie außer in Notfällen nicht Ihr Zuhause! Pass auf dich und deine Lieben auf.“

Das digitales Genehmigungssystem wurde am 15. April auf Initiative von Bürgermeister Sergej Sobjanin im Zusammenhang mit der Verbreitung von Coronaviren eingeführt. Es gibt drei Kategorien digitaler Ausweise – für Fahrten zur Arbeit, zu Krankenhäusern und Kliniken sowie für „persönliche Zwecke“.

[hrsg/russland.NEWS]

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