Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) wird die Erfahrungen der Europäischen Union bei der Machtverteilung zwischen nationalen Regierungen und supranationalen Strukturen, auch in Krisensituationen, berücksichtigen, kündigte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag während eines Runden Tisches mit Vertretern des Gortschakow-Fonds für öffentliche Diplomatie an, der in Form einer Videokonferenz abgehalten wurde.
„Die Europäische Union macht, wie wir alle, sehr schwierige Zeiten durch, aber diese Krise [die Pandemie] fiel mit einer Intensivierung der Diskussion innerhalb der Europäischen Union über das optimale Gleichgewicht zwischen den supranationalen Organen und der Verantwortung der nationalen Regierungen zusammen. Natürlich diskutieren wir dies auch in der EAWU. Wir sollten immer Lehren aus Krisen ziehen, die für die Zukunft nützlich sein werden, und die Art und Weise, wie diese Fragen in der EU gelöst werden, wird für uns sehr nützlich sein, um Wege zur Lösung der entsprechenden Aufgaben innerhalb der EAWU zu finden.
Lawrow wies darauf hin, dass die Pandemie zu einem Zeitpunkt ausbrach, als die EAWU-Mitgliedsländer „neue, sehr wichtige qualitative Schritte in der eurasischen Integration“ unternehmen mussten. Er machte darauf aufmerksam, dass die EAWU-Mitgliedsstaaten zur leichteren Überwindung der Krise kollektive internationale Strukturen entwickeln sollten, insbesondere die Eurasische Entwicklungsbank.
„Wie können die EAWU-Mitgliedsstaaten die gegenwärtigen schwierigen Zeiten mit den geringsten Verlusten überwinden? Ich bin überzeugt, dass geht nur gemeinsam“, fasste der Minister zusammen.
Lawrow glaubt auch, dass die Europäische Union zurzeit offener für den Dialog mit der EAWU ist und betonte, dass Moskau die Entwicklung einer strategischen Partnerschaft auf dem eurasischen Kontinent unterstützt
Auf die Frage nach der Möglichkeit eines Beitritts europäischer Staaten zur EAWU im Falle eines Zusammenbruchs der Europäischen Union stellte Lawrow fest, dass er sich diese Situation nicht vorstellen kann und sie nicht in Betracht gezogen werden sollte.
Seiner Meinung nach wäre es am korrektesten, Kontakte zwischen der EAWU und der EU herzustellen. „Solche Vorschläge wurden bereits 2015 diskutiert, sie werden weiterhin in Brüssel geprüft. Die EAWU, vertreten durch die Eurasische Wirtschaftskommission, hat der Europäischen Kommission die entsprechenden Initiativen mehrfach vorgelegt“, erinnerte er.
„Zuerst war die Haltung einfach negativ. Dann, als Brüssel erkannte, dass viele praktische Funktionen der EAWU-Mitgliedsstaaten auf die supranationale Ebene delegiert wurden, ist Brüssel offener geworden für den Dialog mit der eurasischen Wirtschaftskommission, bisher jedoch nur über solche technischen Fragen wie technische Vorschriften, Regulierung verschiedener Industrien und so weiter. Aber das ist schon etwas, das sind praktische Dinge, auf denen wir aufbauen und die Interaktion verstärken können.“
Lawrow betonte, dass Moskau die Entwicklung einer strategischen Partnerschaft auf dem gesamten eurasischen Kontinent befürwortet. „Ich denke, dass es auf diesem Weg für die EU leichter sein wird, ihre internen Probleme zu lösen, und die EAWU wird auch für eine Zusammenarbeit im Interesse ihrer eigenen Mitgliedsländer offen sein“, schloss er.
[hrsg/russland.NEWS]

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