Am Montag, kurz vor dem Gipfeltreffen von Wladimir Putin und US-Präsident Joe Biden am 16. Juni, las Bestsellerautor Hubert Seipel aus seinem Buch „Putins Macht: Warum Europa Russland braucht“. Die Lesung fand im Rahmen der Reihe „Russland im Gespräch“ auf der Konferenzplattform Zoom statt.
In dem Buch analysiert der renommierte Journalist die Politik Russlands der letzten Jahre, das unfruchtbare Kräftemessen der EU mit Russland und ein globales Machtsystem, das sich neu ausrichtet. Hubert Seipel kennt den russischen Präsidenten Wladimir Putin wie keinen anderen. Seipel genießt als einziger westlicher Journalist einen direkten, persönlichen Zugang zum Staatsoberhaupt.
Warum hat Seipel dieses Buch überhaupt geschrieben, denn 2015 ist sein Buch „Putin. Innenansichten der Macht“ erschienen. „Weil die Geschichte immer weiter geht. Es gibt immer noch was zu erzählen“. Es sei so viel passiert in den letzten fünf Jahren vor allem im Hinblick auf Amerika, so Seipel. Den Amerikaner haben tatsächlich geglaubt, dass es Putin gelungen ist, den „Stuhl dem amerikanischen Präsidenten“ mit Trump zu besetzen. „Das war eine spannende Kiste. Merkel und Putin sind diejenigen, die am längsten gespielt haben.
Seipel war beim Petersburger Wirtschaftsforum. Wie ist die Stimmung dort, wollte der Moderator wissen. „Die Stimmung ist nicht so wahnsinnig optimistisch“. Die Russen erwarten nicht so viel vom Treffen zwischen Putin und Biden.
Ob er mit Putin für das Buch gesprochen habe? Im letzten halben Jahr nicht, aber die ganzen Jahre vorher schon. Im Buch zitiert Seipel auch persönliche Gespräche mit dem russischen Präsidenten.
Für die Lesung wählte der Autor ein Kapitel über die Münchener Sicherheitskonferenz und über Donald Trump und über Müller Report.
„Die Vorstellung, dass man von hier aus politische Verhältnisse in Russland ändern kann, in dem man die Opposition unterstützt, führt nicht unbedingt dazu, dass man sich besser verträgt“, ist der Journalist überzeugt. Auch die massive Aufrüstung auf beiden Seiten, dieses „Schaukelspiel“ macht ihm große Sorgen.
„Ein gemeinsames Europa wird nicht ohne Russland geben. Nicht nur, weil das Land die größte Atommacht der Welt ist, sondern auch weil Moskau Teil der europäischen Geschichte ist. Ohne Russland würde es keine Aufarbeitung der Vergangenheit geben, Europa wird da stehen bleiben, wo wir schon nach dem Ersten Weltkrieg standen – in den Schützengräben. Der Krieg der Erinnerungen statt Erinnerungen an den Krieg garantiert nur eins – Krieg“, mit diesem letzten Absatz aus seinem Buch schloss Hubert Seipel die Lesung ab.
[Daria Boll-Palievskaya/russland.NEWS]

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