Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat Probleme mit der Gleichstellung der Geschlechter, da die Behörde nur von Männern geleitet wird, sagte die Sprecherin des Föderationsrates Valentina Matwienko. Die Senatoren diskutierten in einer Plenarsitzung die Tatsache, dass es seit 27 Jahren keine einzige Frau in der Leitung der Generalstaatsanwaltschaft gibt.
Dieses Thema brachte Senator Nikolai Fedorow auf die Tagesordnung. Er glaubt, dass „das Fehlen einer weiblichen Perspektive das Bild der Welt stark verzerren kann“. Frau Matwienko bat den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Anatoli Rasinkin, die Bedenken der Senatoren an den Generalstaatsanwalt Igor Krasnow zu übermitteln.
„Die Senatoren haben wiederholt angemerkt, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Generalstaatsanwaltschaft noch nicht in Ordnung ist. Wir werden die Situation überwachen und kontrollieren“, sagte die Sprecherin des Föderationsrates. Dabei gehe es nicht um besondere Ausnahmen und Vorteile für Frauen in der Staatsanwaltschaft sprechen, sondern über gleiche Wettbewerbsbedingungen.
Nur einmal in der Geschichte der russischen Staatsanwaltschaft (seit 1722) stand eine Frau an ihrer Spitze: Von 1936 bis 1937 war Faina Njurina amtierende Staatsanwältin der damaligen RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik). In der derzeitigen Leitung der Generalstaatsanwaltschaft unter Igor Krasnow gibt es keine Frauen. Unter dem sechsköpfigen Führungsstab der Abteilung für Medienarbeit sind zumindest zwei Frauen zu finden – die Chefin Generalowa Anna Andrejewna und die für Massenmedienüberwachung zuständige Abteilungsleiterin Beketowa Karina Alexandrowna.
Matwienko sieht einen weltweiten Bedarf einem „weichen Managementstil“ und „weiblicher Führung“. Man werde mehr und mehr Frauen in die Lösung dringender Probleme unserer Zeit einbeziehen. Zu den Hauptqualitäten weiblicher Führungskräfte zählt sie die Fähigkeiten, Kompromisse zu suchen, sich in die Lage eines anderen zu versetzen und eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung zu finden. Und Optimismus. „Ich bin ein Optimist im Leben. Und dies ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Führungsqualitäten“, so Matwienko im letzten September bei der Präsentation des Bildungsprogramms „Woman Leader“.
Damals bezeichnete sie die Gleichstellung der Geschlechter in Russland „sowohl in rechtlicher als auch in politischer Hinsicht und in Bezug auf Karrieremöglichkeiten als uneingeschränkt gewährleistet“. Schließlich gäbe es „immer mehr weibliche Führungskräfte in den Bereichen Staat, Kommunalverwaltung, Unternehmensführung, Wirtschaft, Haushalt, Wissenschaft und Kultur“.
Dennoch verbänden die meisten Einwohner Russlands immer noch das Bild einer erfolgreichen Person mit einem Mann. Eine Studie über das Bild einer erfolgreichen Person aus dem Spätsommer habe gezeigt, dass 83 Prozent der Befragten erfolgreiche Zeitgenossen und nur 17 Prozent Zeitgenossinnen nannten. Matwienko selbst wird dem Bild einer erfolgreichen Frau entsprechen. Von 2003 bis 2011 war sie Gouverneurin von Sankt Petersburg. Durch ihr Amt als Sprecherin des Föderationsrates ist sie Mitglied im wichtigsten russischen Führungsgremium, dem Sicherheitsrat.
Der Föderationsrat ist mit einem Oberhaus (englisch upper house, französisch chambre haute) zu vergleichen, in das alle 85 Subjekte der russischen Föderation je einen Vertreter entsenden. Im Gegensatz zur Staatsduma kann der Föderationsrat nicht vom Präsidenten aufgelöst werden.
Der deutsche und der österreichische Bundesrat werden normalerweise nicht als Oberhaus bezeichnet, obwohl sie ähnliche Funktionen erfüllen.
[hrsg/russland.NEWS]

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